Zwischen den vielen Anträgen zum Bau von Einfamilienhäusern in den Ortschaften von Bibertal mischte sich ein ganz besonderes Bauvorhaben: Eine kleine Kapelle zwischen Anhofen und Ettlishofen am Feldweg zu den Fischweihern. Bürgermeister Michael Fritz hielt diesen Bauantrag für „eine echt coole Sache“. Wann passiere es, dass jemand in unserer Zeit noch eine Kapelle bauen möchte, fragte er sich.
Bürgermeister Michael Fritz stimmt für Kapelle in Bibertal
Fritz findet Feldkapellen schön und ist selbst schon zu den Sieben Kapellen im Schwäbischen Donautal geradelt. Eine Pause einlegen, den Ruheort genießen und Dank oder Bitte äußern, sei bei einer Kapelle immer schön. Er freute sich, in seiner ersten Bauausschuss-Sitzung als Bürgermeister in Bibertal für den Bau einer Kapelle stimmen zu dürfen. Gemeinderat Frank Otte sah das anders: „Ich war schon bei der Bauvoranfrage dagegen. Ich befürchte, dass die Kapelle in 30 Jahren, wenn eine Renovierung ansteht, der Gemeinde geschenkt wird. Wir hatten in den vergangenen Jahren schon Kapellenrenovierungen mit Ausgaben für die Gemeinde im fünfstelligen Bereich. Ich halte die Kapelle für unsinnig.“
Im Gespräch nach der Sitzung betonte Otte, dass er die Entscheidung ganz pragmatisch aus wirtschaftlichen Gründen getroffen habe. „Ich war 15 Jahre lang Messdiener.“ Mit gläubig oder nicht-gläubig habe sein Nein nichts zu tun. Es blieb bei der einen Gegenstimme, als Bürgermeister Fritz zur Abstimmung rief. Das gemeindliche Einvernehmen wurde erteilt.
Bauunternehmen aus Weißenhorn druckt Kapelle im 3D-Verfahren
Nähere Einzelheiten zur frisch genehmigten Kapelle erzählt Bauherrin Ingrid Rupp aus Remmeltshofen am nächsten Tag auf Nachfrage der Redaktion am Telefon. Die Feldkapelle wird, wenn man von Anhofen nach Ettlishofen fährt, auf der linken Straßenseite gebaut werden. Dort, wo der Feldweg zu den Fischweihern hinunterführt. Ingrid Rupps Vater Otto Müller, der 2021 verstarb, hatte dort 50 Jahre lang alles gehegt und gepflegt. Und warum der Bau einer Kapelle? Ingrid Rupp muss nicht lange überlegen: „Es war immer wieder was, wo wir dem Herrgott dankbar waren, dass nichts Schlimmes passiert ist. Danke sagen! Dafür, dass wir eine glückliche Familie sind.“
Ingrid Rupp, deren Elternhaus in Ettlishofen steht, das heute von der Tochter bewohnt wird, lebt den christlichen Glauben, ist Mesnerin in Kadeltshofen. Die Kapelle ist ein Familienprojekt. Ingrid Rupp verrät: „Sie ist schon gedruckt und steht auf dem Hof.“ Ehemann Michael Rupp ergänzt, dass sein Bauunternehmen in Weißenhorn zu Europas Pionieren in der innovativen Technologie des 3D-Gebäudedrucks zählt. „Da lag es nahe, dass wir die Kapelle bei uns in der Halle drucken. Wenn wir Häuser drucken, können wir auch unsere kleine Kapelle drucken.“
Fundamente der Kapelle sollen im Herbst 2026 gesetzt werden
Der Roh-Kubus aus Beton sei deshalb schon vorgefertigt. Der Dachstuhl aus Holz fehle noch. Fünf Quadratmeter Grundfläche wird die Kapelle haben. Und Michael Rupp schätzt, dass es die weltweit erste Kapelle aus einem 3D-Drucker sein könnte. Genau wisse man es nicht, aber die Wahrscheinlichkeit sei hoch.
Ingrid Rupp schätzt, dass die Fundamente im Herbst gesetzt werden. Es soll ein schöner Ort werden, mit Bänken, die zum Verweilen einladen. Auch eine Weihe wird es geben. Noch offen ist, welche Heilige oder welcher Heiliger als Patron ausgewählt wird. Ingrid Rupp hat mehrere Ideen, eine davon wäre eine Petrus-Kapelle, Apostel Petrus als Fischer würde zur Lage der Kapelle beim Fischweiher passen.
Mit dem Erhalt der Baugenehmigung sei der vielleicht wichtigste Meilenstein bis zur fertigen Kapelle erreicht. Diese zu bekommen, sei nicht einfach gewesen. Es galt einige Hürden zu nehmen, bis aus der Bauvoranfrage aus dem Jahr 2023 drei Jahre später die Baugenehmigung wurde.
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