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31.01.2008

Kein Gottesdienst in Auer Kirche für "Papst-Ablehner"

Illertissen-Au (bju) - Schon als Bub sei er in der Messe durch Extra-Kniebeugen aufgefallen, bekreuzigt habe er sich viel öfter als andere und nach der Kirche sei er in die Nachbargemeinde geradelt - zum nächsten Gottesdienst. So erinnern sich Katholiken aus Au an Markus Ramolla. Gehänselt worden sei er deshalb von vielen Kindern im Dorf, Außenseiter gewesen, doch "unheimlich fromm".

Groß war dann auch die Freude in der Gemeinde Au, als im vergangenen November bekannt wurde, dass der Christ aus ihrer Mitte sein Leben dem Dienst an Gott verschrieben hat und im fernen Amerika zum Priester geweiht wurde. Alles klang so schön, fast wie eine Heiligenlegende: Da erkennt ein Bischof aus der neuen Welt, zu Besuch in Deutschland weilend, die große Frömmigkeit des jungen Gärtnergehilfen Ramolla, nimmt ihn mit nach Ohio und macht ihn zum Priester. Als Seelsorger kehrt dieser zurück in die Auer Heimat.

Dort hofften viele Gläubige schon, dass Markus Ramolla seine Primiz in der Kirche Mariä Himmelfahrt halten werde. Denn der Primizsegen soll ja bekanntlich besonders lange und nachhaltig wirken. Angehörige Ramollas jedenfalls berichteten von einem bevorstehenden Gottesdienst in Au. An Ostern wolle der frühere Ministrant aus den USA kommen und in seiner Heimatkirche predigen.

Doch daraus wird nichts werden. Denn für den 32-jährigen Jungpriester wird nach Lage der Dinge das Auer-Gotteshaus verschlossen bleiben. Ganz offenbar gehört er einer Gruppe an, die das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche, den Papst, überhaupt nicht anerkennt. Sollte Ramolla seine Primiz oder jede andere Form von Gottesdienst dort halten wollen, wo er so oft Zwiesprache mit seinem Gott hielt und seine Erstkommunion empfing, würde er sich jedenfalls bei Dekan Hans Huber (Bellenberg) eine Abfuhr einhandeln.

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"Heiliger Stuhl nicht besetzt"

Huber bestätigt auf Anfrage unserer Zeitung, dass der Kirche bekannt sei, dass Ramolla von Daniel Lytle Dolan aus Cincinnati im US-Bundesstaat Ohio zum Priester geweiht worden ist, einem Bischof, der zu einer Strömung zählt, die den Papst nicht anerkennt (siehe Hintergrund). Gruppen wie diese werden als "Sedisvakantisten bezeichnet", weil sie den Heiligen Stuhl (lateinisch sede) als vakant, also nicht besetzt ansehen. "Es handelt sich um Sekten, die nichts mehr mit uns zu tun haben", sagt Dr. Christoph Gold, Pressesprecher des Bischofs von Augsburg, Walter Mixa. Er bestätigt, dass auch das Bischöfliche Ordinariat schon gehört habe, "dass dieser junge Mann in eine solche Gruppe abgedriftet" sei.

Für die römisch-katholische Kirche gelte ein solcher Geistlicher als unerlaubt geweiht. "Ein katholischer Priester, der den Bischof und den Papst nicht anerkennt, wird als exkommuniziert betrachtet", so Goldt weiter. Keinesfalls dürften solche Geistliche in einem katholischen Gotteshaus die Messe feiern. Sollte feststehen, dass Ramolla tatsächlich Sedisvakantist ist, also den Papst nicht anerkennt, "dann hätte er in keinem katholischen Raum etwas verloren", sagt Goldt. Der Jung-Seelsorger selbst war gestern nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Auf der Internetseite einer sedisvakantistischen Organisation jedenfalls wird die Auer Anschrift von Markus Ramolla als Kontaktadresse angegeben. Dort heißt es, dass für die Gruppe "die Glieder der Hierarchie der Konzilskirche (einschließlich und insbesondere Benedikt XVI.), ungeachtet irgendwelcher Autorität oder jedes Anscheines der Autorität, weder wahre katholische Päpste noch wahre katholische Bischöfe sind", sondern "falsche Hirten".

Noch keine Anfrage

Der Plan des Priesters, in seiner Heimatkirche einen Gottesdienst zu feiern, dürfte also frommer Wunsch bleiben. Sowohl Dekan Hans Huber als auch der bischöfliche Pressesprecher berichten, dass es bislang auch keine derartige Anfrage gegeben habe. Sollte sie noch kommen, sei die Antwort klar: Wer den Papst nicht anerkennt, darf in Au nicht an den Altar. "Kommentar

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