Die Schlossgärten in Illertissen werden ab August neu gestaltet.
Illertissen
Stadtbalkon und Staffeltreppe: Wie Illertissen am Schlossberg neue Akzente setzt
Die Pläne zur Umgestaltung der Schlossgärten in Illertissen nehmen Gestalt an, Stadtplaner Florian Schilling präsentierte nun Details. Im August soll es losgehen.
Das Vöhlinschloss ist weit um Illertissen bekannt. Nun könnten auch bald die Schlossgärten in neuem Glanz erstrahlen.Foto: Alexander Kaya
Die Stadt mag ihre Formulierung Schlossgärten etwas weiter gefasst haben als anno dazumal: So handelt es sich bei der Wiederbelebung nicht nur um die einstigen Barockgärten südwestlich der Brücke zum Vöhlinschloss, sondern noch darüber hinaus. Das Vorhaben „Revitalisierung Schlossberg“ lasse sich zugunsten einer Durchgängigkeit des Grünbands Illerleite und Erweiterung der Naherholungsfläche betrachten, ordnet Stadtplaner Florian Schilling ein. Kürzlich hat er die Pläne genauer vorgestellt, begonnen wird voraussichtlich im August.
Eigentlich handele Bürgermeister Jürgen Eisen gar nicht viel anders als seine Vorgänger vor 200 Jahren, könnte der Blick in die „Chronik von Tüssen“ nahelegen. Denn kaum war die Herrschaft Illertissen 1803 dem Kurfürstentum Bayern einverleibt worden, kaufte die Marktgemeinde im Jahr 1807 „vom Fiskus den Weiher an der Weiherhalde für 151 Gulden 7 Kreuzer ab“, ist da zu lesen. Oder aber 1822, als der Markt „vom Staate für 67 Gulden das Schießstattmahd und die Grabenmuhre des Marktgrabens“, also den Wall, erworben hat. Illertissens Oberhäuptern scheint es ein Anliegen zu sein, historische Strukturen oder Zusammenhänge nutzen zu können.
Stadtplaner: „Zeit, sich um die Schlossgärten in Illertissen zu kümmern“
Dazu passt die Idee der Stadt, sich die Schlossgärten zu erschließen. Ursprünglich befanden sich die zu Burg und Schloss gehörigen Wirtschaftsgebäude im Vorhof links und rechts der Schlossallee. Beispielsweise beherbergte die jetzt auffallend ebene Fläche westlich direkt vor der Zugbrücke das Torwärterhäuschen. 1705 aber baute Hans Gotthard Vöhlin die „feste Burg“ in ein „modernes Herrenschloss“ um. Damals wurden auch die weitläufigen Umfassungsmauern der beiden Schlossgärten errichtet, und „Hofgärtner Merk legte gärtnerische Anlagen nach französischen Mustern an“, heißt es in der Chronik.
Der historische Staffelweg von der Stadt zum Schloss bietet
Ein- und Ausblicke, wie sie auch der künftige Stadtbalkon bieten soll.Foto: Regina Langhans
Stadtplaner Schilling gab zu bedenken: Das Vöhlinschloss koste die Stadt nichts, dabei sei es das Wahrzeichen von Illertissen, von dem alle profitierten. „Da ist es Zeit, sich auch um den Schlossberg zu kümmern, zumal die Kosten bezuschusst werden“, so Schilling. Das Areal umfasst 17.900 Quadratmeter und überarbeitet werden 11,925 Quadratmeter in drei Bauabschnitten, wofür im Idealfall – so die politische und finanzielle Situation es erlaubt – vier Jahre angesetzt sind. Von den Baukosten übernimmt die Städtebauförderung 90 Prozent, und zusammen mit den Nebenkosten sind rund vier Millionen Euro veranschlagt. Beim Grunderwerb vom Freistaat im Zeitraum 2022/25 sowie dem 2023 ausgeschriebenen Architektenwettbewerb betrug der staatliche Zuschuss jeweils 60 Prozent. Erste Überlegungen zur Wiederbelebung der Schlossgärten gab es 2018. Die Grundidee des Vorhabens war, ein Aushängeschild für Illertissen zu schaffen und einen Ort, den die Einheimischen gerne besuchen. Bislang prägt das Schloss zwar das Stadtbild, nicht aber das gesellschaftliche Leben in Illertissen.
Die Schlossgärten sollen einen grünen Übergang vom Vöhlinschloss zur Stadt bilden.Foto: Silands, Gresz + Kaiser (Archivbild)
Gestartet wird demnächst. Der erste Bauabschnitt beginnt mit dem Stadtbalkon am Südwesthang (794 Quadratmeter), ein Garten in Reminiszenz an die historische Barockanlage mit Café/Kiosk, Toiletten, Infopunkt anstelle der Garagen und ehemaligem Schafstall, gefolgt vom Staffelweg (682 Quadratmeter) am Bräuhaus vorbei den Berg hoch. Der historische Aufstieg muss unterfangen werden und wird vor dem Schlossgraben um einen Weg nach Süden zum neuen Stadtbalkon ergänzt. Zugleich soll das letzte Stück Bräuhausstraße, über die der Staffelweg zu erreichen ist, für Touristen entsprechend kenntlich gemacht werden.
Kiosk und Blüteninseln: Der Schlossberg soll in Abschnitten neu gemacht werden
Dann setzt sich die „Revitalisierung Schlossberg“ abschnittsweise fort: Der äußere Schlosshof (2.151 Quadratmeter) vor der Brücke, in Fortsetzung zur Anlage mit Stadtbalkon, der Schlossgarten (4.042 Quadratmeter) mit Pergola, Saletti/Pavillon, Boulehain und Blüteninseln. Nördlich der Schlossallee (1.393 Quadratmeter) könnte eine Art Terrassengarten (823 Quadratmeter) gestaltet werden mit Zugang zum Wildgehege. Auch der zweite Fußweg, die Stäffele (786 Quadratmeter) von der Vöhlinstraße zur Allee, wird saniert und durch einen gestalteten Vorplatz markiert. Zuletzt soll der Pfad an der Schlossmauer vorbei an Schlosshotel – dem alten Gefängnis – und Schwabenbühne zum Panoramaweg (1.256 Quadratmeter) ausgebaut werden. Wege verbäiden nicht nur Plätze sondern auch Menschen, zeigt sich der Stadtplaner mit Blick auf künftige Gäste zuversichtlich.
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