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Gumpiger Donnerstag und Rathaussturm in Dietenheim, Au, Bellenberg und Kirchhaslach.

Landkreis Neu-Ulm/Dietenheim

Fasching in der Region: Die Narren übernehmen die Rathäuser und lachen auf den Straßen

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    Beim Rathaussturm mit Gerichtsverhandlung musste der Bürgermeister in Au seine Schlüssel abgeben - und sich in Haft begeben.
    Beim Rathaussturm mit Gerichtsverhandlung musste der Bürgermeister in Au seine Schlüssel abgeben - und sich in Haft begeben. Foto: Regina Langhans

    Der Gumpige Donnerstag ist einer der wichtigsten Tage der fünften Jahreszeit. Und so machten sich an dem Tag auch in Dietenheim alias Ranzenburg, Au, Bellenberg und Kirchhaslach die Narren auf, um teilweise bis in den Morgen zu feiern und in den Rathäusern das Regiment zu übernehmen. Dabei waren auch die kleinsten Faschingsfreunde schon mit am Start - der Nachwuchs ist gesichert. Wie in vielen anderen Orten im Landkreis Neu-Ulm, etwa in Weißenhorn, ging es im Süden hoch her.

    Erst der Rathaussturm in Au, dann das Hohe Gericht in der Stadlbar: Donnerstagabend flogen Bürgermeister Jürgen Eisen und Stadträten in dem Illertisser Stadtteil noch richtig die Fetzen um die Ohren. Die Aumer Kröpf hatten mit gewohnter Verstärkung der Käppelesräuber aus Bellenberg den Narrenbaum aufgestellt, das Präsidentenpaar Sabrina Egen und Manuel Hess ihres Carneval Club (CCA) inthronisiert und schließlich die Dissamer davongejagt. Am langen Strick gefesselt zogen sie, angeführt von der Blaskapelle Au, in die Stadlbar vors Hohe Gericht. Diesmal kam das schaulustige Straßenpublikum besonders auf seine Kosten, indem die jungen Aumer Kröpf genüsslich am Seil zerrten und heftig nach links oder rechts zogen. In der Stadlbar standen schon Richter Florian Rogg mit Kollegin Leoni Oßwald bereit und Gerichtsdiener Andreas Binder schellte heftig mit der Glocke. Bemerkenswert auch, das Hohe Gericht durfte sich heuer seiner 33-jährigen Erfahrung rühmen.

    Die Narren machen der Illertisser Rathausführung den Prozess

    Bei gekonnter Begleitung durch Bruno Merk an der Gitarre machte es singend und reimend der Illertisser Rathausgesellschaft den Prozess. Die geplante Bahnunterführung an der Auer Straße führte wegen der Tunnelhöhe zu Sorgen. Zwar wurde gewürdigt: „Der beste Ort für so an Tunnelbau isch an der Straß zu eis nach Au.“ Allerdings: „Koi Durchkomma dät’s nämlich gäa für Löschzüg unserer Fuierwehr.“ Sodann: „I han dia no nie a Feuer löscha sea, ohne d’d Aumer Feuerwehr.“ Und fast noch naheliegender das Problem: „Weil ois muss zuallererst durchgau, die Faschingswäga zum Umzug Au.“ Zur Kommunalwahl hieß es: „Drei Mann, oin Stuhl, des isch bekannt, und jed’r meint, ‚I wär’s fürs Land‘!“ Daher die Schlussfolgerung des Gerichts: „Wahlkampf isch wie Fasnet – nur mit mehr Test.“ Auch beim Thema Müll wurde sorgfältig abgewogen, um abschließend nach der Melodie von „Marmor, Stein und Eisen bricht“ zu skandieren: „Braun, blau, gelb – und grau au no, Dissa isch jetzt farbig – so!“

    Putziger Faschingstrubel: Der Kinderumzug in Vöhringen in Bildern

    Umzug und Rathaussturm in Vöhringen am "Gumpigen Donnerstag"
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    13 Bilder
    18 Gruppen zogen beim Kinderfaschingsumzug am "Gumpigen Donnerstag" durch Vöhringen. Am Ende stürmten die Närrinnen und Närren das Rathaus.

    Mit dem dritten und letzten Abschnitt der Dorfstraßensanierung Richtung Bellenberg stimmte das Hohe Gericht das Dorf nicht nur auf neuerliche Verkehrsbehinderungen ein, sondern insbesondere auf eines: „Mir füchtat ois aber no viel ärger, s’kommat no mehr Bellaberger. Drum fordrat mir ganz klar und laut a Kassahäusle fiar a Maut.“ Der närrischen Anklageschrift mangelte es nicht an humorvoll-spritzigem Lokalkolorit, zu guter Letzt die eigene Stadlbar gemünzt: „Im Vereinsheim ging der Bau bald los, rauskomma sind – zwei neue Klos! Doch was bringt so a Klo denn heit, wenn’s gei gar nix zum Essen geit.“ Seitens der Verteidigung fielen versöhnliche Worte und dann der Umschwung: „Ihr hearat sell, was d’Narra wend, drom schnell a andrs Urteil, gschwend.“ Die eingeforderte Kaution in Speis und Trank wurde gleich nach dem Abgang mit Amtsgerichtspolka eingelöst und darauf fröhlich angestoßen.

