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Gesellschaft

16.02.2021

Paris Hilton, Beyoncé und Britney Spears werden 40 - ein Dreiecksdrama

Paris Hilton, wie sie 2005 in Paris ihr neues Parfüm vorstellt - umringt von Kameras.
Bild: Pierre Villard, Sipa/dpa

Paris Hilton wird 40. Bald folgen Beyoncé und Britney Spears. Ihr Leben, ihre Krisen: Ein Lehrstück über junge Frauen als Objekte des multimedialen Starrummels.

Depression, Entmündigung, Missbrauch – was ist passiert, dass dunkle Worte wie diese in die Welt jener strahlenden Prinzessinnen Einzug gehalten haben? Denn das waren sie doch damals: Paris Hilton, Britney Spears, Beyoncé Knowles. Passiert sind: Männer und Medien. In ihrer verheerenden Wirkung. Nur noch beschleunigt im Internetzeitalter.

Als Teenager schon waren die drei Superstars einer neuen Generation, der Millennials. Und bei denen, von Kindheit an vernetzt, sollte es doch endlich mal vorbei sein mit der Ausbeutung der Frauen, mit ihrer Zurschaustellung. Zeit für Anerkennung. Aber jetzt, da die Erste der drei, Paris, an diesem Mittwoch 40 wird und bald die anderen beiden folgen, erzählen ihre Leben längst eine andere Geschichte: von den Dramen und Kämpfen darum, vom Objekt der Medien und Männer zur Selbstbestimmung zu finden, endlich Subjekt zu werden.

Paris Hilton - It-Girl, Fotomodell, Sängerin

Paris Hilton, die Hotelerbin, das partyfreudige It-Girl, das Fotomodell, die Sängerin… Sie hat kürzlich erst offenbart, dass sie als Mädchen schon auf einem privaten Internat psychische und körperliche Gewalt erfahren habe: „Ich bin der Beweis, dass Geld nicht gegen Missbrauch schützt“, sagte sie und bezeichnete die Folgen als „traumatisierend“.

Später stand sie bei ihren Auftritten immer im Blitzlichtgewitter, Reporter folgten ihr auf Schritt und Tritt, denn die Aufmerksamkeit, die das generierte, war riesig – wenn auch in großen Teilen auf Hiltons Kosten. Die Kehrseite von Geilheit sind Häme und Hass. Eskalationspunkt: Ihr ehemaliger Freund stellte ein offenbar heimlich mitgedrehtes Sexvideo online. Ein Mann nutzt seine neue Macht im Internetzeitalter. Die Frau zog sich darauf zuerst mal zurück …

Bild: Pepsi, dpa

Und muss man noch über Britney Spears sprechen, die derzeit kämpft, nicht mehr entmündigt zu sein und vor allem nicht mehr unter der Vormundschaft ihres Vaters zu stehen? Sie war noch ein Mädchen, als sie für Disney vor der Kamera stand und von älteren Männern gefragt wurde, ob sie schon verliebt sei. Denen andere Männer folgten, die sie öffentlich immer wieder nach ihrer Jungfräulichkeit fragten, weil sie doch sehr christlich gläubig sei.

Der all die Männer folgten, die sie gerne sehr entblößt in Szene setzten und in kalkulierter Doppeldeutigkeit „Hit Me Baby One More Time“ singen ließen. Es folgten öffentlich ausgetragene Beziehungsdramen – und es blieb ein immer bestimmender Mann an ihrer Seite: der als Manager kräftig mitverdienende Vater Jamie Spears …

Beyoncé erzählt von Depressionen

Aber Beyoncé? Die ist doch die strahlende Heldin, die heute sogar mit einigem Recht die Königin des Pop genannt werden kann! Auch sie wurde von Kindheit an von einem ehrgeizigen Vater vorangetrieben, Mathew Knowles, der mit seinem Label auch Mitglieder aus der Girlgroup Destiny’s Child vertrieb, von dem sich Beyoncé erst vor zehn Jahren zu lösen schaffte. Sie erzählte von Depressionen, in die sie schon früh, trotz aller Weltberühmtheit, stürzte.

Hinzu kamen rassistische Anfeindungen, das Gefühl, als Person noch weniger zu gelten, es noch schwerer zu haben. Aber immerhin schwärmten alle von ihrer Schönheit und so. Ihr Spitzname in der US-Boulevardpresse: „Bootylicious“, köstlicher Po. Das Alter Ego, das sie sich selbst zulegte: Sasha Fierce, die Krasse, Starke, Heftige. Zu der hat sie sich auch an der Seite ihres inzwischen überflügelten Star-Gatten Jay-Z tatsächlich gemacht. Ist zum Subjekt ihres Lebens geworden, das auch sich als werdende Mutter ikonisch inszenierte, für feministische und antirassistische Bewegungen auftritt – hart und klug geworden aus einer Negativerfahrung …

Bild: picture-alliance / dpa

Beyoncé ist durch alles hindurchgegangen. Britney steckt samt ihrer beiden Kinder, für die sie nur zu 30 Prozent das Sorgerecht hat, noch mittendrin. Nicht von ungefähr gehört zu ihren Unterstützern in der Bewegung #FreeBritney die 28-jährige Miley Cyrus, die einen Spagat zwischen ihrem und Beyoncés Weg wagt: Ebenso streng katholisch erzogen und früh bei Disney gestartet, macht sie sich selbst zur sexpositiven, genderengagierten Botschafterin – kämpft öffentlich um sich.

Geburtstagskind Paris Hilton hat sich dagegen – mit dem Luxus, kein Geld verdienen zu müssen und nicht im Unterhaltungsbusiness tätig zu sein – für die totale Kontrolle entschieden. Sie bestimmt über ihr öffentliches Auftreten, und zwar als Influencerin und bald wohl mit dem Podcast „This is Paris“. Aber allein bei der Ankündigung hat sie schon wieder sehr viel von sich preisgegeben: dass die Hochzeit mit dem Geschäftsmann Carter Reum geplant sei, dass sie durch künstliche Befruchtung darauf hinarbeiten, Zwillinge zu bekommen … Ob sich die Kontrolle als Illusion herausstellen wird? Man kann, auch zum Geburtstag, nur alles Gute wünschen.

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