Die vier Kandidaten für die Bürgermeisterwahl in Krumbach stellten sich am Sonntag auf dem Podium den Fragen aus der Bürgerschaft. Von links: Florian Kaida, Claudia Lachenmayer, Maximilian Behrends und Achim Fißl.Foto: Ernst Mayer
Bei der Podiumsdiskussion mit allen vier Krumbacher Bürgermeisterkandidaten durften auch Bürgerinnen und Bürger Fragen stellen. Jeder Kandidat hatte eine Schachtel vor sich liegen, in die während einer Pause auf Zetteln geschriebene Fragen hineingeworfen werden konnten. Jeder Kandidat zog eine Frage per Zufallsprinzip heraus, der jeweilige Fragesteller durfte auf die Bühne kommen und sein gewähltes Thema mit dem Kandidaten diskutieren.
Der Artenschutz und das grüne Stadtbild Krumbachs interessieren
„Was tun Sie für den Artenschutz und das grüne Stadtbild?“, wollte Jonathan Launhardt von SPD-Kandidat Achim Fißl wissen. Ihn bewege es schon länger, dass Bäume weniger werden würden. „Wer unseren eigenen Vorgarten kennt, hat eine Idee, wohin die Reise geht“, meinte der 61-Jährige. Ein englischer Rasen sei aus der Zeit gefallen. Er möchte mehr Blumen und Kräuterwiesen anlegen und Krumbachs Hänge bepflanzen. Man fange einfach an einer Stelle an und setze das dann fort, das könne der Bürgermeister allein ohne Stadtratsbeschluss entscheiden, führte er aus. Man gehe zum Bauhof und bitte um „hier einmal austauschen“.
Tobias Müller wollte von Grünen-Kandidatin Claudia Lachenmayer wissen, was ihr Plan sei für neue Industrieflächen, damit neue Investoren nach Krumbach kämen und bestehende Betriebe nicht abwanderten. Gebe es also Pläne, nicht nur Bürogebäude hinzustellen, sondern auch Produktionshallen? Sie wolle auf keinen Fall viel Fläche für ein neues Industriegebiet versiegeln, antwortete die 41-Jährige. Man müsse immer auch Kosten und Nutzen abwägen. Wenn irgendwo neu versiegelt werde, dann müsse an anderer Stelle entsiegelt werden oder wenigstens die alte Produktionsstätte weiterverwendet oder genutzt werden. Als Kommune könne man das produzierende Gewerbe beim Energiebedarf, und wie man diesen kostengünstiger decken könne, beraten. Zufrieden zeigte sich Müller mit der Antwort nicht.
Menschen aus dem Publikum durften den Bürgermeisterkandidaten in Krumbach eine Frage stellen (hier Tobias Müller, der das Wort an Claudia Lachenmayer richtet).Foto: Ernst Mayer
Franziska Scheule-Walter wollte von CSU-Kandidat Florian Kaida beantwortet haben, wie Gebäudesanierungen unterstützt werden könnten, um weitere Versiegelungen zu vermeiden. „Wir werden nicht umhinkommen, Flächen zu versiegeln“, erwiderte der 26-Jährige. Man könne sich bemühen, in der Stadt nachzuverdichten, es gebe viele Gebäudeprojekte in Krumbach. Natürlich müsse man sich fragen, ob etwa der Wasserschlossplatz so sehr zugepflastert sein müsse. Klar könne man schauen, in Gebäuden gebundenes CO₂ weiterzuverwenden, doch gebe es Gebäudeinfrastruktur, bei der es sich einfach nicht lohne, sie zu erhalten. Es müsse wirtschaftlich bleiben und Krumbach müsse aufs Geld schauen. Es gelte, ganz konkret die einzelnen Projekte zu betrachten und stetig in Gebäudeinfrastruktur zu investieren.
Volle Aula, gespannte Gesichter und vier Kandidaten: Die Krumbacher Podiumsdiskussion in Bildern
Über 350 Menschen, vier Bewerber und ein Nachmittag voller Spannung, Argumente und Erwartungen. Unsere Bildergalerie zeigt Eindrücke vom Bürgermeister-Slam in Krumbach.
Rupert Scheule fragte JW/OL-Kandidat Maximilian Behrends zur Wohnungslosenunterkunft in Edenhausen. Diese sei ohne Heizung, sehr weit weg von allen Versorgungsmöglichkeiten. Was wolle Behrends tun für „die Schwächsten der Schwachen“? Es gebe ja die Möglichkeit das ISEK, das Städtebauliche Entwicklungskonzept, auf die Ortsteile auszuweiten, erklärte Behrends. Man habe da Handlungsbedarf bei der Alten Schule in Edenhausen, die als Notunterkunft vorgesehen sei, so der 40-Jährige. Zudem seien Wohnsitzlose oftmals mobil, was es sehr schwierig mache. Er bekomme in seiner täglichen Arbeit an der Mittelschule mit, was Schulsozialarbeiter leisteten.Er wolle auch Kinder und Jugendliche in der Schulsozialarbeit unterstützen, bevor man hohe soziale Folgekosten habe. Einen großen Punkt sehe er hier in der Schaffung von sozialem Wohnraum.
