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Illertissen

17.06.2019

Wo Hunde lernen, sich zu benehmen

Nicole Wanner strebt mit Anton die Begleithundeprüfung an.
Bild: Regina Langhans

In Illertissen wird zum „Tag des Hundes“ gezeigt, wie wichtig die Vierbeiner für Polizei und Rettungsdienst sind.

Kein Hundekläffen oder lautes Gezeter, nur ab und an ein Bellen war von der Anlage des Schäferhundevereins an der Mozartstraße in Illertisen zu hören, obwohl sich doch Dutzende von Vierbeinern verschiedenster Rassen mit ihren Besitzern dort eingefunden hatten. Die vielen parkenden Autos verrieten es schon eher: Zum Tag des Hundes, ausgerufen vom Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH), hatte der Ortsverein ein stattliches Programm aufgestellt - um den Hund als des Menschen besten Freund zu zeigen.

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„Seit vielen Tausend Jahren ist der Hund unser treuer Begleiter, das ist die Botschaft des heutigen Tages“, sagte dann auch der langjährige Vorsitzende Manfred Drescher aus Illertissen. Hunde seien beim Menschen im Alltag oder Sport nicht wegzudenken. Ganz besonders nicht wegen der sozialen Kontakte. Der Verein hat rund 100 Mitglieder und besteht seit 1963.

Für Nicole Wanner aus Kettershausen, Zuschauerin und vielleicht bald Mitglied, gehören Hunde zum Leben. Sie hat Anton, einen acht Monate alten Schweizer Sennenhund dabei, mit dem sie im Verein die Begleithundeprüfung absolvieren will. „Ich bin vor wenigen Jahren zugezogen und noch dabei, alles kennenzulernen.“ Dass ihr Hund alltagstaugliche Manieren lernen muss, ist für sie keine Frage. Mit Interesse beobachtete sie die Vorführungen der Rettungshundestaffel Donau–Iller. „Vielleicht wäre das auch etwas für Anton, falls er sich dazu eignet“, überlegte die Hundefreundin, wohlwissend, dass das auch zu Einsätzen im Ernstfall führen könnte. Zu ihrer Familie gehört noch Cooper, ein Golden Retriever, „doch der ist jetzt in Rente“, sagte sie schmunzelnd.

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Reinhold Glier aus Weißenhorn, Vorsitzender der Rettungshundestaffel, fasste die bei den Vorführungen vermittelten Informationen kurz zusammen: Seinem Team gehören 33 Aktive und 21 geprüfte Tiere an. Rettungshunde könnten Menschen in 200 Metern Entfernung, bis zu neun Meter tief im Boden oder in 30 Metern Wassertiefe aufspüren.

Auf dem Trainingsplatz führten sie drei Möglichkeiten vor, mit denen ein Hund eine Person finden kann: Entweder er führt durch Hin- und Herlaufen den Helfer zur gesuchten Stelle, oder er zeigt sie durch sogenanntes Verbellen an. Es gebe auch Hunde, die, etwa aus Respekt vor dem Verletzten, nicht bellen wollten. Sie würden lernen, mit dem sogenannten Bringsel anzuzeigen, dass sie fündig geworden sind, so der Experte. Interessant auch sein Vergleich zwischen Suchtrupp und Rettungshund: Um ein 25000 Quadratmeter großes bewachsenes Areal zu durchkämmen, brauche der Hund 30 Minuten, ein 20-köpfiges Team bis zu viermal so viel Zeit.

Ob ein Hund das Retten erlenen kann oder nicht, habe nichts mit Rasse oder Größe zu tun, wusste Gabriele Piskol aus Bellenberg. Oft ist sie mit Flora – einem drei Kilo schweren Wollknäuel der Rasse Papillon – im Einsatz. Sie erklärte: „Es hängt von der Aufgabe ab, Flora kommt überall hin, flitzt durch ein Maisfeld, wo andere stecken bleiben.“

Zu sehen gab es Vorführungen mit Polizeihunden oder Formen sportlicher Betätigung mit Hunden, wobei es auf Geschicklichkeit und gute Zusammenarbeit von Tier und Mensch ankam. Diese zu trainieren oder eben die Hunde „alltagstauglich“ zu machen, das sind die Lernziele in der Breitensportgruppe des Vereins. Bei bestandener sogenannter Begleithundeprüfung hätten die Tiere diese Umgangsformen drauf, sagte Trainerin Maria Heckelmiller aus Untereichen. „Es handelt sich um eine Ausbildung für den Gebrauchshund, was er im Alltag können muss.“ Es soll Verlass darauf sein, dass Anweisungen wie „bei Fuß“, klappen. So war es eine wahre Schau, wie ein Dutzend Vierbeiner, Züchtungen, Mischlinge, Straßenköter artig an der Seite ihrer Begleiter vor Publikum hin und her patrouillierten: tagtägliche Begegnungen wie beim Gassigehen – aber ganz ohne Rivalitäten oder Gebell.

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