Nachdem ein Video von einem fremdenfeindlichen Übergriff aus Bellenberg in den vergangenen Tagen im Internet für Aufsehen gesorgt hat, meldet sich nun der örtliche Integrationskreis Asyl zu Wort. Auf der Website (www.intergrationskreis-bellenberg.de) veröffentlichte Mitglied Sascha Wollny einen Kommentar zu dem Ereignis – und der ist nicht das, was man vielleicht erwartet hätte. Weder Bedauern wird geäußert, noch Bestürzung oder Kritik. Zu lesen ist eine philosophische Betrachtung. Das Fazit ist ein Appell zum Frieden: „In einer globalisierten Welt sollten wir den Blick auf das große Ganze nicht verlieren, unsere Äußerungen reflektieren und dem Fremden das Recht auf Hospitalität gewähren und ihm friedlich begegnen“, heißt es da.
Wie berichtet, hatte ein Autofahrer einen dunkelhäutigen Mann am Bahnhof in Bellenberg rassistisch beschimpft. Angeblich eine Reaktion auf die schweren Sexualdelikte, die in der vergangenen Wochen in Egg und Babenhausen verübt wurden und die viele Menschen in der Region bestürzt haben. Die Szene in Bellenberg wurde mit einem Handy aufgezeichnet, der Film über einen Messangerdienst verbreitet (Lesen Sie dazu auch: Nach Sexualdelikten: Hetzvideo aus Bellenberg macht im Netz die Runde).
Der Mann im Video stammt laut Wollny nicht aus Bellenberg
Integrationshelfer Wollny bekam das Video gleich von drei verschiedenen Quellen zugesendet, sagt er auf Anfrage unserer Redaktion. „Ich war zuerst einmal schockiert.“ Unkommentiert sollte das Gesehene nicht bleiben, fand Wollny. Deshalb hat er seine persönliche Stellungnahme veröffentlicht, eine nüchterne Abhandlung über Fremdenfeindlichkeit. Zitiert wird dabei kein geringerer als der bekannte Vernunftsphilosoph und Moraltheoretiker Immanuel Kant. Und die Idee von einem Weltbürgerrecht, eine „Hilfe zum ewigen Frieden.“
Es geht um Fremdenfeindlichkeit allgemein – die aus Angst entstehe, sagt Wollny. „Davon dürfen wir uns nicht leiten lassen.“ Die Vorbehalte gegenüber Fremden müssten hinterfragt und sachlich diskutiert werden. Dass es ohne die Flüchtlinge keine Probleme mit Kriminalität gebe, wie manch einer behauptet, sei zu kurz gedacht, so Wollny. „Das Thema ist vielschichtig und kompliziert.“
In Bellenberg habe sich der Vorfall zwar ereignet, doch die beteiligten Personen lebten nach Wollnys Informationen nicht im Ort. Bislang seien in der Gemeinde keine fremdenfeindlichen Übergriffe bekannt geworden.
Video in Bellenberg: Die Illertisser Polizei ermittelt
Auch in Vöhringen nicht, wie der dortige Helferkreis auf Anfrage wissen lässt. Allerdings hätten die Verbrechen im Unterallgäu die Stimmung verändert, was Menschen aus Eritrea angeht. Denn der festgenommene Tatverdächtige stammt aus dem afrikanischen Land. Die Helferin aus Vöhringen schildert eine Szene: Sie sei kürzlich mit Flüchtlingen auf Wohnungsuche gewesen. Als sie auf Nachfrage des potenziellen Vermieters das Heimatland genannt habe, habe sich die Miene des Mannes verfinstert, die Lippen seien „quasi eingefroren“. Auch wenn nichts gesagt wurde, sei das deutlich zu spüren gewesen.
Die Reaktionen auf das Bellenberg-Video fallen in den sozialen Netzwerken gespalten aus: Einige fanden das Auftreten des Autofahrers lustig, mache können seine Aggressionen nachvollziehen – andere verurteilen die Beschimpfungen. Derweil gehen die Ermittlungen der Illertisser Polizei in dem Fall des Videos weiter: Zunächst soll festgestellt werden, wer die an dem Vorfall beteiligten Personen sind. Es gebe bereits Erkenntnisse, sagt der stellvertretende Polizeichef Alexander Kurfürst. Sobald alle Akteure vernommen sind, gehen deren Aussagen an die Staatsanwaltschaft. Dort wird geprüft, ob der Autofahrer für seine rassistischen Schimpftiraden mit einer Strafe rechnen muss.
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