Wie soll der Wirtschaftsstandort Krumbach in zehn Jahren aussehen?
Nach dieser Fragerunde stellte MN-Redaktionsleiterin Rebekka Jakob noch zwei Fragen von unseren Leserinnen und Lesern, auf die dann jeweils alle Kandidaten antworteten. Wie der Wirtschaftsstandort Krumbach in zehn Jahren geprägt sein solle, in welche Branchen investiert werden solle, war die erste.
Aus Schachteln konnten die Bürgermeisterkandidaten bei der Podiumsdiskussion in Krumbach Fragen ziehen, die Menschen aus dem Publikum auf kleine Zettel geschrieben und zielgerichtet für spezielle Kandidaten eingeworfen hatten.Foto: Ernst Mayer
Achim Fißl sagte, man werde nicht um ein neues Industriegebiet herumkommen. Branchen anzulocken, die Waren produzierten, die man immer oder in der Zukunft brauche, sei schwierig. Es stünden ja nicht zehn bis 20 Investoren vor der Tür und die Stadt hätte die große Auswahl. Claudia Lachenmayer erinnerte an Krumbachs Lage ohne Autobahnanschluss und ohne großen Bahnhof, was es schwierig mache, Industrie anzuziehen. Es gelte, das Glasfasernetz auszubauen, und auch das Krankenhaus könne Krumbach besonders machen als wichtigen Standort, besonders in der Medizin für Menschen mit Behinderung. Letzterem pflichtete Florian Kaida bei. Die Stärkung der Kliniksparte für Menschen mit Behinderung werde ein Leuchtturmprojekt im süddeutschen Raum. Zudem sollten Firmen im Dialog mit der Kommune sein, damit diese wisse, wohin sie sich entwickeln wollten und gegebenenfalls unterstützen könne. Um Betriebe heranzuholen, dafür brauche es auch den Blick nach draußen und Kontakte, so Kaida. Maximilian Behrends meinte, es gebe ausgewiesene Gewerbeflächen am Bleicher Berg. Es gelte, den über 20 Jahre alten Flächennutzungsplan zu erneuern. Mit der engen Tallage, sehe er Chancen für Krumbach im Tourismus. Den Gesundheitssektor müsse man zudem halten.
Warum sie überhaupt Bürgermeister oder Bürgermeisterin werden und ihren Beruf dafür aufgeben wollten, war die letzte Frage an alle vier auf dem Podium. Der originale Wortlaut der Frage: „Was ist für Sie am Bürgermeisteramt derart sexy, um dafür im bisherigen beruflichen Alltag mit gutem Gewissen eine Lücke entstehen zu lassen oder im Einzelfall eine selbständige Tätigkeit aufgeben zu müssen?“
„Ich liebe unsere Stadt und ich liebe Verantwortung“, so Behrends. Bürgermeister zu werden, sei für ihn der nächste logische Schritt nach zwölf Jahren im Stadtrat. Er freue sich darauf, diese Stadt voranzubringen und dafür gebe er sein Herzblut. Florian Kaida sagt: „Ich möchte meine Heimatstadt gestalten.“ Wichtig sei, dass man Erfahrung mitbringe. Er habe es studiert, was noch nicht heiße, dass er es könne. Jedoch würden Kontakte ins Ministerium manche Türen einfach leichter öffnen. Diese Brücken zu bauen, das habe er gelernt. Claudia Lachenmayer erklärte, dass sie auch ihren Beruf als Lehrerin sehr liebe. Als Bürgermeisterin stelle sie sich vor, genauso wie dort viel zu diskutieren und zu moderieren, damit man am Schluss zu einer Lösung komme. „Ich liebe Herausforderungen und bin ein Arbeitstier“, fügte sie an. Achim Fißl erklärte, Politik, Bürgermeisteramt und „sexy“ gingen bei ihm jetzt nicht so zusammen. Er habe als Projektleiter Erfahrung im Umgang mit Menschen. Es gebe welche, die einem ungefragt die Welt erklärten, „das werden Sie von mir nicht erleben“, betonte er. Man brauche in Krumbach jemanden, der „durchziehe“ an vielen Stellen. Er wolle dafür sorgen, dass die Leute gerne im Rathaus arbeiteten, dort solle es keine Lagerkonflikte geben, die Projekte ins Unendliche verzögerten.
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