Blumenbeet ist nicht gleich Blühfläche. Was dem Auge des Menschen schmeichelt, muss der Biene oder dem Vogel nicht zwangsläufig helfen. Was nachhaltig wirken soll, ist saisonal wiederkehrend mit finanziellem, zeitlichem sowie körperlichem Aufwand verbunden. Mit diesen Sätzen sind ein paar grundsätzliche Missverständnisse in der Diskussion um das Volksbegehren „Artenvielfalt & Naturschönheit in Bayern“ von 2019 angerissen.
Unstrittig dürfte sein, dass der wunderbare Slogan „Rettet die Bienen“ ein wesentlicher, womöglich gar der entscheidende Baustein zum ebenso überraschenden wie überragenden Erfolg der Aktion wurde. Dabei war die geniale Werbebotschaft nicht weniger als ein Etikettenschwindel. Bei Teilen der Bevölkerung kam deshalb nie an, dass dieses Volksbegehren Bienen im Allgemeinen eher weniger und Honigbienen überhaupt nicht meinte. Es ging um Insekten – und wer liebt die schon, außer sie kümmern sich um eine himmlisch süße Nascherei oder wenigstens darum, dass Pflanzen über die gesamte Farbpalette blühen?
Blühflächen-Projekt betrifft beinahe ausnahmslos die bayerischen Landwirte
Ein zweiter Bestandteil des Betrachtungsproblems ist, dass das Thema des Gesetzesentwurfs in der öffentlichen Darstellung und, damit eng verbunden, auch in der allgemeinen Wahrnehmung praktisch ausschließlich auf das Blühflächen-Projekt verkürzt wurde und wird. Ja, es geht in großen Teilen um äußerst komplizierte Sachverhalte. Ja, genau diese Teile der Initiative betreffen beinahe ausnahmslos die bayerischen Landwirte. Und ja, deren Schicksale oder Belastungsgrenzen sind vielen Menschen, die Natur eher romantisierend und überwiegend über Bildschirme wahrnehmen, vermutlich egal.
Drittens hält sich hartnäckig der Verdacht, dass viele Unterzeichner des Volksbegehrens der Ansicht waren und sind, mit diesem Akt der Gewissensbefriedigung bereits genug für die Umwelt geleistet zu haben. Die Arbeit, bitteschön, sollen andere übernehmen. Eine Haltung übrigens, die sich auch in anderen Bereichen in den Zeitgeist unseres so wunderbar modernen Miteinanders einfügt.
Der Anstoß zur Gesetzesänderung war richtig und wichtig. Unsere Umwelt benötigt jede Form der Unterstützung. Doch was gesamtgesellschaftliches Engagement angeht, so ist aus dem von den Initiatoren des Volksbegehrens vollmundig gefeierten „Meilenstein für den Naturschutz in Bayern“ nur ein Sandkorn geworden.
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