Startseite
Icon Pfeil nach unten
Kultur
Icon Pfeil nach unten

Theater Augsburg: Ein Stück namens Baustelle

Theater Augsburg

Ein Stück namens Baustelle

  • |
  • |
  • |
    An der Fassade des Augsburger Theaters wird schon seit längerem gebastelt, aber das reicht bei weitem nicht aus.
    An der Fassade des Augsburger Theaters wird schon seit längerem gebastelt, aber das reicht bei weitem nicht aus. Foto: Ulrich Wagner

    Auf der Bühne hui, hinter den Kulissen pfui. Während das Theater Augsburg mit seinen Inszenierungen unter Intendantin Juliane Votteler häufig glänzt, verfällt der Bau. Die Spielstätten sind in die Jahre gekommen. Dächer sind undicht, der Schimmel wächst in Büros und Werkstätten, die Raumzuschnitte entsprechen nicht mehr den Anforderungen an ein modernes Theater.

    Das Große Haus ist fast 130 Jahre alt, wurde im Krieg zerstört und in den 1950er Jahren nach alten Plänen mit dem schlechten Nachkriegsmaterial wiederaufgebaut. Ein Gutachten, das nun im Auftrag der Stadt erstellt wurde, bringt es auf den Punkt: "Die gesamte Bausubstanz mit allen Spielstätten ist in einem desolaten Zustand." In der Schule hieße das: Note 6.

    Als Kulturstadt ist Augsburg stolz darauf, sich mit dem Drei-Sparten-Haus (Schauspiel, Oper, Ballett) das größte kommunale Theater Bayerns zu leisten. Das Große Haus fasst 950 Zuschauer. Die Komödie mit ihren 250 Sitzplätzen belebt die Altstadt. Und wenn die jährliche Sommer-Produktion auf der Freilichtbühne Premiere feiert, finden dort über 2000 Zuschauer Platz.

    Alles könnte so schön sein, wenn nicht seit Jahren, Jahrzehnten ein großer Bogen um anfallende Sanierungsmaßnahmen gemacht worden wäre. So häuften sich diesen Sommer die Hiobsbotschaften. Die Freiluftsaison stand vor dem Aus, weil der Bühnenboden marode war. Nur eine Ad-hoc-Sanierung rettete den Sommerbetrieb. Wirklich in Schuss ist die Spielstätte damit noch nicht.

    Die Stadt kündigte auch an, den Mietvertrag für die marode Komödie nicht mehr zu verlängern, ohne zu wissen, wo das Theater dann in der Spielzeit 2010/11 anstelle dessen auftreten kann. Erst in allerletzter Minute entschied sich der Stadtrat für einen Behelfsbau neben dem Großen Haus, der fünf bis acht Jahre als Ausweichspielstätte dienen soll.

    Damit endet fürs Erste der jahrelange Streit um die zweite Spielstätte in der Altstadt. Sie ist bei den Zuschauern beliebt, bei den Theatermachern aber wegen der Baumängel gefürchtet. Schon vor zehn Jahren war ein Neubau im Gespräch. Die Stadt verwarf die Pläne, ohne sich danach für eine Sanierung der Komödie zu entscheiden.

    Der Behelfsbau verschafft jetzt Zeit, in der nach einer endgültigen Lösung gesucht werden kann. Ein konkreter, aber kostspieliger Vorschlag liegt vor - präsentiert im Gutachten des Hamburger Architektenbüros PFP. Es schlägt vor, ein neues Verwaltungsgebäude, neue Werkstätten und ein neues Haus vor allem für das Schauspiel zu bauen. Im Anschluss kann dann das Große Haus saniert werden. Die Kosten dafür belaufen sich allerdings auf 100 Millionen Euro. Wie viel davon der Freistaat übernehmen würde, steht zumal in diesen Zeiten in den Sternen.

    Die politische Diskussion darüber kommt gerade erst in Gang. Augsburgs Kulturreferent Peter Grab machte gleich bei der Gutachten-Präsentation deutlich, dass vor 2013 damit nicht begonnen werden könne. Mag sein, dass dann auf dem Spielplan mit Riesenlettern ein Stück namens Großbaustelle steht.

    Bis dahin bleibt das vernichtende Urteil des Obersten Bayerischen Rechnungshofs in bestem Behördendeutsch gültig: "Nach den Prüfungserfahrungen des ORH verfügt das Theater als größtes bayerisches kommunales Theater über die problematischsten Produktionsbedingungen aller größeren Bühnen in Bayern."

    Nicht auf, sondern hinter der Bühne muss vor allem improvisiert werden, weil die Werkstätten und Produktionsräume ausgelegt sind auf Anforderungen aus dem 19. Jahrhundert. Die Gutachter machten bei der Präsentation ihrer Pläne unmissverständlich deutlich, dass aus arbeitsrechtlichen Gründen "im Prinzip hier nicht mehr gespielt werden dürfte." Richard Mayr

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein
    Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden