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Steinheben: Andreas Rothermel wird Vierter beim Lechfeld-Cup 2024

Jettingen-Scheppach

„Das Steinheben lebt mit dem Publikum“

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    Andreas Rothermel zeigt die richtige Technik beim Steinheben. In Flip Flops trainert er nur zu Vorführzwecken.
    Andreas Rothermel zeigt die richtige Technik beim Steinheben. In Flip Flops trainert er nur zu Vorführzwecken. Foto: Jana Korczikowski

    Andreas Rothermel wohnt mit seiner Frau, den zwei Söhnen der beiden und einem Hund in Jettingen-Scheppach in einem Einfamilienhäuschen mit einem gepflegten Rasen und nagelneuen Pool. Am Ende der Einfahrt steht ein 200 Kilogramm schwerer, mausgrauer Betonklotz mit einer Hebekonstruktion: Rothermels Leidenschaft ist das Steinheben. Warum der 56-Jährige nach einer langen Pause wieder damit angefangen hat, erzählt er im Gespräch mit der Redaktion.

    Rothermel, gelernter Maschinenbauer und seit 1995 für die Deutsche Post tätig, war schon immer umtriebig und aktiv. „Mit 21 habe ich schon ein bisschen Kraftsport gemacht.“ Seine erste Begegnung mit dem Steinheben war zu dieser Zeit bei einem Dorffest in Ettenbeuren, erinnert er sich. „Magnus Müller von Roßhaupten, ein erfolgreicher Steinheber, war da und hatte seinen eigenen Stein mit 225 Kilogramm dabei. Den habe ich dann mal bewegt.“ 30 Zentimeter habe er auf Anhieb geschafft, was für einen Anfänger keine schlechte Leistung sei.

    1994 war Rothermel Bayerischer Meister im Kreuzheben

    „Ich habe daraufhin beim AC Power Burgau Kraftdreikampf gemacht und viel trainiert“, sagt er. Kraftdreikampf besteht aus Kreuzheben, Bankdrücken und Kniebeugen – mit schweren Gewichten. Alles hilfreich fürs Steinheben, vor allem aber das Kreuzheben, weiß der Sportler. Rothermel war, wie er selbst sagt, der Underdog: „Man hat mir meine Kraft nie so angesehen, das hat Spaß gemacht.“ 1994 sei sein bestes Jahr gewesen, so der 56-Jährige. Da sei er Bayerischer Meister im Kreuzheben geworden. Auch bei einem Wettbewerb im Steinheben im Löwenbräukeller in München habe er beispielsweise gewonnen. Eine große Sammlung an Pokalen im Haus zeigt, dass das nicht die einzigen Erfolge gewesen sein müssen.

    Doch wie genau funktioniert Steinheben eigentlich? „Es gibt mehrere Gewichtsklassen: Leichtgewicht, Mittelgewicht, Schwergewicht und Superschwergewicht“, erklärt der 56-Jährige, der in der Schwergewichtsklasse ist. „Der Stein, der gerade in die Höhe zu heben ist, wiegt normalerweise 508 Pfund, also 254 Kilogramm.“ Wenn jemand den Stein einen Meter ziehe, werden 25 Kilogramm aufgelegt, was in der Schwer- und Superschwergewichtsklasse immer mal wieder vorkomme.

    Bis zu 20 Prozent Steigerung macht das Adrenalin beim Wettkampf aus

    Sein eigener Stein habe 200 Kilo (400 Pfund), mit zwei Gewichtsscheiben könne er auf 240 Kilo erhöhen. „Am 11. Mai 1991 habe ich den Stein gemacht, das steht auch drauf“, sagt Rothermel. „Mit einem Bagger hab‘ ich ihn damals aufgeladen.“ Mitgenommen habe er ihn auf Feste oder Motorradtreffen. Da wurde dann auch gern mal ein spontanes Steinheben veranstaltet. Zu Trainingszwecken dient der Koloss aber auch. Auch wenn er mit maximal 240 Kilogramm unter dem Wettkampfgewicht von 254 Kilogramm liegt, könne er als Referenz genommen werden. Beim Wettkampf vor Ort gehe nämlich immer noch etwas mehr. „Die Zuschauer gehören dazu, das Steinheben lebt mit dem Publikum.“ Durch die animierende Stimmung der Zuschauer und die Konkurrenzsituation könnten die Kandidaten kräftetechnisch alles aus sich herausholen. „15 bis 20 Prozent Steigerung macht das Adrenalin aus“, ist Rothermel überzeugt. „Wichtig ist, wenn du mit dem Stein über dem Knie bist, nochmal nachzuziehen.“ So könnten wertvolle Zentimeter gemacht werden. „Das macht mindestens zehn Zentimeter aus. Da ist die Technik entscheidend.“ Dafür müsse man aber auch wochenlang mit blauen Beinen durch Blessuren durch den Stein leben.

