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Bayreuths „Ring“-Inszenierung: Wagners Götter im Hier und Heute

Festspiele

„Ring“ in Bayreuth: Der Gott, der allzu herrisch auftritt

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    Mal Burg, mal Schwert: Wotan (Tomasz Konieczny) im „Rheingold“ mit der Leuchtpyramide, einem Vielzweck-Requisit der Inszenierung von Valentin Schwarz.
    Mal Burg, mal Schwert: Wotan (Tomasz Konieczny) im „Rheingold“ mit der Leuchtpyramide, einem Vielzweck-Requisit der Inszenierung von Valentin Schwarz. Foto: Enrico Nawrath, Bayreuther Festspiele

    Nicht froh wird in Richard Wagners „Nibelungen“-Festspiel die Schar der Götter mit dem aus geraubtem Gold geschmiedeten Ring. Ein Gefühl, das auch den Betrachter der aktuellen Bayreuther „Ring“-Aufführung begleitet, einer Inszenierung, die jetzt wieder an den Start gegangen ist, in ihrem vierten und letzten Sommer. Denn 2026, zum 150-Jährigen der Bayreuther Festspiele und damit auch der Uraufführung des Opernvierteilers, wird es einen neuen „Ring“ im Festspielhaus geben.

    Das Unmutsgewitter, das sich 2022 entladen hatte bei der Erstpräsentation von Valentin Schwarz‘ Inszenierung, es ist inzwischen verebbt. Man weiß ja, was einen erwartet in szenischer Hinsicht: Wagners germanische Mythenwelt versetzt ins Hier und Heute, die Götter im High-Society-Ambiente, die dunklen Gestalten wie etwa Hunding in dysfunktionalen Kellerwohnungen hausend (Bühne: Andrea Cozzi; Kostüm: Andy Besuch).

    Das „Rheingold“ beginnt mit zwei Föten im Mutterleib

    Ausgangspunkt von Schwarz‘ Produktionskonzept ist der ewige Gegensatz zwischen Gut und Böse und wie er in die Welt kommt, schon im pränatalen Zustand nämlich. Zum Es-Dur-Akkord, mit dem das „Rheingold“ und damit die ganze Geschichte anhebt, sind per Video im Fruchtwasser schwimmende Föten-Zwillinge zu sehen, deren einer sich deutlich übergriffig zeigt. Später wird man ihn in dem „Gold-Jungen“ wiedererkennen dürfen, einer von der Regie implantierten stummen Rolle, Symbol für die Macht des Goldes – ein Bub, den Alberich von den Rheintöchtern raubt (hier sind es Kindermädchen am Pool), wodurch das Unheil Fahrt aufnimmt.

    Doch der durchaus interessante Implikationen hervorrufende Strang mit dem Kinder-Goldschatz verliert sich im Verlauf des Tetralogie-„Vorabends“, nun wird weitgehend folgsam am Text entlang inszeniert. Abgesehen freilich von solch anhaltend Fragen aufwerfenden Regie-Accessoires wie der handlichen Leuchtpyramide, einem Allround-Symbol, das mal die Götterburg Walhall versinnbildlichen soll, ein andermal das Götterschwert Nothung. Da muss der Kopf des Festspielbesuchers zackige Wendemanöver vollführen.

    Christa Mayer als unerbittliche Rosenkriegerin

    Simone Young, die Wagners Partitur durchlichtet bis zum Kammermusikalischen – von dieser Dirigentin wird nach Vollendung dieses „Rings“ noch zu reden sein. Aufseiten des Gesangs in diesem Jahr: Licht und Schatten. Herausragend Michael Spyres als Siegmund in der „Walküre“, ein Tenor, der die Seelenlagen einer Figur allein durch die Farbnuancen seiner Stimme darzustellen vermag. Jennifer Holloway, in Bayreuth neu als Sieglinde, fügt sich gut ein als liebesehnendes Geschwister, wirkt in der Höhenlage jedoch ein wenig verengt. Catherine Foster ist eine jugendlich-bewegt agierende, angenehm schlank intonierende Brünnhilde, auch wenn ihre „Hojotoho“-Rufe merklich geschleudert sind. Sängerdarstellerische Preziosen sind die Auftritte von Christa Mayer als Fricka, eine unerbittliche Rosenkriegerin im packenden Clinch mit Wotan.

    Der oberste der Götter, er ist die eigentlich tragische Figur. Wieder ist die Rolle Tomasz Konieczny anvertraut. Der Bassbariton verfügt über ein außergewöhnlich schönes Ebenholztimbre, über eindrückliche Fülle und die Fähigkeit, die Stimme dynamisch zum Gleißen zu bringen – wichtige Attribute für einen Chefgott. Doch Konieczny geht damit nicht ökonomisch um. Durchgängig herrisches Auftrumpfen kennzeichnet ein Singen, das Wotans Zwängen und seiner Verzweiflung, ausgebreitet in ellenlangen Ausführungen des Gottes in der „Walküre“, keine Spiegelfläche bietet. Stattdessen am Ende, als die geliebte Brünnhilde auf dem Feuerfelsen weggeschlossen ist, Geschnief und Geschluchze aus Konieczny-Wotans Kehle. Das wird der Fallhöhe des Gottes nicht gerecht.

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