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Bayreuths „Ring des Nibelungen“: Noch einmal Protest gegen Regisseur Valentin Schwarz

Wagner-Festspiele

Bayreuths „Ring“: Weißt du, was das war?

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    Siegfried und sein Gold-Schatz: Klaus Florian Vogt mit einem Kinderdarsteller in der „Götterdämmerung“ in Bayreuth.
    Siegfried und sein Gold-Schatz: Klaus Florian Vogt mit einem Kinderdarsteller in der „Götterdämmerung“ in Bayreuth. Foto: Enrico Nawrath, Bayreuther Festspiele

    Eindrücklich die Erinnerung, wie es ward. Im Sommer 2022, als im Bayreuther Festspielhaus der Vorhang fiel nach der „Götterdämmerung“, dem vierten und letzten Teil von Richard Wagners „Ring des Nibelungen“. Ein Buh-Donnerwetter ging nieder auf Valentin Schwarz, der den „Ring“ neu in Szene gesetzt hatte. Doch Emotionen schleifen sich ab, das einst Empörende vermag sich gar ins Gegenteilige zu wenden, das zeigen gerade die Wagner-Festspiele immer wieder. Wie also würde es dem Schwarz-„Ring“ 2025 ergehen, seinem letzten Jahr in Bayreuth?

    Überraschend dann doch die Einhelligkeit des Urteils. Als Valentin Schwarz nach der „Götterdämmerung“ vor den Vorhang tritt, hagelt es Ablehnungssalven, nur wenige beziehen applaudierend Gegenposition. Schwarz, sichtlich gewöhnt an den Unmut, nimmt’s mit einem Lächeln, winkt und macht kehrt.

    Vieles an diesem „Ring“ geht nicht sinnvoll zusammen

    Was ist es, dass dieser „Ring“ – er wird noch zwei weitere Male im Festspielhaus zu sehen sein – so sehr in Harnisch zu bringen vermag? Vor allem Schwarz‘ Verfahren, neue Erzählstränge in Wagners Nibelungen-Saga einzuziehen. Neue Themen und Motive, die in ihrer Bedeutung jedoch szenisch nur unscharf vermittelt werden, über die vier Abende hinweg sich gerne verlieren, beliebig wieder auftauchen, nun Gegenteiliges zu besagen scheinen … Allzu vieles aus der Schwarzschen Zutatenküche lässt sich auch nach wiederholter Anschauung nicht sinnvoll zusammenbringen, steht zudem immer wieder quer zu Wagners Text und zur semantisch klar definierten Motivik der Musik.

    So reizvoll der Grundgedanke der Inszenierung auch ist, in Wotan und Alberich ein Ur-Zwillingspaar im ewigen Streit zwischen Gut und Böse zu erkennen, einem Zwist, der sich fortsetzt durch die Generationen: Wie dieser Faden dann eingewoben wird, ergibt am Ende nur ein unentwirrbares Symbolknäuel. Augenfälligstes Beispiel: Der titelgebende Ring ist zunächst durch einen Jungen (stumme Rolle) ersetzt, kenntlich am goldgelben Shirt. Dieser Gold-Schatz, am Ende des „Rheingolds“ an Fafner verschachert, taucht im „Siegfried“ an der Seite des Lindwurms wieder auf als ebenfalls Goldgelb tragender „junger Hagen“, von dem der Text aber erzählt, dass sein Vater Alberich ihn einst mit einer Bezahlbuhle zeugte. Wie nun: Der Finsterling Hagen (in Goldgelb!) der „Götterdämmerung“ wäre dann, folgt man den dramaturgischen Signalen, einerseits der fluchbeladene Ring selbst, nach dem er andererseits aber in Personalunion unaufhörlich giert? Nein, dieser „Ring“, er will sich szenisch nimmer runden.

    Dirigentin Simone Young setzt neue Akzente

    Mehr Glück ist der musikalischen Seite beschieden. Wie schon im vergangenen Jahr dirigiert auch heuer wieder Simone Young das Festspielorchester. Selbst wenn im Hinblick auf Sänger-Kraftreserven und Textverständlichkeit bei manch orchestralem Überschwang gerade im „Siegfried“ mehr Zurückhaltung geboten gewesen wäre, ist Young doch  eine Dirigentin, die in Wagners Partitur erfrischend neue Gewichtungen zu setzen versteht, die schwer lastende Klangschichten transparent zu machen, Stellen wie die „Götterdämmerungs“-Chorszenen aber auch mitreißend unter Dampf zu setzen vermag.

    Faszinierend an den beiden Siegfrieden von Klaus Florian Vogt ist die Tatsache, dass da nicht nur heldische Kraft, sondern immer auch Jugendlichkeit ihren Ausdruck findet. Selbst wenn auch Vogt im „Siegfried“ nicht verhehlen kann, wie strapaziös diese Partie ist, geraten ihm doch die Schmiedelieder ausgesprochen homogen, in der hohen Lage zu keiner Zeit gestemmt. In Catherine Foster steht ihm eine ebenbürtige Brünnhilde zur Seite. Auch sie vermag vollem Orchesterklang noch ein strahlendes Glanzlicht aufzusetzen, verfügt über Fülle der Stimme, ohne diese jedoch unkontrolliert breit werden zu lassen, überzeugt nicht zuletzt darstellerisch. Im Kontrast dazu fallen Rollenporträts wie der Mime von Ya-Chung Huan – von der Unsitte des gewollt hässlichen Überprononcierens mag er nicht lassen – und der Hagen von Mika Kares – eindimensional im puren Vertrauen auf seine Stentorstimme – doch merklich ab.

    Bayreuther Festspiele: Und nächstes Jahr kommt die KI

    Gleich nächstes Jahr, das Jubiläum erfordert’s, wird es einen neuen Bayreuther „Ring“ geben. Die angekündigte Besetzung klingt vielversprechend, Christian Thielemann dirigiert, Michael Volle ist Wotan, Camilla Nylund die Brünnhilde,  Klaus Florain Vogt wieder Siegfried. Und szenisch? Wird es KI-generierte Einspielungen zu realen Bühnenelementen geben – spannend anzuhören, auch wenn man bei digitaler Beteiligung skeptisch sein darf, man denke an den AR-Brillen-„Parsifal“. Bayreuth, den „Ring“ der Künstlichen Intelligenz in die Hände legend: Um Jahresfrist wird man wissen, wie es geworden ist.

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