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14.04.2020

Wie das Coronavirus die Reisebranche beutelt

Viele Unternehmen, die zur Tourismusbranche gehören, hoffen in diesen schwierigen Zeiten auf die Loyalität ihrer Stammkundschaft.

Plus In den Osterferien sollte die Saison Fahrt aufnehmen. Nun gerät die Tourismusbranche in Existenznöte. Nachgefragt bei einem Busunternehmen, Hotel und Reisebüro.

Sie sollten nach Kroatien rollen oder nach Holland, zur Tulpenblüte. Nun aber stehen die Busse des Omnibusunternehmens Miller auf dem Hof in Babenhausen. Wie lange noch? Wer weiß das schon. Fest steht aber: Die Frühjahrssaison, die in den Osterferien Fahrt aufnehmen sollte, ist gelaufen. „Wir versuchen jetzt zum Beispiel, Ausweichtermine im Herbst zu finden“, sagt Dieter Miller. „Das Motto sollte lauten: Wer Reisen liebt, der verschiebt.“

Auf kurze Sicht zu planen, ist schwer

Corona trifft die Reisebranche mit voller Wucht. „Es ist für alle gerade bitter“, sagt Miller. Schulausflüge sind storniert worden, Senioren – wichtige Kunden der Bustouristik, zugleich eine Risikogruppe – seien verunsichert und sehen womöglich auch über das Frühjahr hinaus von Reisen ab. „Es ist schwer, auf kurze Sicht zu planen“, so Dieter Miller. „Unbeschwertes Reisen“, vor allem ins Ausland, könnte eine ganze Weile nicht mehr möglich sein, befürchtet er.

Der 1938 gegründete Familienbetrieb hat auf die Krise reagiert: Um Versicherungskosten zu sparen, wurden Busse stillgelegt. Fahrer, die ausschließlich im touristischen Bereich tätig sind, haben Kurzarbeit. Immerhin: Der Linien- und Schulbusverkehr dürfte sich im Zuge gelockerter Ausgangsbeschränkungen schneller wieder normalisieren.

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Hotels ohne Gäste: Im Illertisser Hof sind nur wenige Geschäftsreisende

Auch Hotels trifft die Krise hart. Petra Pentz leitet den Illertisser Hof. Er beherbergt derzeit zwar keine Touristen, aber immerhin noch einzelne Geschäftsreisende. Jedoch nur von Montag bis Freitag; am Wochenende bleibe das Hotel geschlossen. Die Mitarbeiter in Kurzarbeit wechselten sich ab, jeder mit einer Schicht pro Woche.

Weil es kein Restaurant im Hotel gebe, könne es keinen Lieferservice anbieten, der die Umsatzeinbußen zumindest etwas auffangen könnte. Ein Lichtblick: Ab Juni gibt es Pentz zufolge wieder Buchungen. Sie fasst zusammen: „Die Stimmung bei uns ist noch gut, aber wir alle hoffen, dass es bald wieder aufwärts geht.“

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Vielen Reisebüros bricht der komplette Umsatz weg

Anders als viele Hotels haben Reisebüros meist kein zweites Standbein. Entsprechend schwer zu schaffen macht ihnen die Pandemie. Gudrun Ganser, eine der Inhaberinnen des Reiseland City Reisebüros in Vöhringen, fasst zusammen: „Es ist eine schlimme Zeit.“ Alle Reisen seien storniert bis Ende April, teilweise darüber hinaus. Ganser und ihre Mitarbeiter nehmen jeden Tag nur Absagen entgegen: „Wir arbeiten praktisch rückwärts“, sagt die Geschäftsführerin. Wie vielen anderen Geschäften breche den Reisebüros der komplette Umsatz weg.

Ein Hoffnungsschimmer für die Reisebüros wäre eine Gutscheinlösung, wie sie dieser Tage im Gespräch ist. Damit würden die Kunden statt Geld im Austausch für ihre ausfallenden Reisen Gutscheine beim jeweiligen Anbieter erhalten. Keine ideale Lösung, sagen Kritiker, denn viele Kunden bevorzugten eine Rückzahlung. „Wenn die Gutscheine nicht kommen sollten, müssen wir Beträge vom letzten Jahr zurück überweisen“, sagt Ganser. Finanziell wäre das ein Fiasko.

Warum es die Reisebranche vermutlich länger trifft als andere

Schlimm ist für Ganser vor allem die Ungewissheit. Nicht immer gebe es auf die vielen Fragen der Kunden Antworten. Selbst wenn das Reisen ab Mai erneut erlaubt wäre, würde die Reisebranche nicht sogleich wieder ins Rollen kommen. „Anders als Restaurants, die sofort wieder öffnen, bleiben die Kunden bei Reisen vorsichtig“, sagt Ganser. „Die Krise trifft uns wahrscheinlich länger als viele andere.“

Trotzdem bleibt die Geschäftsführerin positiv: „Wir schauen nach vorne. Es gibt eine Zeit nach Corona.“ Sie sei begeistert von ihrem Team, das sich gerade jetzt gegenseitig aufbaue und ermutige. Die Kunden mit all ihren Sorgen zu betreuen, koste Kraft. Es gebe aber schöne Momente: „Viele sagen, haltet durch, wir kommen wieder.“

Auch Dieter Miller aus Babenhausen versucht, der Situation etwas Positives abzugewinnen: Der Rückhalt der Stammkundschaft sei groß. „Wir haben Leute, die schon 30 Jahre mit uns fahren. Manche rufen jetzt bei uns an.“ Sein Appell an jeden, der nach der Krise verreisen will: Unterstützen Sie die Unternehmen vor Ort.

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