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Concrete Cowboy

02.04.2021

Kritik zu Concrete Cowboy auf Netflix: Lohnt sich der urbane Western?

Szene aus dem neuen Netflix-Film "Concrete Cowboy".
Foto: Netflix

Netflix zeigt mit "Concrete Cowboy" einen Film, der den Mythos Western auf neue Weise beleuchtet: Schwarze Cowboys stehen im Zentrum.

Die Mutter hat seine Sachen in zwei Müllbeutel gesteckt, den Sohn ins Auto verfrachtet und ist mit ihm von Detroit nach Philadelphia gefahren. Mitten in der Nacht steht Cole (Caleb McLaughlin) im Haus des Vaters, den er schon über zehn Jahre nicht mehr gesehen hat. Von draußen funzelt die Straßenlaterne herein. Das Sofa, auf dem er schlafen soll, ist verdreckt. Hinten in der Küche stapelt sich nicht abgewaschenes Geschirr. Und aus der Ecke im Wohnzimmer wiehert plötzlich ein ausgewachsenes Pferd. Vater Harp (Idris Elba) hält sich nicht mit Erklärungen auf. Für ihn und viele seiner Nachbarn gehören Pferde zum urbanen Alltag im Norden Philadelphias. Die afroamerikanische Reiter-Community, die in der Fletcher Street einen der letzten innerstädtischen Pferdeställe betreibt, sieht sich in der Tradition schwarzer Cowboys. Rund ein Viertel der berittenen Viehtreiber zwischen

1860 und 1880 waren nämlich afrikanischer Herkunft. Im Western und in den weißgewaschenen Geschichtsbüchern tauchen sie allerdings nicht auf. Viele der schwarzen Cowboys ließen sich später als Zureiter und Pferdehändler am Rande der Städte nieder, bis Automobile die Vierbeiner als Transportmittel ersetzten.

"Concrete Cowboy" erzählt von der Arbeit mit Tieren

In der Fletcher Street stehen heute noch parkende Kleinwagen und angebunden Pferde direkt nebeneinander. Abends sitzen Harp und seine Freunde am Lagerfeuer. Hinter ihnen eine Betonwand mit Graffitis. Sie trinken, rauchen und erzählen sich Reitergeschichten, die viele Generationen zurück reichen. Die Arbeit mit den Tieren hat viele vor dem Abstieg in die Kriminalität bewahrt. „Hier werden nicht nur Pferde zugeritten“ sagt Nessie (Lorraine Toussaint) – die Matriarchin der Ställe, die schon bald der herannahenden Gentrifizierung weichen sollen.

Cole weiß, dass sie von ihm spricht. Schon mehrfach war der 15-jährige Junge in Schlägereien verwickelt und ist gerade wieder einmal von der Schule geflogen. Aber auch das Leben in der Fletcher Street ist kein Ponyhof. Sein Freund Smush (Jharrel Jerome) zieht ihn in Drogengeschäfte hinein und träumt davon mit dem erwirtschafteten Geld eine Farm zu kaufen. Hier das schnelle Geld. Dort Stall ausmisten. Cole muss sich entscheiden, welchen Weg er gehen und ob er sich mit seinem wortkargen Vater versöhnen will.

Kritik zu "Concrete Cowboy": Netflix präsentiert einen urbanen Western

Die Antwort fällt in Ricky Staubs Regiedebüt „Concrete Cowboy“ sicherlich nicht überraschend aus. Der Verlauf der Annäherung zwischen Vater und Sohn ist nicht das eigentliche Spannungsmoment dieses urbanen Netflix-Westerns, sondern das Eintauchen in eine Subkultur, deren Existenz einen stets in neues Staunen versetzt. Wenn die Beton-Cowboys durch die urbanen Ghetto-Landschaften reiten oder sich neben der Straße ein Wettrennen mit dem Schulbus liefern – das sind Bilder von lyrischer Schönheit, die sich ins filmische Gedächtnis einbrennen.

Der amerikanische Freiheitsmythos hatte schon immer seine symbolische Heimat auf dem Rücken eines Pferdes und in „Concrete Cowboy“ beanspruchen die afroamerikanischen Reiter diese Freiheit für sich. Und „Luther”-Star Idris Elba, der den Film auch mit produziert hat, sieht im Sattel verdammt cool aus und würde John Wayne locker in die Tasche stecken. Am Ende des Films kommen die echten Cowboys aus der Fletcher Street ins Bild, von denen einige auch an der Produktion mitgewirkt haben – strahlende, charismatische Gesichter, in die sich die Härten des Lebens und das Glücksgefühl des Reitens gleichermaßen eingeschrieben haben.

Concrete Cowboy startet am 2. April auf Netflix, von Ricky Staub, mit Idris Elba, Caleb McLaughlin, Lorraine Toussaint, 111 Minuten

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