Newsticker
EMA gibt grünes Licht für Johnson-Impfstoff
  1. Startseite
  2. Lokales (Günzburg)
  3. Steuer für einen Kampfhund, der keiner ist?

Burgau

04.05.2019

Steuer für einen Kampfhund, der keiner ist?

Johanna Bihler aus Burgau liebt ihre neuneinhalb-jährige Rottweiler-Hündin Tammy. Seit 2012 sind die beiden fast unzertrennlich. Tammy lebte zuvor ein Jahr im Tierheim Günzburg. „Der Rottweiler hat einen starken Charakter“, sagt Johanna Bihler. Doch Tammy sei gut trainiert und wohl erzogen.
Foto: Bernhard Weizenegger

Tammy gehört als Rottweiler-Hündin offiziell zur Kategorie der Kampfhunde. Doch behördlich wird ihr bescheinigt: Sie ist nicht auffällig. Trotzdem sollte Halterin Johanna Bihler aus Burgau viel Geld für das Tier zahlen.

Zum 1. Januar ist es teurer geworden, in Burgau einen Hund zu halten. So hatte der Stadtrat im Februar vergangenen Jahres unter anderem beschlossen, dass für Kampfhunde nun 500 Euro im Jahr gezahlt werden müssen, zuvor waren es 26 für alle Rassen ( Hundehaltung kostet ab 2019 mehr) . Johanna Bihler war sehr überrascht und verärgert, als der entsprechende Bescheid jetzt bei ihr einging. Denn sie hat zwar eine Rottweiler-Hündin – diese Rasse fällt offiziell unter die Kampfhunde –, doch für ihre Tammy hat sie auch ein Negativzeugnis. Dieses Dokument, ausgestellt von der Stadt Burgau, besagt, dass es zum Halten der Hündin keine Erlaubnis brauche, „da die vermutete Kampfhundeeigenschaft (...) als widerlegt gilt.“ Es gebe auch keine Auflagen, heißt es im Schriftstück, das unserer Zeitung vorliegt.

"Der Hund passt nur auf mich auf"

Bihler sagt, Tammy sei neuneinhalb Jahre alt und seit sieben bei ihr. Wenn jemand einen besonders auffälligen Hund hat und ihn scharf abrichtet, solle diese Person ruhig mehr zahlen. Aber ihr Hund sei absolut unauffällig, was ihr die Stadt ja auch bestätigt habe. „Der Hund passt nur auf mich auf.“ Daher kann sie nicht verstehen, warum sie nun so viel mehr bezahlen soll – und warum Burgau im Vergleich anderer Kommunen so teuer sei.

Dieser Ansicht ist auch Angela Kraft. Sie hat einen Dog Argentino namens Diego, bei dieser Rasse wird wie beim Rottweiler eine Kampfhunde-Eigenschaft vermutet, solange nicht nachgewiesen ist, dass es „keine gesteigerte Aggressivität und Gefährlichkeit gegenüber Menschen oder Tieren“ gibt, wie es in der entsprechenden Verordnung heißt. Hier stehe das Negativzeugnis noch aus.

Auch für Hund Diego fallen höhere Steuern an.
Foto: Angela Kraft

Jedenfalls habe sie dem Bürgermeister einen langen Brief geschrieben und ihr Unverständnis zum Ausdruck gebracht, dass auch sie nun 500 Euro zahlen soll – zumal es Bürger gebe, die ihr Tier bewusst in einer anderen Gemeinde angemeldet hätten, weil es dort billiger sei, oder eine falsche Rasse angegeben hätten. Über kurz oder lang, vermutet auch Johanna Bihler, würden die Tierheime überfüllt, weil sich die Leute dann ihre Hunde nicht mehr leisten könnten. Generell hat auch Kraft ihre Schwierigkeiten mit dem Begriff „Kampfhund“, weil beispielsweise Belgische Schäferhunde von Polizei und Militär zu Waffen ausgebildet würden, sie aber nicht auf den entsprechenden Listen auftauchten. „Der Schäferhund ist halt des Deutschen liebster Hund.“

Ein Negativzeugnis ist nötig

Burgaus Kämmerer Tobias Menz sagt auf Anfrage, dass es ein Negativzeugnis brauche, um einen solchen Hund überhaupt halten zu dürfen. Aus der Rechtsprechung gehe auch hervor, dass grundsätzlich Tiere entsprechend besteuert werden dürften, die zu den Kampfhunden gezählt werden. Allerdings lässt er das Argument mit dem Negativzeugnis durchaus gelten, die Rechtsprechung lasse es auch zu, hier zu differenzieren.

So gebe es Kommunen, die das tun, in der entsprechenden Burgauer Satzung sei diese Abstufung aber noch nicht enthalten. Die Stadt habe bereits mehrere Schreiben von Bürgern deswegen bekommen. Deshalb werde momentan der Vollzug ausgesetzt, die entsprechenden Halter – Menz geht von fünf oder sechs Fällen von Kampfhunden in der Stadt aus, die auch alle ein Negativzeugnis hätten – müssen die Gebühr erst einmal nicht bezahlen. Zunächst werde das Thema wieder dem Stadtrat zur Beratung vorgelegt. Dieser müsse entscheiden, ob man bei der bisherigen Regelung bleibt oder die Satzung überarbeitet wird. Der Kämmerer sieht die Hundesteuer in Burgau auch nicht als überzogen, hier gehe es durchaus auch um eine gewisse Steuerungswirkung, sagt Menz. Beispielsweise verlangt die Stadt Günzburg für Kampfhunde ebenfalls 500 Euro, steht in der entsprechenden Satzung.

Aber wie die Verwaltung auf Anfrage erklärt, gibt es bei Rottweilern bei einem Negativzeugnis eine Ausnahme: Dann kostet das Tier nur 50 Euro. Leipheim hatte Anfang des Jahres beschlossen, für bereits angemeldete Kampfhunde 250 und für „neue“ auch 500 Euro zu verlangen ( Höhere Steuer für Kampfhunde) . In der „Hauptstadt“ Bayerisch-Schwabens, Augsburg, werden sogar 840 Euro fällig.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren