Das Offinger Bündnis für Demokratie, Toleranz und gesellschaftlichen Zusammenhalt organisierte einen Spaziergang zum Versöhnerkreuz nach Neuoffingen. Kurt Schweizer berichtete über die bewegende Geschichte dieses Ortes. An dieser Stelle befand sich spätestens seit 1942 ein Außenkommando der Strafanstalt Augsburg. In den beiden Baracken, deren Grundrisse heute noch sichtbar sind, waren rund 80 politische Gefangene, überwiegend aus Frankreich, untergebracht. Die Häftlinge mussten Wartungsarbeiten an den Bahngleisen verrichten. Die Versorgung der gequälten und erniedrigten Menschen mit Lebensmitteln war völlig unzureichend. Adolf Brixler ergänzte die Ausführungen von Kurt Schweizer vor allem mit seinen persönlichen Erinnerungen aus seiner Kindheit und mit seinen persönlichen Kontakten zu den Betroffenen.
Das Schicksal der Gefangenen bewegte jedoch auch Menschen aus der Region. Besonders hervorgehoben wurde das mutige Handeln der Gundelfinger Familie um Anna Stadler. Gemeinsam mit ihren Nichten versteckte sie zunächst Brote und Zigaretten unter den Gleisen, um die Gefangenen heimlich zu versorgen. Im April 1945 warnte die Familie die Gefangenen vor der bevorstehenden Evakuierung des Lagers und der Deportation nach Dachau. Einigen gelang daraufhin die Flucht; sie fanden bei Anna Stadler in Gundelfingen Unterschlupf. Die übrigen Gefangenen wurden nach Landsberg verlegt.
Dem mutigen Einsatz dieser Menschen ist es zu verdanken, dass alle Gefangenen des Straflagers Neuoffingen überlebten. Für ihr humanitäres Handeln wurde Anna Stadler 1958 von der französischen Regierung mit dem Kreuz der Ehrenlegion ausgezeichnet. Auf einer der Tafeln am Versöhnerkreuz steht das Zitat des Philosophen Ortega y Gasset: „Von dem, was man heute denkt, hängt das ab, was morgen auf den Plätzen und Straßen gelebt wird.“ Dieses Leitwort soll Ansporn sein, Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt zu bewahren und entschlossen zu verteidigen.
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