Während der Weihnachtsfeiertage leiden viele Menschen unter Ängsten, Depression oder Einsamkeit. Beim Krisendienst Schwaben gehen zu dieser Zeit deutlich mehr Anrufe ein. Dort finden Menschen in psychischen Krisen zu jeder Tages- und Nachtzeit kostenlose Unterstützung von Fachkräften aus Sozialpädagogik, Psychologie und Psychiatrie in 120 Sprachen – selbst an Feiertagen. Die Leiterinnen der Leitstelle in Augsburg, Dr. Lena Grüber und Victoria Kramer, sprechen im Interview über Einsamkeit an den Feiertagen – und geben Ratschläge, wie Betroffene die Zeit überstehen können.
In der Weihnachtszeit leiden besonders viele Menschen unter Sorgen oder Einsamkeit. Woran liegt das?
GRÜBER: Grundsätzlich stellt Weihnachten ein Fest der Freude dar, aber es kann auch Krisen auslösen, weil viele Menschen zusammenkommen. Häufig hat man einen hohen Anspruch daran, wie Weihnachten stattfinden soll. So können Enttäuschungen entstehen. Wir erleben häufig, dass in der familiären Zusammenkunft Konfliktthemen sichtbar werden. Es kann sich auch zeigen, dass es jemandem nicht gut geht, was vorher unbemerkt blieb, weil man sich das ganze Jahr nicht gesehen hat. Einsamkeit kommt auch deshalb auf, weil es eine Zeit ist, in der man sich mit den Fragen auseinandersetzt: Was mache ich? Wo bin ich? Wo stehe ich?
Die Einsamkeit ist also schon da, wird aber durch die Weihnachtszeit verstärkt?
GRÜBER: Genau. Sie bringt die Einsamkeit mehr hervor. Die emotionale Komponente, dass man sich grundsätzlich mit dem Leben, aber auch mit der Familie auseinandersetzt, rücken Einsamkeit mehr in den Fokus.
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