Die Stadt Illertissen bekommt die Lizenz für „Beevolu“ auf Lebenszeit. Kinder, Jugendliche und Betreuer im städtischen Jugendhaus dürfen die neue App kostenlos nutzen. Das ist der Praxistest der Anwendung auf Smartphone und Tablet. Mastermind hinter dem Konzept ist Volkan Uygun. Er stammt aus Illertissen.
Der 26-jährige angehende Software-Ingenieur ist in Illertissen auf die Grund- und Mittelschule gegangen. In seiner Freizeit war er im Illertisser Jugendparlament engagiert, gab im Jugendhaus Nachhilfe und war Schülersprecher. Sein Abitur hat er später in Ulm gemacht. Aktuell studiert er dort an der Uni. Gemeinsam mit Julia Fokt arbeitet er seit einem Jahr an der App „Beevolu“. Der Name setzt sich aus den englischen Begriffen „be voluntary“, deutsch: „sei freiwillig“, zusammen. Das „bee“ steht zugleich für die fleißige Biene und greift damit ein bekanntes Symbol der Bienenstadt Illertissen auf. Beevolu ist für Uygun „ein Herzensprojekt“, sagt er.
Etwas zurückgeben: Beevolu fördert Engagement im Jugendhaus Illertissen
Er erinnert sich, „wie ein Kind bei der Nachhilfe plötzlich versteht, woran es vorher gescheitert ist, und mit neuem Selbstvertrauen weitermacht – das gehört zu den schönsten Erfahrungen, die mir das Ehrenamt schenkt“. Er ist überzeugt, „genau in solchen Einrichtungen wie dem Jugendhaus entscheidet sich oft, ob junge Menschen Anschluss finden – genau dorthin möchte ich etwas zurückgeben“.
Ziel von Beevolu ist es, die Kommunikation, Beteiligung und Vernetzung von Jugendlichen mit dem Jugendhaus digital und niederschwellig zu erweitern. Die App soll auch als Informationsplattform für Kinder und Jugendliche in Illertissen dienen. Beevolu ist ein gamifiziertes Aufgabenverwaltungs-Tool, sagt Uygun, es soll Kinder und Jugendliche also auf spielerische Weise zu Engagement motivieren. Kernstück der App ist ein integriertes Punktesystem, über das Jugendliche durch aktive Teilnahme Punkte sammeln können. Punkte können beispielsweise für die Teilnahme an Angeboten und Veranstaltungen, für Mithilfe im Jugendhaus oder für ehrenamtliches Engagement im Rahmen des Ferienspaßes gewonnen werden.
Punkte aus Aufgaben bringen Vorteile im Jugendhaus
Auf der eben online gegangenen Website beevolu.de zeigen Fokt und Uygun Beispiele. So lautet eine Aufgabe, den Billardtisch aufzuräumen oder eine Lichterkette aufzuhängen. Die Jugendlichen machen ein Foto, wenn der Job erledigt ist, die Betreuer sehen es sich an, schalten die versprochenen Punkte frei – oder geben Rückmeldung, wenn etwas zu verbessern ist.
Nutzer und Nutzerinnen können die Punkte dann im integrierten Store gegen Belohnungen eintauschen – etwa ein Erfrischungsgetränk oder einen Schlüsselanhänger, der zuvor vom Administrator hinterlegt wurde. Denkbar ist auch, die gesammelten Punkte gegen Vergünstigungen und Vorteile innerhalb des Jugendhauses einzulösen. Außerdem soll Beevolu weitere Funktionen umfassen: ein digitales Schwarzes Brett, Informationen und Neuigkeiten aus dem Jugendhaus, einen Veranstaltungskalender und Möglichkeiten, sich zu beteiligen oder in den Austausch zu kommen. Sicherheit und ein kindgerechtes Design sind den Schöpfern der App wichtig – so liegt etwa die Datenschutzerklärung in kindgerecht formulierter Sprache vor.
Beevolu stärkt Eigeninitiative im Jugendhaus Illertissen
Für Marc Bauer von der Stadtjugendpflege Illertissen soll die App dazu beitragen, Jugendliche stärker in die Angebote der offenen Jugendarbeit einzubinden und die Beteiligung, Eigeninitiative und Identifikation mit dem Jugendhaus zu fördern. Ursprünglich ein Uni-Projekt, ist Beevolu in enger Zusammenarbeit mit Bauer entstanden, erklären Fokt und Uygun.
Über die Admin-Ansicht stehen Statistiken und Analysen zur Nutzung der App bereit, sagt Julia Fokt. „Selbstverständlich wird die gesamte Anwendung datenschutzkonform und vollständig in Deutschland gehostet“, sagt sie. Die App läuft über den eigenen Server in Ulm, erklärt Uygun.
Eltern bestätigen Einwilligung für App digital per E-Mail
Besonderes Augenmerk legen Uygun und Fokt auf den rechtssicheren Umgang mit personenbezogenen Daten der jungen Nutzer. Julia Fokt studiert an der Universität Ulm Wirtschaftschemie und engagiert sich als Ressortleiterin für Datenschutz und Recht in der Studierendenexekutive sowie als Datenschutzbeauftragte. Für Kinder unter 16 Jahren sei ein automatisierter Einwilligungsprozess in die App integriert, erklärt sie. Die Eltern erhalten per E-Mail eine Einwilligungsanfrage, die sie vollständig digital bestätigen können. Der Jugendhausleitung wird so angezeigt, für welches Kind die elterliche Erlaubnis vorliegt und ab wann ein Account eingerichtet werden darf. So entfalle der Papierkram, trotzdem sei der Prozess transparent, schnell und DSGVO-konform.
Beevolu gibt es als Gratisversion für sehr kleine Einrichtungen, für kostenpflichtige Varianten fallen je nach Nutzeranzahl zwischen 39 und 149 Euro im Monat an.
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