    Trotz seines großen innerlichen Antriebs kann Andreas Rothermel auch zur Ruhe kommen, sagt er. Zum Beispiel am selbst angelegten Pool.
    Trotz seines großen innerlichen Antriebs kann Andreas Rothermel auch zur Ruhe kommen, sagt er. Zum Beispiel am selbst angelegten Pool. Foto: Jana Korczikowski

    Heute steht Rothermels Stein in der Hofeinfahrt – und wurde auch dieses Jahr schon genutzt. Denn der Familienvater hat Ende Mai beim Lechfeld-Cup 2024 teilgenommen, nachdem er sich fast auf den Tag vor 30 Jahren bei den Deutschen Meisterschaften in Klosterlechfeld mit den Konkurrenten gemessen und mit knapp 90 Zentimetern die Bronzemedaille gewonnen hatte. Wie er nach so langer Zeit wieder zu dem Sport kam? „Ich war vergangenes Jahr als Zuschauer bei der Veranstaltung und es war der Hammer.“ Die Stimmung im Zelt und der Moderator faszinierten ihn aufs Neue. Also wollte er es noch mal wissen. „Mein Ziel war, nicht Letzter zu werden.“ Um sich selbst zu motivieren, habe er jedem von seinem Vorhaben erzählt.

    Für den Wettkampf hat er vier Monate lang hart trainiert: „Wenn du Kraft zulegen willst, darfst du nicht in der Komfortzone trainieren“, weiß er. Schwer getan hat sich der 56-Jährige vor allem in der letzten Woche der Vorbereitung, als er nebenbei den neuen Pool im eigenen Garten anlegte. „Am Mittwoch und Donnerstag hab‘ ich noch gepflastert, am Sonntag war das Steinheben, sagt er. Dadurch hatte er kurz vorher Rückenprobleme. Seine Frau Sabrina hätte nicht gedacht, dass er teilnimmt, und das war eigentlich auch ihr Plan mit der Arbeit am Pool: Sie mache sich Sorgen um seine Gesundheit, er sei schließlich nicht mehr der Jüngste, erzählt sie.

    Andreas Rothermel schaffte es beim Lechfeld-Cup 2024, den 254 Kilogramm (508 Pfund) schweren Stein um 47,1 Zentimeter anzuheben.
    Andreas Rothermel schaffte es beim Lechfeld-Cup 2024, den 254 Kilogramm (508 Pfund) schweren Stein um 47,1 Zentimeter anzuheben. Foto: Sammlung Rothermel

    Rothermel betont aber, dass er wegen des Sports nie körperliche Probleme hatte. Dass er als Ältester auf dem Teilnehmerfeld beim Lechfeld-Cup mit einer gezogenen Höhe von 47 Zentimetern als Viertplatzierter abschneidet, das habe ihn am Ende selbst überrascht. „Beim ersten Versuch bin ich abgerutscht, und habe gerade so die 40 Zentimeter geschafft.“ Nur, wer im ersten Versuch über diese Markierung kommt, erhalte einen weiteren. Mit mehr Magnesium an den Händen verlief dieser besser.

    Mit seinem Erfolg ist der Sportler mehr als zufrieden. Ob er das Steinheben jetzt ganz sein lasse, steht in den Sternen. Es ist nur schwer vorstellbar, dass sich Rothermel auch mal zur Ruhe setzen kann. „Doch, ich kann es durchaus auch ruhig angehen lassen“, versichert er. Irgendwann komme aber wieder das nächste Projekt. „Er ist unermüdlich wie ein Duracell-Männchen“, bestätigt Ehefrau Sabrina und lacht.

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