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Krumbach: Ein besonderer Krumbacher Brückenschlag ins Sudetenland

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Ein besonderer Krumbacher Brückenschlag ins Sudetenland

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    Wird in Zukunft nicht nur als Kreis- und Ortsvorsitzender der Sudetendeutschen Landsmannschaft Krumbach in Erscheinung treten, sondern auch als Fahnenträger: Ewald Neutatz.
    Wird in Zukunft nicht nur als Kreis- und Ortsvorsitzender der Sudetendeutschen Landsmannschaft Krumbach in Erscheinung treten, sondern auch als Fahnenträger: Ewald Neutatz. Foto: Hans Bosch

    Er ist im Jahr 1970 geboren, 25 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Was bewegt Ewald Neutatz, sich an die Spitze der Sudetendeutschen Landsmannschaft zu lassen? In einem Interview mit unserer Redaktion gibt er bemerkenswerte Einblicke.

    Herr Neutatz, Sie sind einstimmig zum neuen Kreis- und Ortsvorsitzenden der Sudetendeutschen Landsmannschaft gewählt worden. Was hat Sie bewegt, die beiden Ämter anzunehmen?

    Neutatz: Die über Jahrhunderte gewachsene Kultur der Sudetendeutschen zu bewahren und in Zukunft weiterzuführen verstehe ich als zentrale Aufgabe im Verein. Aber auch die treuen Mitglieder nicht im Stich zu lassen, die mir sehr vertraut sind.

    Von Ihrem Vater, der ab 2000 bis zu seinem Tod Ende 2013 Ortsvorsitzender in Krumbach war, haben Sie sicher mitbekommen, welche Arbeit auf Sie zukommt. Wollen Sie in seinem Sinne weitermachen?

    Neutatz: Selbstverständlich. Mein Vater hat damals viel Zeit und Leidenschaft investiert, die Ortsgruppe Krumbach gemeinsam mit der Vorstandschaft zu führen. In der Zeit, als mein Vater Ortsobmann war, durfte ich oft beim Auf- und Abbau zu verschiedenen Veranstaltungen helfen. Auch seine handschriftlichen Berichte und zahlreichen Leserbriefe durfte ich im Computer abtippen. Von daher weiß ich sehr wohl, was mein Vater alles für seine Volksgruppe geleistet hat. Ich verstehe es als selbstverständliche Aufgabe, in seinem Sinne weiterzumachen.

    Bisher hatten Sie als „Nachgeborener“, der die Vertreibung in der Nachkriegszeit nicht miterlebt hat, keine Funktion bei der Sudetendeutschen Landsmannschaft. Was veranlasste Sie zur Übernahme dieser Ämter?

    Neutatz: Auch in einem geeinten Europa sollte niemand die Wurzeln seiner Herkunft vergessen. Nur wenn wir gemeinsam für Gerechtigkeit und die Ausräumung völkerrechtswidriger Doktrinen einstehen, werden wir alle in unserer Vielfalt, die einzigartig in der Welt ist, in einem Europa ohne Hass und Vorurteile bestehen können.

    Fakt ist, dass sich die Zahl der Mitglieder von gegenwärtig 70 im Kreisverband naturgemäß weiter verringern wird. Wo sehen Sie Ihre wichtigste Aufgabe?

    Neutatz: Natürlich in der Gewinnung neuer Mitglieder. Nachdem immer weniger Zusammenhalt in der Bevölkerung auszumachen ist, werden es gerade die Vereine sein, die den Menschen noch ein Zusammengehörigkeitsgefühl und Geborgenheit vermitteln.

    Sehen Sie eine Möglichkeit, um die Kinder und Enkel der Mitglieder für die Landsmannschaft zu interessieren?

    Neutatz: Die sehe ich durchaus. Die Thematik der Vertreibung unserer und anderer Volksgruppen sollte nicht nur in die Schulbücher übernommen, sondern von den Schulen auch aktiv, zum Beispiel mittels Workshops, behandelt werden. Durch die Sensibilisierung unserer nachfolgenden Generation können wir sicherlich einen positiven Beitrag leisten, dass sich die Geschichte nicht wiederholt. Und es wird sich sicher lohnen: Nie hatten wir so viele Kriege, Vertreibungen und Völkerwanderungen wie gegenwärtig. Viele Auseinandersetzungen in der Welt werden von den Medien nicht einmal aufgegriffen und sind daher den meisten gar nicht bekannt.

