Thomas Stachura in seinem Revier, auf dem Bild mit einer Fläche mit alten Weißtannen und auch Laubbäumen und Naturverjüngung. Ein Wald, wie man ihn sich wünscht.Foto: Ulla Gutmann
Er hat keine Karten aus Papier dabei, denn alle Waldgebiete in Bayern sind inzwischen digital erfasst. Wenn er im Wald ist, kann er durch Koppelung seines Handys mit einem GPS-Gerät die genauen Standortdaten abrufen und alle dazu hinterlegten Informationen: Bodenbeschaffenheit, ob der Bereich Naturschutzgebiet ist, wem das Waldstück gehört, die Feuchtigkeit und mehr.
Stachura arbeitete zuvor in München am Bayerischen Landwirtschaftsministerium
Stachura kennt sich bestens damit aus, denn bevor er nach Krumbach kam, arbeitete er in München am Bayerischen Landwirtschaftsministerium und war dort für das Vertragsnaturschutzprogramm Wald (VNPWald) zuständig. Hier hatte er bereits mit entsprechender Software zu tun. „Das waren sieben Jahre meist Büroarbeit, bei der ich sehr viel lernte“, erzählt er. Und dass er sich jetzt umso mehr freut, beruflich wieder raus in die Natur, in den Wald, zu kommen. Das freut sicher auch seine beiden Wachtelhunde Luchs und Aura, die dabei auch ohne Leine brav mitlaufen.
Ein Stück Rinde einer Fichte mit den Larven des Borkenkäfers. Wenn es warm wird, wachsen diese schnell und der Käfer breitet weiter aus.Foto: Ulla Gutmann
Stachura ist verheiratet und hat eine vierjährige Tochter. Auf die Frage, warum er Förster geworden ist, meinte er, dass dieser Beruf wohl tradiert sei, denn sein Vater war auch Förster. „Als kleiner Junge habe ich viel Zeit mit meinem Vater im Wald verbracht. Mein Vater, selbst Förster, war häufig unterwegs – unter anderem in Alaska, Kanada und Schweden – seine Erzählungen haben mich früh geprägt.“ In Starnberg geboren, zog er dann in den Raum Aichach/Friedberg und machte zunächst eine Lehre in einem Sägewerk. Doch dann entschied er sich doch Förster zu werden und studierte in Weihenstephan bei Freising.
Wichtig sei ihm, den Wald verantwortungsvoll zu einem klimaresilienten, stabilen und vielfältigen Zukunftswald zu gestalten – damit auch die nächste Generation einen Wald vorfindet, der seinen Funktionen gerecht wird: Lieferant des nachhaltigen Rohstoffes Holz, Reinigung von Luft und Wasser, Speichern von CO2, verhindern von Bodenerosion, Lebensraum für unzählige Arten und Erholungsraum für den Menschen.
Krumbachs Wald soll klimaresilient, stabil und vielfältig werden
Bei einer Fahrt durch sein Revier zeigt er einen Waldbereich mit alten Weißtannen, dazu Laubbaumarten und kleine, natürlich nachwachsende, junge Bäumchen – ein Wald, wie man ihn sich wünscht. Doch auch Parzellen mit Fichten, die vom Borkenkäfer befallen sind und vollständig abgeholzt werden müssen, befinden sich in seinem Zuständigkeitsbereich. „Aus Kahlflächen entsteht der Mischwald von morgen“, meint der Förster optimistisch. Er zeigt, wie er auf dem Handy eine solche Kahlfläche abmisst, sich dann Vorschläge für Baumarten machen lässt, die genau auf dieser Fläche gut gedeihen können.
Thomas Stachura mit einem leistungsfähigen GPS-Gerät. Er ermittelt den genauen Standort der alten Eiche, deren Stamm zu sehen ist. Sie kommt vielleicht in ein Naturschutzprogramm und wird gefördert.Foto: Ulla Gutmann
Das würde er auch dem Waldbesitzer so demonstrieren. Der kann sich Haupt- und Nebenbaumarten aussuchen. Und dann rechnet Stachura ihm genau aus, wie viele Bäumchen von welcher Sorte er bestellen muss und in welchem Abstand gepflanzt werden sollte. Auf einer weiteren Waldparzelle mussten vom Borkenkäfer befallene Fichten gefällt werden, doch der Waldbesitzer ließ in diesem Bereich freiwillig drei alte Eichen stehen. Stachura setzt sich deswegen mit der Unteren Naturschutzbehörde in Günzburg in Verbindung. „Alte Eichen bieten Lebensraum für Vögel, Insekten und kleine Säugetiere. Als wichtiger ökologischer Baustein im Wald können sie unter Umständen geschützt und dann auch gefördert werden“, erklärt der Förster.
In Bayern stehen den Waldbesitzern verschiedene forstliche Förderprogramme zur Verfügung – etwa das Vertragsnaturschutzprogramm Wald (VNPWald), mit dem zum Beispiel alte Biotopbäume geschützt werden können, oder das forstliche Förderprogramm (WALDFÖPR2025), das den freiwilligen Waldumbau hin zu klimaresilienten Mischwäldern unterstützt.
Die beiden Wachtelhunde von Stachura, Luchs und Aura, erkunden einen Bereich mit alten Hügelgräbern im Wald.Foto: Ulla Gutmann
Unterwegs sammelt er verschiedene kleine Nadelbaumzweige und erklärt: „Bei der Tanne haben die Nadeln am Ansatz eine Art Saugnapf, Fichtennadeln rote Höckerchen am Ansatz und die Douglasie riecht herrlich nach Zitrone, wenn man die Nadeln kräftig zwischen den Fingern reibt.“ Das und noch viel mehr lernt auch seine kleine Tochter von ihm. Und wer weiß, vielleicht ergreift auch sie einmal den „tradierten“ Beruf Försterin.
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