    Die „Ausgräber“ hatten in Ranzenburg am Gompigen ihren Spaß.
    Die „Ausgräber“ hatten in Ranzenburg am Gompigen ihren Spaß. Foto: Wilhelm Schmid

    In Ranzenburg wurde der erste Nationalfeiertag der Fasnet, der „Gompige“, wieder einmal zum großen Erfolg: Die „Ausgräber“ hatten mit viel Mühe in der Pfarrer-Debler-Straße die „Fasnet ausgegraben“ und zogen dann mit klingendem Spiel von Stadtkapelle und Spielmannszug, begleitet von viel kostümiertem Publikum, zum Marktplatz, wo sie noch einmal vorführten, wie sie die wertvolle Fasnet gefunden hatten. Schultes Christopher Eh wurde von den Hexen aus dem oberen Stock des Rathauses per Leiter auf den Platz geholt und übergab die Stadtherrschaft nach launiger Rede an Prinz Johannes I., der - begleitet von Prinzessin Maja I., dem Kinderprinzenpaar Rebecca I. und Simon I. sowie Hofnarren und Elferrat - seine Proklamation vortrug. Sowohl der Schultes als auch der Prinz hatten gute Ratschläge fürs begeistert applaudierende Narrenvolk, und nach dem gemeinsam gespielten und gesungenen „Ranzenburger Narrenmarsch“ hieß es bald: „Jetzt gang mer amol zum Gompa mit de alte Lompa!“ woraufhin sich die hohen Herrschaften mit dem Volk zu den Marktständen sowie in die „Giaßabar“ und die örtlichen Lokalitäten zum Feiern begaben.

    Die Kinder des Kindergartens Maria Himmelfahrt übernehmen das Rathaus in Kirchhaslach.
    Die Kinder des Kindergartens Maria Himmelfahrt übernehmen das Rathaus in Kirchhaslach. Foto: Claudia Bader

    Ganz gewaltig schepperte es im Treppenhaus des Rathauses in Kirchhaslach. Denn die kleinen Maskerle des Kindergartens Maria Himmelfahrt hatten alles mitgebracht, was tüchtig Radau macht. Töpfe, Deckel, Blechdosen, Trommeln und mehr. Gemäß langjähriger Tradition hatten sie sich am Gumpigen Donnerstag gemeinsam mit ihren Erzieherinnen und Erziehern zum Krachmacher-Umzug aufgemacht. Voller Begeisterung eroberten die Mädchen und Buben der Sonnen-, Mond-, Sternen- und Regenbogengruppe den Sitzungssaal des Gemeinderats. Gelassen ließ sich Bürgermeister Franz Grauer von der vergnügten Faschingsparade die Krawatte abschneiden.  

    Als Bürgemeister von Bellenberg musste sich Oliver Schönfeld am Freitag den 
übermächtigen Lacha-Dregglern geschlagen geben.
    Als Bürgemeister von Bellenberg musste sich Oliver Schönfeld am Freitag den übermächtigen Lacha-Dregglern geschlagen geben. Foto: Regina Langhans

    Keinen Spaß kannten die Lacha-Dreggler in Bellenberg und beschafften sich mit Unterstützung der Keßler Hexa den Schlüssel zu ihrem Rathaus. Am rußigen Freitag pünktlich um 11.11 Uhr kletterte eine Dreggler-Hexe in die Amtsstube im ersten Stock, führte Bürgermeister Oliver Schönfeld nach unten vors Tribunal am Brunnen und zelebrierte die Übernahme. Abwechselnd trugen Zunftmeisterin Beate Studer und Stellvertreter Manuel Studer vor: „Wir haben den Gemeinderat entmachtet, damit ihr die neuen Paragrafen beachtet.“ Das Gesetz hätten sie so gewählt, dass es in Bellenberg gefällt. So werde im Dorf das verbindliche „du“ eingeführt, die Kleiderordnung gebiete ausschließlich im Narrenhäs herumzulaufen, und wer den Sitzungssaal für den Gemeinderat betrete, müsse es tanzend tun. Ohne Vorwarnung sei mit Konfettiregen zu rechnen, hieß es weiter, und wie zum Exempel schwirrten bunte Schnipsel durch die Luft.

    In Bellenberg ergriff der Bürgermeister Gegenwehr

    Der Bürgermeister wollte sich dergleichen nicht länger anhören und ergriff Gegenwehr: Die neue Rathausverwaltung sei auch zuständig fürs Straßenreinigen von Konfetti. Die Machtübernahme beinhalte zugleich die Verantwortung der Schulden, die tags zuvor bei der Haushaltsverabschiedung beschlossen worden seien, ergänzte Schönfeld mit Schadenfreude im Unterton. Zunftmeisterin Studer überreichte ihm als Geschenk eine Narrentasche mit allerlei Wichtigem für das Leben eines Lacha-Dregglers. Im Gegenzug fragte sie nach Süßigkeiten, die er den Kindern hätte mitbringen sollen. Der Schultes murmelte von schlechten Zähnen, bekam aber zu hören, dass er gerade die künftige Wählerschaft vergraule. Die Wortgefechte wurden aufmerksam verfolgt, aber auch bald beendet, indem sich kleine und große Mäschkerle als Polonaise durchs Publikum zwängten. Die Narren hatten die Oberhand gewonnen.

    Auch in Altenstadt wurde das Rathaus gestürmt.
    Auch in Altenstadt wurde das Rathaus gestürmt. Foto: Heinemann
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