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Vöhringen: Kindergarten Piepmatz in Vöhringen will Montessori-Kinderhaus werden

Vöhringen

Kindergarten Piepmatz in Vöhringen will Montessori-Kinderhaus werden

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    Unser Foto zeigt eine Gruppe des Kindergartens Piepmatz in Vöhringen. Die Einrichtung hat vor, ein Montessori-Kinderhaus zu werden. Der Anfang ist schon gemacht.
    Unser Foto zeigt eine Gruppe des Kindergartens Piepmatz in Vöhringen. Die Einrichtung hat vor, ein Montessori-Kinderhaus zu werden. Der Anfang ist schon gemacht. Foto: Ursula Katharina Balken

    Maria Montessori war eine außergewöhnliche Medizinerin. Nicht nur, dass sie um die Jahrhundertwende die erste Frau in Italien war, die Medizin studiert hatte und als Ärztin tätig war - diese Domäne war bislang nur den Männern vorbehalten -, sondern sie beschäftigte sich schon damals mit dem Gedanken der ganzheitlichen Förderung von Kindern. Und das zu einer Zeit, als es Kindergärten im heutigen Sinne nicht gab. Anfang des 20. Jahrhunderts sprach man noch von Bewahranstalten. Nach der von Montessori entwickelten Pädagogik möchte sich auch eine Kindertagesstätte in Vöhringen ausrichten.

    Seit zwei Jahren gibt es die Kita Piepmatz an der Falkenstraße in Vöhringen. 75 Mädchen und Buben werden dort betreut. Diese noch relativ neue Einrichtung soll ein Montessori-Kinderhaus werden. Als die Idee von den beiden Führungskräften Anja Yuvarlak und Magdalena Stetter, die beide das Montessori-Diplom besitzen, an Bürgermeister Michael Neher herangetragen wurde, zeigte er sich von dem Gedanken „sehr angetan“, wie die beiden Frauen berichten. Denn Vielschichtigkeit in der Betreuung von Kindern mit allen neuen Erkenntnissen der Erziehung ist auch ein Anliegen des Stadtrates. Die Stadt Vöhringen ist auch Träger der Kindertagesstätte.

    Ein Montessori-Grundgedanke lautet: Die Umgebung sollte auf das Kind ausgerichtet sein

    Wenn es eine neue Kita gibt, braucht sie einen Namen. Möchte man in der Einrichtung nach einem bestimmten pädagogischen Konzept arbeiten, bedarf es einer Zertifizierung. Wer das Konzept nach Maria Montessori verwirklichen will, muss gewisse Vorgaben erfüllen. „Wir müssen uns alle, die hier arbeiten, strikt an die Regeln halten, sonst gibt es keine Zertifizierung, die ja etwas über die Ansprüche einer Kita aussagt“, sagen beide Erzieherinnen. Ein Grundgedanke lautet: „Das Kind nicht der Umgebung anpassen, sondern die Umgebung sollte auf das Kind ausgerichtet sein.“

    Magdalena Stetter erläutert, welche Bedingungen erfüllt werden müssen, um sich Montessori-Kinderhaus nennen zu dürfen. Das gesamte Team der Erzieherinnen und Betreuerinnen muss diese Idee voll mittragen, „von ihr begeistert sein“, wie Stetter das nennt. Ein wenig stolz sei man darauf, dass die Kita Piepmatz bereits ein „kleines“ Zertifikat erhalten hat, weil alle Mitarbeiterinnen ein halbes Jahr einen Crashkurs absolviert haben. Dafür wurde auch Freizeit geopfert, ergänzt Yuvarlak. Dozent war Ulrich Steenberg, Fachschuldirektor a. D. und Vorstand der Montessori-Akademie. Er hat die Grundlagen vermittelt.

    Der Dozent bezeichnet die Vorbereitungen in Vöhringen als Pilotprojekt

    Dazu gehört zunächst einmal ein ansprechendes Äußeres, will heißen helle und Licht durchflutete Räume. Die Mitarbeiterinnen müssen lernen, die Kinder zu beobachten: Worauf richtet sich ihr Interesse, womit beschäftigen sie sich? Von Spielen wird nicht gern gesprochen. „Wir nennen das Arbeiten mit Material, was in offenen Regalen zugänglich ist“, erläutert Stetter. Man merke dann schon sehr bald: Arbeitet das Kind gerne mit Dingen aus Holz oder wird die Neugier durch Zahlen geweckt? Die Erzieherin hat da ein Paradebeispiel an der Hand. „Mich hat eines Tages eine Fünfjährige gefragt: Was ist Tausend?“ Die Fragestellung brachte die Erzieherin nicht aus der Fassung. Sie setzte sich mit der Fünfjährigen an einen Tisch, nahm ein Tablett, das mit zahlreichen Würfeln bestückt war. Die Würfel bestanden aus kleinen Kugeln, die auf winzigen Stäben aufgereiht waren. Sie löste eine kleine Kugel heraus und erklärte, das sei eine Kugel, die stehe für eine Eins. Tausend davon stehen für die Zahl 1000. Und dann begann das große Zählen. Noch heute spürt man die Begeisterung, wie einfach die Erklärung auf eine Frage war, die manchen anderen ins Grübeln gebracht hätte, nämlich die Zahl 1000 zu definieren.

    Wichtig ist die Ausrüstung eines Montessori-Kinderhauses mit dem richtigen Arbeitsmaterial. Dem Kind wird Gestaltungsfreiraum gegeben für den Umgang in Würde mit Gegenständen des Alltags, mit Menschen und schließlich mit sich selbst. Was in Vöhringen in den vergangenen Monaten gelaufen ist, wird von Dozent Steenberg als Pilotprojekt bezeichnet, weil sich ein Team zu einer Gemeinschaft zusammengeschlossen hat und somit gemeinsam das Ziel anstrebt, ein Montessori-Kinderhaus zu werden. Von Zeit zu Zeit werde die Einrichtung auch von Mitarbeitern der Montessori-Akademie besucht und nach der Reife für die Zertifizierung abgeklopft, sagt Steenberg. Auf den Tag wird in der Kita intensiv hingearbeitet.

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