Als Ben Kugler im Alter von 17 Jahren mit dem Motorsport begann, hatte er noch keine besonderen Ambitionen, Profisportler zu werden. Doch mit seinen ersten Erfolgen ändert sich das. Aktuell bestreitet der Kemnater seine dritte Saison als Profi – und geht in diesem Jahr sogar erstmals mit seinem eigenen Rennstall an den Start.
Dabei verlief sein Debüt im Profilager alles andere als optimal: Kugler trat 2024 im Yamaha R7 Cup im Rahmen der internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft, kurz IDM, an. Dabei handelt es sich um die höchste Rennserie im deutschen Motorradstraßenrennsport. Beim ersten Rennen der Serie in Oschersleben erfuhr sich Kugler nach einem starken Qualifying direkt den zweiten Startplatz.
Stehende Starts kosten den Jungprofi Kugler wertvolle Chancen
Allerdings gab es für den Motorsportler ein Problem: Während im Hobbybereich fliegende Starts ausgeführt werden, bei denen die Motorräder auf die Startlinie zurollen und der Rennstart aus der Bewegung heraus erfolgt, gibt es im Profibereich die stehenden Starts. Die Fahrer stehen, nach den Ergebnissen des Qualifyings geordnet, in ihrer Startformation und müssen beim einsetzenden Lichtsignal aus dem Stand heraus anfahren. „Die stehenden Starts sind mir am Anfang sehr schwergefallen. Das hat mich oft die Chancen auf bessere Ergebnisse gekostet“, berichtet Kugler. In Oschersleben fiel er etwa vom zweiten auf den letzten Platz zurück.
Trotzdem kämpfte sich der Sportler bis zum Saisonende auf den vierten Platz der Gesamtwertung und qualifizierte sich für das Europafinale mit den besten 30 Fahrern aus ganz Europa. Dort folgte allerdings der nächste Rückschlag. Nach einem guten Start fuhr Kugler im ersten Rennen der Finalserie in der Spitzengruppe, als er durch einen Mitfahrer unverschuldet zu Sturz gebracht wurde. „Das war arg schade“, blickt er zurück. Im zweiten und letzten Rennen des Finals erfuhr er sich zumindest noch den elften Rang in der Gesamtwertung.
Starker Start in ein „schwieriges Jahr 2025“
In der Saison 2025 startete Kugler in der IDM Sportbike-Klasse. Der Start dort verlief stark – vielleicht sogar etwas zu stark. „Meiner Meinung nach sind wir am Anfang zu gut gestartet für das, was ich im Winter auf der neuen Maschine trainiert habe“, blickt der Motorradfahrer zurück. Regelmäßig landete er zunächst unter den ersten fünf und beim Rennen am Schleizer Dreieck sogar erstmals auf dem Podium.
Zum Ende der Saison folgte dann allerdings der Bruch, unter anderem durch einen Sturz, den Kugler bei einer Geschwindigkeit von 170 Kilometern pro Stunde beim Rennen in Assen in den Niederlanden erlitt. Infolgedessen musste er zwei Rennen aussetzen und rutschte in der Gesamtwertung auf den elften Platz ab. „Das Jahr 2025 war allgemein schwierig“, bilanziert Kugler. Doch auch davon ließ sich der ambitionierte Sportler nicht unterkriegen. Für die Saison 2026 setzte er hingegen alles auf eine Karte und gründete sein eigenes Team unter dem Namen „Kugler Motorsport Racing Team“. Damit geht er im Kawasaki ZX-6R Cup der IDM an den Start.
„Es ist auch eine Geldfrage“, sagt Kugler zu seiner Teamgründung. Unter anderem musste er Dinge wie Reifenwärmer oder Werkzeuge, um die er sich als Fahrer zuvor keine Gedanken machen musste, selbst anschaffen. Zudem kümmert er sich nun selbst um sein Team und die gesamte Organisation. „Aber nach dem ersten Rennwochenende bin ich sehr froh darüber, dass ich das jetzt gemacht habe“, so Kugler. Für ihn persönlich sei dieser Weg entspannter.
Für Kugler geht es bergauf: „Wichtig, dass der Spaß jetzt wieder da ist“
Das liegt auch daran, dass er auf ein familiäres Team setzt. Am Rennwochenende kümmert sich sein Vater beispielsweise um das Essen, während sein Cousin organisatorische Aufgaben übernimmt. So könne sich Kugler voll und ganz auf das Rennen fokussieren. Das klappte beim Debütwettkampf mit dem eigenen Team am Sachsenring direkt hervorragend: Im ersten Rennen des Wochenendes kämpfte er sich, nach Rang sechs im Qualifying, auf den vierten Platz vor. Im zweiten Rennen übertraf Kugler dieses Ergebnis sogar noch einmal und durfte den ersten Podiumsplatz der Saison feiern. Mit einem Rückstand von lediglich 1,2 Sekunden auf den Rennsieger landete der Kemnater auf Rang drei.
„Besonders nach dem letzten Jahr ist es wichtig, dass der Spaß jetzt wieder da ist“, freute sich Kugler über sein Rennen. Und das, obwohl er die Strecke in Oberlungwitz nicht kannte und im Vorfeld wegen Regens kaum dort trainieren konnte. „Der Sachsenring war ein Schuss in das Nichts. Ich war sehr zufrieden damit“, erklärt er. Für die weiteren Rennen der Saison hat er nun klare Ziele: „Bei einem Platz auf dem Podium ist man natürlich auch glücklich. Aber ich fahre Rennen, um zu gewinnen.“
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