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Autor von „Wo ist mein Hut“: Der Kanadier Jon Klassen erhält den Astrid-Lindgren-Gedächtnispreis

Literatur

Immer für eine Überraschung gut: Illustrator Jon Klassen erhält den "Nobelpreis der Kinderliteratur"

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    Der kanadische Kinderbuchautor und Illustrator Jon Klassen hat den hochdotierten Astrid-Lindgren-Gedächtnispreis 2026 bekommen.
    Der kanadische Kinderbuchautor und Illustrator Jon Klassen hat den hochdotierten Astrid-Lindgren-Gedächtnispreis 2026 bekommen. Foto: Carson Ellis/dpa

    Der Bär hat seinen Hut verloren und fragt nun jedes Tier, das ihm über den Weg läuft: „Hast Du meinen Hut gesehen?“ Eine zufriedenstellende Antwort bekommt der Bär aber nicht, weder vom Kaninchen noch dem Frosch oder dem Fuchs. Erst als der Hirsch die Frage stellt, wie der Hut denn aussieht, geht dem Bären - und mit ihm den Betrachtern des Bilderbuchs „Wo ist mein Hut“ – ein Licht auf, nämlich, dass ein paar Seiten zuvor auf dem Kopf des Kaninchens, das mit diesen Fragen so gar nicht belästigt werden wollte, ein knallrotes Dreieck prangte. Es folgt, ganz kinderbuchkonform, ein gutes Ende, denn am Schluss hat der Bär seinen Hut wieder auf dem eigenen Kopf.

    "Wo ist mein Hut", eine hintergründige Geschichte von Jon Klassen.
    "Wo ist mein Hut", eine hintergründige Geschichte von Jon Klassen. Foto: Nordsüd Verlag

    Aber – und das kommt nun manchen Erwachsenen nicht mehr so kindgerecht vor: Wo ist denn das Kaninchen geblieben? 2011 wurde der kanadische Illustrator Jon Klassen mit diesem Bilderbuch, dem ersten Teil einer Trilogie, international bekannt und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis. Jetzt hat er für sein Gesamtwerk den Astrid Lindgren Memorial Award (ALMA) erhalten.

    Der Astrid-Lindgren-Gedächtnispreis ist der wichtigste Literaturpreis für Kinder- und Jugendbücher

    Der Preis wurde 2002 vom schwedischen Staat zum Gedenken an die berühmte Kinderbuchautorin Astrid Lindgren gestiftet. Wegen seiner hohen Dotierung über fünf Millionen schwedische Kronen (etwa 460.000 Euro) und seines Renommees wird er auch als „Nobelpreis der Kinder- und Jugendliteratur“ bezeichnet. In diesem Jahr standen 263 Autoren, Illustratoren und Institutionen, die sich der Leseförderung widmen, auf der Auswahlliste, unter anderem auch die deutschen Illustratoren Nikolaus Heidelbach und Axel Scheffler sowie der Schriftsteller Andreas Steinhöfel.

    Die schwedische Kinderbuchautorin Astrid Lindgren
    Die schwedische Kinderbuchautorin Astrid Lindgren Foto: Jörg Schmitt/dpa

    „Jon Klassens brillante Geschichten bestechen durch ihre mühelose Eleganz und ihre vielschichtige Tiefe, in der der Leser zum Mitgestalter wird“, begründete die ALMA-Jury ihre Entscheidung. Klassens humorvolle und oft aberwitzige Geschichten zeichnen sich vor allem durch die reduzierte Form von Wort und Bild aus, die großen Raum schafft für die Vorstellungskraft der Leserinnen und Betrachter: knapp die Sätze, scheinbar zweidimensional und skizzenhaft die Figuren, die er zunächst mit Hand vorzeichnet und dann digital weiterbearbeitet. Dazu verteilt er sparsam Requisiten auf den Seiten und verwendet vorwiegend gedeckte Farben wie braun, beige, olivgrün.

    Jon Klassens Illustrationen ermuntern zum genauen Hinsehen

    Die Mehrschichtigkeit und der Interpretationsspielraum ergeben sich dabei erst beim genaueren Betrachten der Bilder, etwa der Augen, an deren Form und Stellung der Pupillen sich Hinweise auf die Gemütslage und den Charakter der Figuren ergeben. Oft stehen die Bilder auch im Widerspruch zum Text und geben diesem eine vollkommen neue Bedeutung. „Präzise, emotional und mit erfinderischem Witz schildert er die Herausforderungen des Lebens - Unsicherheit und Hoffnung - in einem faszinierenden Zusammenspiel von Farbe und Form“, stellte die ALMA-Jury fest. Und dazu gehören eben auch - siehe „Wo ist mein Hut“ - Gefühle wie Eifersucht, Neid und Rachegelüste.

    "Der Wolf, die Ente und die Maus" - ein Bilderbuch mit überraschender Pointe.
    "Der Wolf, die Ente und die Maus" - ein Bilderbuch mit überraschender Pointe. Foto: Nordsüd Verlag

    Jon Klassen wurde 1981 in Winnipeg geboren. Zu seinen zahlreichen, auch auf Deutsch erschienen Büchern zählen Pappbilderbücher (Dein Wald“, „Deine Insel) und eigene Kinderbücher (“Aus heiterem Himmel“, „Der Totenkopf“) genauso wie illustrierte Geschichten anderer Autoren. „Der Wolf, die Ente und die Maus“ entstand zusammen mit dem amerikanischen Kinderbuchautor Marc Barnett und erzählt mit hintergründigem Humor von Ente und Maus, die vom Wolf gefressen werden und im Bauch des Tieres ein fröhliches Fest feiern – ein Perspektivwechsel, der zudem mit einer überraschenden Pointe aufwartet. Wie man in den Büchern von Jon Klassen eben immer mit dem Überraschenden, rechnen muss.

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