    Im Krumbacher Heimatmuseum gibt es eine Dauerausstellung über die Vertreibung mit vielen sehenswerten Exponaten aus dieser Zeit. Könnte sie nicht durch Veranstaltungen oder Aktionen in der Öffentlichkeit bekannter gemacht werden?

    Neutatz: Auch aus unserer Familie befinden sich einige Gegenstände in dieser Ausstellung. Mein Vater hat sich zu ihrer Einrichtung unermüdlich bemüht, im ganzen Landkreis Exponate aufzutreiben. Ich kann mir vorstellen, dass Schulen im Rahmen von Klassenfahrten das Museum besuchen könnten. So lange noch Zeitzeugen leben, kann man dort sicherlich auch spannende Erzähl- und Diskussionsrunden durchführen.

    Von wem erwarten Sie eine Hilfestellung bei Ihrer Arbeit?

    Neutatz: Die Sudetendeutsche Landsmannschaft existiert bereits seit über 70 Jahren in dieser Form. Die Vorstandschaft und zahlreiche Mitglieder trugen in all den Jahren stets zu gelungenen Feiern, gemeinsamen Fahrten in die alte Heimat und Besuchen anderer Veranstaltungen bei. Es wird sich daran in der Zukunft sicherlich nichts ändern.

    Wie stehen Sie zu dem Satzungsstreit zwischen dem SL-Bundesvorsitzenden Bernd Posselt und vieler schwäbischer und bayerischer Mitglieder, darunter auch dem Ziemetshauser Bezirks-Vorstandsmitglied Dieter Fiedler?

    Neutatz: Zur konstruktiven Beilegung eines Konfliktes gehört die Bereitschaft beider Parteien. Seit über 70 Jahren engagiert sich die Sudetendeutsche Landsmannschaft für die Aussöhnung Deutschlands, zuerst mit der Tschechoslowakei, und jetzt mit dem Nachfolgestaat Tschechien. Nun hat die SL-Spitze ohne einen Mitgliederentscheid den ersten Schritt zur Versöhnung getan. Von Bernd Posselt hören wir seit Jahren, dass sich das tschechische Volk „endlich von dieser schrecklichen Erblast“ der Bene-Dekrete trennen sollte. Die Bereitschaft von tschechischer Seite dazu lässt aber leider immer noch auf sich warten. Jeder Mensch mit Empathie und einem Gerechtigkeitsempfinden wird sich aufgerufen fühlen, weiter gegen dieses verbriefte Unrecht einzustehen.

    Gibt es weitere Pläne innerhalb der Sudetendeutschen Landsmannschaft, die Sie in Zukunft verfolgen werden?

    Neutatz: Ich bin dabei, mich im Rahmen eines Buches mit dem Thema „Flucht und Vertreibung“ auseinanderzusetzen. Darin wird auch Vergangenheit, Gegenwart und die Zukunft der Sudetendeutschen und deren Nachkommen thematisiert.

    Zum Schluss noch eine mehr humorvolle Frage: Wer wird neuer Fahnenträger und damit Repräsentant der SL in der Öffentlichkeit?

    Neutatz: Seit einigen Jahren hat man mir bereits die von Ehrenlandsmann Karl Kling gestiftete Fahne aus dem Jahre 1996 anvertraut. So wie es mir zeitlich möglich ist, vertrete ich in der Öffentlichkeit die Sudetendeutsche Landsmannschaft sehr gerne mit der Fahne in der Hand.

    Ewald Neutatz wurde 1970 in Krumbach geboren. Er ist verheiratet, Vater eines Sohnes, gelernter Buchhalter und Mitarbeiter einer Krumbacher Fachfirma für Überdachungen von Sportstätten. Vor zwei Wochen wurde er einstimmig zum Kreis- und Ortsvorsitzenden der Sudetendeutschen Landsmannschaft Krumbach gewählt.

    Interview: Hans Bosch

    Weitere detaillierte Infos zur Sudetendeutschen Landsmannschaft in der Region Mittelschwaben gibt es hier:

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