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Vermisster Feuerwehrmann: Mutter zwischen Hoffnung und Verzweiflung

Offingen, Lauingen

Mutter des vermissten Feuerwehrmanns: „Es ist ein neues, schreckliches Leben“

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    Die Donau in Lauingen während des Hochwassers: Möglicherweise ist der 23-Jährige nach dem Sturz vom Boot von der Mindel in die Donau gespült worden.
    Die Donau in Lauingen während des Hochwassers: Möglicherweise ist der 23-Jährige nach dem Sturz vom Boot von der Mindel in die Donau gespült worden. Foto: Stefan Puchner, dpa (Archivbild)

    Es ist diese Ungewissheit, die Nadja Root verzweifeln lässt. Jeden Abend wartet sie darauf, dass ihr Sohn doch auf einmal zur Tür hereinspaziert. „Ich habe wirklich noch dieses eine, einzige Prozent Hoffnung, dass er noch lebt“, sagt die Mutter, die seit dem 2. Juni dieses Jahres ihren Sohn nie mehr gesehen hat. Dass er nicht mehr am Leben ist, davon muss sie ausgehen, sagt sie, doch ohne Nachweis für seinen Tod, fällt es ihr schwer, diesen still und leise zu akzeptieren.

    Es war das dramatische Hochwasser im Juni, bei dem Sohn Denis als Feuerwehrmann in Offingen bei einem Rettungseinsatz aus dem kenternden Boot fiel. Mutmaßlich wurde er von den Fluten der Mindel mitgerissen. Es sind nun mehr als fünf Monate vergangen, und es gibt keinen gesicherten Hinweis darauf, wo der Körper des jungen Mannes sein könnte. Nur wenige Tage nach dem Unfall auf dem strömenden Wasser der Mindel war sein 23. Geburtstag. Ob er diesen überlebt hat, weiß seine Familie nicht.

    Mutter des Vermissten geht oft an die Mindel in Offingen

    Nadja Root hat lange gezögert, ob sie mit ihrer Geschichte an die Öffentlichkeit geht, lange Zeit konnte sie nicht über den Schmerz sprechen. Sie könne nicht arbeiten, erzählt sie, immerzu habe sie das Handy bei sich, falls eine neue Information aufploppt. „Mein Leben ist total anders, seitdem es passiert ist“, sagt die Frau, die im Kreis Dillingen lebt. „Es ist wie ein neues Leben, das sich seitdem abspielt, ein schreckliches, neues Leben.“ Oft sitzt sie an der Mindel, wo sie Denis das letzte Mal gesehen hat, als er gemeinsam mit vielen freiwilligen Helfern in ein Rettungsboot stieg. Mehrmals in der Woche geht sie zur Donau, an eine Stelle, an der sie Hoffnung hat, Hinweise auf den Verbleib ihres Sohnes zu finden.

    „Die Polizei und viele freiwillige Helfer haben uns bisher bei der Suche unterstützt. Viele Orte und Positionen sind bereits abgesucht. Aktuell gibt es noch eine Stelle in der Donau, an der spezielle Suchhunde angeschlagen haben“, so die Mutter. Die Stelle ist nicht neu, auch die Polizei war hier bereits und hat mithilfe von einem Sonargerät versucht, etwas aufzuspüren. Doch es gab keine neuen Erkenntnisse. Nadja Root gibt nicht auf. Sie glaubt nicht, dass sich die Hunde so geirrt haben.

    Im Gespräch mit unserer Redaktion berichtet sie, dass zuerst drei unterschiedliche Suchhunde bei einer privat organisierten Aktion an einer bestimmten Stelle angeschlagen haben. Ein Polizeihund, der daraufhin an diesen Bereich an der Donau in Lauingen geführt wurde, hat wiederum keine besondere Reaktion gezeigt. Schließlich erklärte sich eine Hundestaffel aus der Nähe von Würzburg bereit, ehrenamtlich diesen Bereich abzugehen. „Es waren drei Hunde dabei, alle drei haben unabhängig voneinander und nacheinander etwas gespürt“, so Root. Eine Hundeführerin habe der Familie erklärt, dass die speziell für Unterwasser-Suchen ausgebildeten Hunde unruhig werden, wenn sie etwas Größeres, etwa ein menschliches Körperteil wittern. Bei kleineren Bewegungen, wie Fischen im Fluss, würden sie nur ganz kurz unruhig werden, ein Zeichen geben und dann wieder entspannt sein. In diesem Fall hätte in der Donau etwas Größeres sein müssen. „Sechs verschiedene Hunde wittern menschlichen Geruch. Eigentlich kann man nur versuchen, mit Tauchern hier genauer zu suchen, die allerletzte Möglichkeit“, sagt Root. Der Bereich, in dem die Suchhunde angeschlagen haben, ist nach Angaben der Mutter insgesamt rund 40.000 Quadratmeter groß.

    Die entsprechenden Informationen würden der Polizei vorliegen, doch es gebe noch keine Entscheidung, ob noch einmal nach Denis getaucht wird. „Ich habe die Vermutung, dass Denis eingeschüttet ist unter der Erde“, sagt seine Mutter. Durch das Hochwasser sei der Boden hochgespült worden, Geröll, Schlamm und andere Dinge könnten den Körper bedecken. Allein das auszusprechen, fällt ihr schwer, doch sie hat sich vorgenommen, zu kämpfen, sagt sie. Mit ihrem Partner und Denis leiblichem Vater sei sie auf eine Einladung des Innenministers Joachim Herrmann (CSU) sogar nach München gereist, um darum zu bitten, nicht aufzugeben. „Es wurde mir persönlich versprochen, dass die Behörden weitersuchen.“ Sie ist traurig und hofft, dass es keine leeren Worte waren.

    Die verzweifelte Mutter möchte sich bei all den Organisationen und Helfern, die sie nicht im Stich gelassen haben, bedanken. Es fühle sich unfair an, dass das Schicksal ihres Sohnes immer mehr in Vergessenheit gerate. „Denis hat sein Leben verloren, als er für uns alle mit der Feuerwehr im Einsatz war.“ Sie will auch daran erinnern, dass er bis zuletzt ein junger, engagierter Mann war.

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