Dankbar und glücklich sind der Kreis- und Ortsverband der Sudetendeutschen Landsmannschaft (SL) über die Bereitschaft von Ewald Neutatz, für beide Verbände als Vorsitzender die Verantwortung zu übernehmen. Damit ist ihr Bestand für die nächste Zukunft gesichert. Zu schätzen wussten diese Einstellung alle rund 30 Mitglieder, die zur Generalversammlung in den Gasthof Munding gekommen waren, und so wurde der 48-jährige Buchhalter einstimmig in die Ämter gewählt, die er schon seit geraumer Zeit kommissarisch innehatte. Bisher leitete den Kreisverband Krumbach noch offiziell Franz Buchberger und die Ortsgruppe Dr. Günther Marzelli.
Bürgermeister mahnt zu friedlichem Europa
Neutatz, Marzelli und Schriftführer Friedrich Weiß blickten in die Geschichte zurück. Schwerpunkt war das Schicksal der Sudetendeutschen durch den Niedergang des österreichisch-ungarischen Kaiserreichs am Ende des Ersten Weltkriegs. Damals wurde die Tschechoslowakei als selbstständiges Land ausgerufen, ohne der deutschsprachigen Bevölkerung ein Mitspracherecht zu geben. Die Erinnerung galt besonders jenen 54 Toten, die bei einer friedlichen Demonstration von tschechischem Militär erschossen worden waren.
Bürgermeister Hubert Fischer, dessen Vater ebenfalls aus Böhmen vertrieben wurde, nutzte die Gelegenheit zu einem Appell für ein geeintes Europa. Für den Bürgermeister war der Blick in die Geschichte vor 100 Jahren und die damals gemachten politischen Fehler ein deutliches Zeichen, dass auch in der Gegenwart ähnliche Konflikte möglich seien. Das Verhalten beispielsweise der Regierenden in den USA, Ungarn und anderer EU-Länder sei doch gekennzeichnet von viel lautem Schreien, das nur den eigenen Interessen diene. Sein Fazit daraus: „Wir brauchen ein geeintes und friedliches Europa, wenngleich mit Toleranz auch gegenüber anderen Meinungen.“
Nach den Neuwahlen (siehe Infokasten) ging Dieter Fiedler (Ziemetshausen), der seit vielen Jahren Vorstandsmitglied im Bezirksverband ist, auf eigene Probleme innerhalb der SL ein. Noch immer nicht erledigt ist für ihn der Streit um eine Satzungsänderung, ausgelöst vom SL-Bundesvorsitzenden Bernd Posselt, der in der Neufassung dieses Grundlagenpapiers die Feststellung „Recht auf Heimat“ streichen will, was bei zahlreichen SL-Mitgliedern heftige Kritik ausgelöst hat. Inzwischen gebe es ein Gerichtsgutachten, das darin eine „Anpassung an den Zeitgeist, aber keine Änderung des Satzungsinhalts“ sieht. Dazu Fiedler: „Ich warte das ausstehende Urteil ab, aber wenn es so kommt, überlege ich mir den Austritt aus der SL“.
Friedlicher wurde anschließend die Ehrung verdienter Mitglieder. Zuerst erhielt Dr. Günther Marzelli eine Urkunde und das Große Ehrenzeichen der SL, die ihm Initiator und Ehrenlandsmann Karl Kling persönlich überreichte. Geehrt wurden außerdem für 70-jährige Mitgliedschaft Franz Buchberger, Berta Hanusch und Johann Rubenwolf (Letztere waren beide aus gesundheitlichen Gründen nicht anwesend), für 50 Jahre Dieter Fiedler und für 25 Jahre Willy Kielmann.