Es klingt alarmierend: Zwischen sechs und zehn Prozent aller Kinder bekommen die Diagnose Asthma. Atemwegserkrankungen, gerade bei jüngeren Menschen, sind in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen. Dr. Thomas Mahler weiß, wovon er spricht. Der Spezialist für Kinderpneumologie hat schon Hunderte von Fällen behandelt, an der Kinderklinik in Augsburg habe er die „schwer kranken Kinder“ erlebt. Diese jahrelange Erfahrung kommt ihm an seiner neuen Arbeitsstätte zugute, er hat den Schritt weg von der Klinik in die Praxis „Kinder- und Jugendärzte“ am Stadtberg in Günzburg gemacht. Sein Ziel: einen neuen Schwerpunkt setzen, unterstützt auch in Kürze von einem neuen technischen Gerät. Eine andere Spezialisierung bringt Dr. Marion Zähringer mit, die Mahler geschickt „abgeworben“ hat.
Im vergangenen Frühjahr gab es in der Günzburger Praxis eine Veränderung: Die beiden bis dahin dort angestellten Kinderärzte Dr. Susanne Nusser und Dr. Stephan Schwarz machten sich selbstständig und übernahmen im April die Praxis der Kinderärzte Lorenz in Krumbach. Schon zu Jahresbeginn 2025 kam aber Thomas Mahler ins Günzburger Team, im Sommer wurde mit Marion Zähringer die zweite Lücke geschlossen. Beide haben einige Stationen in ihrem Medizinerleben durchlaufen, in Augsburg haben sich ihre Wege gekreuzt, acht Jahre arbeiteten dort beide in der Kinderklinik. An der ist Mahler quasi „groß geworden“, wie er es bezeichnet. Hier hat er sich früh in seiner Laufbahn eine Nische gesucht und in der Pneumologie gefunden. Für ihn sei das ein absolut spannendes Feld, Erkrankungen der Atemwege auf die Spur zu kommen, sei in Kombination mit Allergologie wie „Detektivarbeit“.
Auch aus dem baden-württembergischen Raum steuern viele die Praxis in Günzburg an
Dass er als Mediziner so lange in einer spezialisierten Kinderabteilung gearbeitet hat, bringt dem 35-Jährigen Vorteile in der Günzburger Praxis. „Man hat ein besseres Auge für die schweren, entscheidenden Fälle.“ Es gebe so viele verschiedene Atemwegserkrankungen, die müsse man unterscheiden und entsprechend therapieren. Ist es ein chronischer Husten, sind die Atemwege infektanfällig oder liegt eine Allergie zugrunde? Gerade letztere gelte es im Blick zu haben. Wenn das Immunsystem dazu neigt, mit Entzündungen oder allergischen Reaktionen beispielsweise der Haut zu reagieren, seien auch Entzündungen der Schleimhäute und Bronchien naheliegend. Wichtig ist für Mahler: „Wir müssen die herausfischen, die ein hohes Risiko dafür haben.“
Die Nachfrage nach einem Spezialisten ist groß, das hat der 35-Jährige schnell gemerkt. Da er der einzige dieser Art im gesamten Landkreis Günzburg ist, sei die Zahl seiner kleinen Patienten entsprechend groß. Auch aus dem baden-württembergischen Raum steuerten viele die Praxis an. Das Thema Lungenfunktion will Mahler entsprechend ausbauen und die Diagnostik verfeinern, dazu steht ihm in Kürze ein sogenannter Bodyplethysmograph zur Verfügung. Diese Art der Lungenfunktionsdiagnostik bei Kindern liefert Mahler zufolge genauere Ergebnisse als eine einfache Spirometrie und erkenne auch deutlich sensitiver Atemwegsverengungen.
Was rät der Facharzt und selbst Familienvater, wenn in dieser kalten Jahreszeit, in der die Virenlast besonders hoch ist, das Kind hustet und nicht mehr aufhört? Husten sei nicht gleich Husten, wenn er anders klingt als ein normaler Erkältungshusten oder das Kind schlecht Luft bekommt, dann sollte in jedem Fall ein Arzt konsultiert werden. Für Mahler zählt, nicht zu lange warten und „lieber einmal zu viel zum Arzt gehen“. Zum Hustensaft zu greifen, sei nicht unbedingt die richtige Lösung, „für die meisten gibt es leider auch keinen Nachweis-Effekt“, verweist Mahler auf diverse Studien. Maßgebend sei, die Ursache zu finden. Engpässe bei Medikamenten, die in den vergangenen Jahren immer wieder vorkamen, gibt es ihm zufolge heuer nicht. Eine Sache ist jedoch tatsächlich in der Günzburger Praxis ausgegangen: Grippeimpfstoff. Der werde auch nicht mehr nachgeliefert. „Da hatten wir eine wahnsinnig hohe Nachfrage.“ Man habe extra ein „Impf-Café“ angeboten. An speziellen Terminen konnten auch schon die Kleinsten immunisiert werden, insbesondere auch gegen RSV, einen weitverbreiteten Erreger von Atemweginfektionen.
Dr. Marion Zähringer ist Ansprechpartner Nummer eins, wenn es um Säuglinge geht
Und da kommt jetzt die neue Kollegin Marion Zähringer ins Spiel. Als Fachärztin für Neonatologie hat sich die heute 36-Jährige auf die Betreuung der Allerkleinsten, der Neu- und Frühgeborenen, spezialisiert. Nach Kliniken in Harlaching und Großhadern war die gebürtige Sigmaringerin in Augsburg tätig, die längste Zeit auf der Kinderintensivstation. In dieser Zeit lernte sie auch Thomas Mahler kennen und nicht nur beruflich, sondern vor allem menschlich zu schätzen. Als er ihr die Stelle in Günzburg schmackhaft machte, habe sie nicht gezögert. Auch für sie ist es die erste Anstellung außerhalb einer Klinik. Zähringer macht zwar in der Praxis „alles“, wie sie mit einem Schmunzeln sagt, ist aber Ansprechpartnerin Nummer eins, wenn Eltern mit Säuglingen kommen, wenn es dabei Komplikationen gibt. Bei Still- und Fütterproblemen hilft sie ebenfalls weiter, die Ärztin hat eine Weiterbildung als Still- und Laktationsberaterin in der Tasche.
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