Zwei Lebensläufe, ein Gespräch – so lässt sich das Konzertprojekt „Between Us“ beschreiben, mit dem Jonas Hain und Robert Gromotka ihre gemeinsame musikalische Erzählung beginnen. Der Auftakt der Zusammenarbeit ist zeitgemäß: ein Like auf Instagram, ein Kommentar, ein geteiltes Musikstück. Rasch entstehen Neugier und Wertschätzung. „Wir schreiben wirklich sehr unterschiedliche Stücke“, sagt Gromotka – ein Befund, der sich an diesem Abend bestätigt.
Der Konzertabend im Stadthaus beginnt mit Solostücken von Jonas Hain. Der junge Pianist und Komponist, der am Beginn einer vielversprechenden Karriere steht, entfaltet eine Musik von durchgehender Melancholie. Weite Landschaften scheinen auf, Erinnerungsräume vergangener Lieben. Klanglich fühlt man sich an Filmmusiken von Michael Nyman, Erik Satie oder Yann Tiersen erinnert, wobei Hain immer wieder in klassischere Gefilde abbiegt. Ein frühes Stück evoziert Frédéric Chopin, später lässt ein wiegender Rhythmus an den „Schwan“ von Camille Saint-Saëns denken. Die Strukturen verdichten sich zu Anklängen an Romantik und Impressionismus.
Hain und Gromotka starten neues Kapitel mit "Between Us"
Dann betritt Robert Gromotka die Bühne. Er legt Hain kurz den Arm um die Schulter, lächelt – und beginnt im oberen Register eine zarte Linie zu spielen, zunächst eher Motiv als Melodie. Drei Hände, dann vier: Das Klangspektrum bleibt bewusst zurückgenommen, beinahe scheu, bewegt sich in Richtung Minimal Music. Gromotka, erfahrener Multiinstrumentalist, hat in diesem Projekt einen neuen künstlerischen Aufbruch gefunden.
Gromotkas erstes Solostück setzt einen Kontrapunkt: perlend, hell, optimistisch in Dur. Aus einer filigranen, fast gesanglichen Idee entwickelt sich etwas Größeres. Ein weiteres, von französischer Musette inspiriertes Stück markiert die Wendung zur Heiterkeit – man kann schließlich nicht dauernd in Moll verweilen. „Mit der eigenen Musik den Saal vollzukriegen, ist ein großartiges Gefühl. Ich bin sehr glücklich“, sagt der Berliner.
Saal im Ulmer Stadthaus ist voll besetzt
Im zweiten Teil des Abends treten die Cellistin Felicitas Conrad und die Violinistin Gabriele Kienast hinzu. Die Kompositionen weiten sich zu klanglich opulenteren Miniaturen, die sich der Filmmusik annähern – eine zeitgenössische Melange aus klassischer Kammermusik, Ambient und atmosphärischem Erzählen. Das Zusammenspiel ist eng und hoch konzentriert, ein Dialog aus subtiler Melancholie. Das Konzept geht auf. Doch wo bleiben Heiterkeit und Lebensfreude? „Between Us“ erzählt viel von Traurigkeit und Zweifel. Das Gegenteil jedoch, das die Musiker auf der Bühne sichtbar verkörpern, dürfte in einem solchen Konzertabend stärker hörbar werden.
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