Pater Victor Kingsley Onwugigbo hatte den Gläubigen der Pfarreiengemeinschaft Leipheim-Kötz-Bubesheim nicht zu viel versprochen: Die Feier seines 25-jährigen Priesterjubiläums war tatsächlich ein afrikanisches Fest. Alle Plätze in der Großkötzer St. Peter und Paul Kirche waren gefüllt, als Pater Victor zusammen mit 17 aus Nigeria stammenden Ordensbrüdern und Pfarrer Johannes Rauch durch den Mittelgang einzog.
Lieder aus dem Gotteslob mischten sich mit Gospels, die Texte wechselten zwischen Deutsch, Englisch und Igbo, das die gleichnamigen Ethnie in Nigeria spricht. Vor allem die Musikerinnen, die meisten waren Klosterschwestern, die wie Pater Victor aus Nigeria stammen und über ihren Orden jetzt in Deutschland sind, und ihre Musik im Zusammenspiel mit der Klosterband der Dominikanerinnen aus Wettenhausen werden in Erinnerung bleiben. Der Gottesdienst wurde zu einer Feier, die Freude und grenzenlose Begeisterung am Glauben spüren ließ. In einer einzigartigen Prozession wurden Gaben zur Gabenbereitung singend und tanzend von ganz hinten durch den Mittelgang bis zum Altar getragen, wo sie Hauptzelebrant Pater Victor in Empfang nahm.
Mit der Priesterweihe am 24. Juli 1999 erfüllte sich für den heute 56-Jährigen ein Kindheitstraum. Er wollte nie einen anderen Beruf ergreifen. Er erinnert sich, wie er als Drei- oder Vierjähriger wie üblich zusammen mit den anderen Kindern im Altarraum der Kirche auf dem Boden saß und der Priester mit den Ministranten einzog. „Ich war so beeindruckt, dass ich ab diesem Tag nichts anderes mehr im Kopf hatte als Priester zu werden.“
Schon als Kind in Nigeria wollte er Pfarrer werden
Der Weg bis dahin war kein einfacher, denn ausgerechnet der eigene Pfarrer verwehrte ihm nach dem Ende der Grundschulzeit die Bewerbung für das Knabenpriesterseminar, mit der Begründung, er könne in diesem Alter so eine weitreichende Entscheidung noch nicht treffen. „Mir blieb nichts anderes übrig, als auf das normale Gymnasium zu gehen.“ Als er den Abschluss in der Tasche hatte und immer noch Priester werden wollte, trat er kurze Zeit nach der Aufnahme in das Priesterseminar in seiner Heimatdiözese 1989 in die Ordensgemeinschaft „Sons of Mary. Mother of Mercy“ (SMMM) ein.
In Owerri, im Herzen des Igbolands in Nigeria, studierte Pater Victor Philosophie und Theologie, war im Seat of Wisdom Seminary eingeschrieben. Am 24. Juli 1999 hatte er mit der Priesterweihe sein Ziel erreicht. „Es war der schönste Tag meines Lebens.“ Als Ordensmann war er bereit, 2001 dem Ruf in die Diözese Augsburg zu folgen. Zum Deutschlernen musste ein vierwöchiger Kurs reichen, am 1. September 2001 trat er in Donauwörth seine Stelle als Kaplan an. „Eigentlich konnte ich da kein Deutsch.“ Das sollte sich schnell ändern, auch wenn Pater Victor zugibt, dass „harte Arbeit und über 20 Jahre in Deutschland“ dahinterstecken. Von Donauwörth ging es 2004 nach Thannhausen, 2007 nach Hohenfurch im Landkreis Weilheim-Schongau, 2012 nach Welden bei Augsburg und 2019 in die Pfarreiengemeinschaft Leipheim-Kötz-Bubesheim.
In Kötz ist der Pfarrer Schlossherr
Seither ist Pater Victor Schlossherr, denn das Pfarrhaus in Kötz am Schloßplatz ist das ehemalige Sommerschlösschen der Wettenhauser Pröpste. Allein fühlt sich Pater Victor in dem großen Haus nicht: „Der Herr ist bei mir mit seinen Engeln.“ Auch er spürt, dass die Menschen in Deutschland mit dem Glauben hadern, sie oft kein Interesse an der Glaubenspraxis verspüren, kein Interesse daran haben in die Kirche zu gehen oder an Aktivitäten teilzunehmen.
Umso größer war seine Freude beim Gottesdienst zum Silberjubiläum. Sowohl vorn im Altarraum war mit den vielen Priestern alles anders als sonst, als auch in den Kirchenbänken, die trotz der ungewohnten Gottesdienst-Zeit um 14 Uhr voll wurden. Dankesworte gab es viele, auch bei der anschließenden Feier im Pfarrheim Kleinkötz, wo Kuchenbäckerinnen der Pfarrei süße Köstlichkeiten und nigerianische Klosterschwestern ein warmes Buffett mit leckerem Essen aus ihrer Heimat aufgebaut hatten.
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