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Kammeltal

24.01.2019

Trotz Protest: Straßenausbau in Egenhofen beginnt

Die Bürger im Kammeltaler Ortsteil Egenhofen wehren sich vehement gegen den Straßenausbau. Überall im Dorf hängen großen Plakate. Trotz ihres Widerstands gehen Anfang Februar aber die Bauarbeiten los.
Bild: Bernhard Weizenegger

Der Kammeltaler Bürgermeister steht zu der Sanierung im Dorfzentrum. Warum die betroffenen Bürger auf ihren Rathauschef nicht mehr gut zu sprechen sind.

Die letzte Sitzung des Gemeinderats Kammeltal im vergangenen Jahr war für die Bürger von Egenhofen ziemlich aufwühlend. Ganz in ihrem Sinn forderte ein Gemeinderatsmitglied den Stopp des Straßenausbaus in dem 100-Einwohner-Ortsteil, doch das Gremium stimmte mehrheitlich gegen den Antrag (mehr dazu lesen Sie hier). Das Ergebnis war für Sandra Rotondo derart niederschmetternd, dass die Sprecherin der Egenhofer Bürger nur Stunden später zusammenbrach und in die Notaufnahme gebracht werden musste. Kaum ist sie genesen, kommt die nächste Hiobsbotschaft: Schon am 4. Februar rücken in Egenhofen die Bagger an und beginnen direkt in der Ortsmitte mit dem Straßenausbau. „Wir alle sind entsetzt, dass unser Einsatz nichts gebracht hat und sind überrascht, dass es jetzt so schnell losgeht“, sagt Rotondo. Von überhastetem Handeln will Bürgermeister Matthias Kiermasz nichts wissen, alles sei sorgfältig über zwei Jahre hinweg geplant worden. „Die Baufirma hat uns dieses Datum genannt. Ob es an dem Stichtag wirklich losgeht, hängt allerdings von der Witterung ab.“

Wie berichtet, versucht die Gemeinde Kammeltal seit zwei Jahren, eine etwa 700 Meter lange Passage der Dorfstraße in Egenhofen auszubauen. Aus Sicht der Verwaltung muss die Straße, die vor Jahrzehnten nur staubfrei gebaut sei, erweitert, gepflastert und mit breiten Gehwegen versehen und der Kanal ausgetauscht werden. Da es sich um eine erstmalige endgültige Herstellung handle, ist die Gemeinde laut Kiermasz verpflichtet, Gebühren zu erheben. Was bedeuten würde, dass 90 Prozent der umlagefähigen Kosten den Anliegern in Rechnung gestellt würden.

Auf Bürger in Egenhofen kommen fünfstellige Beträge zu

Etwa 2,2 Millionen Euro hat die Gemeinde für den Ausbau und die Kanalsanierung einkalkuliert. Diese Summe wurde auch am Dienstag im Gemeinderat bei der Bekanntgabe von Vergaben noch einmal genannt. Etwa 1,2 Millionen Euro müssten die Egenhofer stemmen. Insbesondere für solche mit großen Grundstücken könnten da leicht fünfstellige Beträge zusammenkommen. Viele Anlieger fühlen sich deshalb in ihrer Existenz bedroht und kämpfen gegen das Projekt, haben Unterschriften gesammelt, einen Rechtsanwalt eingeschaltet. „Wir brauchen und wollen keinen Luxusausbau“, wiederholt Sandra Rotondo im Namen der Betroffenen.

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Die Hoffnung der Bewohner, dass der Antrag von Gemeinderatsmitglied Johannes Böck, den Straßenausbau zu stoppen und nur die Sanierung des Wasserleitung- und Kanalnetzes durchzuführen, fruchten würde, erfüllte sich nicht. Der Rat stimmte im Dezember dagegen, noch in derselben Sitzung bekam die Firma Kranzfelder aus Zusmarshausen den Bauauftrag.

In drei Abschnitten wird bis Dezember 2019 gebaut

Und in Kürze geht es los. In drei Abschnitten wird gebaut, um das Dorf „nicht komplett lahmzulegen“, wie der Bürgermeister betont. Begonnen wird am Maibaumplatz in Richtung Norden, bis Ende Dezember soll das Projekt abgeschlossen sein. Erst vor wenigen Tagen hat Kiermasz die Bürger in einem Brief über den Ausbau informiert, dass die Strecke während der Bauzeit für den Durchgangsverkehr komplett gesperrt wird, die Anlieger aber zu ihren Grundstücken gelangen.

Einen genauen Ablauf- und auch Zahlungsplan werde die Firma später noch vorlegen, sagt Kiermasz. Erst dann könne der Anteil der Kosten berechnet werden, der auf die Bürger umgelegt wird. Ob die Gemeinde am Ende abrechnet oder Vorausleistungen verlangt, sei eine Ermessensentscheidung. „Das hängt auch von der Liquidität der Gemeinde ab. Wir werden das sorgfältig prüfen“, sagt Kiermasz. Eine konkrete Aussage über Kosten möchte der Rathauschef nicht machen, „das wäre unseriös“.

Dass sie bis heute jedoch nicht wissen, in welchem Rahmen sich die Kosten bewegen, können Sandra Rotondo und ihre Mitstreiter nicht nachvollziehen. „Wer ein Haus baut, muss auch vorher berechnen, was es ungefähr kostet. Wir wissen überhaupt nicht, was auf uns zukommt. Wir können nicht planen“, beschwert sie sich. Die Stimmung im Dorf sei „sehr aufgeheizt“, der Frust groß und noch größer die Wut auf den Bürgermeister. Es habe sich der Eindruck verstärkt, dass vieles hinter dem Rücken der Bürger ablaufe. Viele hätten das Gefühl, übergangen und nicht ernst genommen worden zu sein. Noch einmal das Gespräch mit dem Bürgermeister zu suchen, „wäre fruchtlos“, sagt Sandra Rotondo.

Bürgermeister Matthias Kiermasz wurde von der Feuerwehr ausgeladen

Deshalb fand auch die Jahreshauptversammlung der Feuerwehr am vergangenen Montag erstmals ohne Bürgermeister und Grußwort statt. Man habe ihn bewusst ausgeladen, „im Moment will ihn hier keiner sehen“, nimmt Rotondo kein Blatt vor den Mund. Am Beginn des Straßenausbaus sei zwar nichts mehr zu ändern, aber eine Hoffnung bleibe den Bewohnern noch: Sobald die Gemeinde den ersten Zahlungsbescheid verschickt, werde Klage eingereicht. Rotondo: „Wir können nur hoffen, dass wir Recht bekommen, dass es kein Erstausbau ist und somit die Gemeinde zahlen muss.“ Außerdem hat Andrea Saur im Namen der Egenhofer in diesen Tagen ein Schreiben an Klaus Holetschek, den Bürgerbeauftragten der Bayerischen Staatsregierung, verschickt, in dem sie ihn um Hilfe bitten. Der Brief ging in Kopie auch an den stellvertretenden Ministerpräsidenten Hubert Aiwanger und an Hans Reichhart, Staatsminister für Wohnen, Bau und Verkehr.

Bürgermeister Matthias Kiermasz ist sich bewusst, dass eine Riesensumme auf die Bürger zukommt. Er stehe jedoch zum Straßenausbau, der in seinen Augen keineswegs ein „Luxusausbau“ sei. „Er ist notwendig und angemessen.“ Außerdem betont Kiermasz, dass die Verwaltung das Projekt nicht auf die leichte Schulter nehme. „Wir laufen nicht einfach los und schauen, wer die Suppe auslöffelt.“

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