Die Achtzigerjahre waren im Kino das Zeitalter ikonischer Actionfilme. Von „Rambo“ (1982) und „Stirb langsam“ (1988) über „Indiana Jones und der Tempel des Todes“ (1984) bis zu „Terminator“ (1984) reichte das Spektrum. Ungebrochen feierte das Genre seine hypermaskulinen Stars wie Sylvester Stallone, Arnold Schwarzenegger oder Bruce Willis. Aber die bierernsten Macho-Helden forderten natürlich auch schon damals zur Persiflage heraus. Und so trat Leslie Nielsen 1988 in der Rolle des Lt. Frank Drebin vor die Kamera – ein Gesetzeshüter, dessen riesiges, männliches Ego im deutlichen Gegensatz zu seinem tollpatschigen Auftreten stand.
Für die polizeiliche Slapstick-Komödie „Die nackte Kanone“ zeichnete das Trio von Jerry Zucker, Jim Abrahams und David Zucker – kurz ZAZ genannt – verantwortlich, das bereits mit dem durchgeknallten Flugzeugkatastrophenfilm „Airplane!“ (1980) Komödiengeschichte geschrieben hatte. Ihr Humor orientierte sich an den klassischen, physischen Komikern wie Buster Keaton und ihre Gags steuerten direkt die Lachmuskulatur an, ohne die Hirnfunktionen allzu sehr in Anspruch zu nehmen. Nielsen erlangte Kultstatus in der Rolle des Chaos-Cops, dessen Einsätze oftmals in maximaler Verwüstung endeten.
Liam Neeson spielt jetzt den Spezialagenten in „Die nackte Kanone“
Nun hat Regisseur Akiva Schaffer den Stoff noch einmal aus der Klamottenkiste gekramt und präsentiert Liam Neeson als Frank Drebin Jr., der in die beruflichen Fußstapfen seines Vaters getreten ist und als Spezialagent des Los Angeles Police Department für Recht und Ordnung sorgen soll. Gleich zu Beginn kniet er in der Gedenkhalle des Polizeipräsidiums vor dem Bild seines verstorbenen Vaters nieder und schwört, dass er so sein möchte wie er, aber auch ein bisschen anders. Der Kamerablick öffnet sich und neben ihm knien ein gutes Dutzend weiterer Kollegen vor den Fotos ihrer Polizistenväter.
Diese Art von Genre-Veralberung ist – damals wie heute - prototypisch für die Franchise-Marke. „Genauso, nur anders“ – das ist dann auch das Motto, mit dem Schaffer den 37 Jahre alten Stoff in die Gegenwart zu transportieren versucht. Ähnlich wie im Original zieht Drebin Jr. auch im zeitgenössischen Remake gegen einen superreichen Unternehmer ins Feld, der hier überdeutliche Züge von Elon Musk trägt. Mit seiner Cyber-Tech-Firma hat Richard Cane (Danny Huston) als Marktführer für Zukunftstechnologien einiges an Kapital und Macht angesammelt. Nach außen präsentiert sich Cane als umweltbewusster Planetenbeschützer. Aber hinter verschlossenen Türen arbeitet er an der darwinistischen Auslichtung der menschlichen Spezies. Per Smartphone sollen die Menschen zu Wutbürgern verwandelt werden und übereinander herfallen, um danach mit den Siegern des Überlebenskampfes eine neue, elitäre Gesellschaft gründen zu können.
„Die nackte Kanone“ setzt wie das Original auf eine hohe Gag-Dichte
Gemeinsam mit der Journalistin Beth Davenport () kommt Drebin den Plänen des Schurken auf die Spur, nicht ohne sich dabei Hals über Kopf in seine Co-Ermittlerin zu verlieben. Anderson, die kürzlich erst in „The Last Showgirl“ (2024) ihr Comeback feierte und die eigene Vergangenheit als Baywatch-Ikone gewinnbringend einsetzen konnte, ist auch hier in der ironisierten Rolle einer Femme Fatale bestens besetzt. Dies gilt ebenfalls für Liam Neeson, der sich in den letzten Jahrzehnten mit Filmen wie „96 Hours“ (2014) oder „The Commuter“ (2018) als beinharter Ü50-Actionheld präsentiert hat und nun endlich mit sichtbarem Vergnügen das eigene Leinwandimage karikieren kann.
Als Komiker ist Neeson im Verlauf seiner Karriere bisher kaum eingesetzt worden, aber als Nachfolger von Leslie Nielsen schlägt er sich mehr als tapfer. Ohnehin lebt die Figur davon, dass sie selbst nichts von der eigenen Komik ahnt und mit großem Ernst jeden Einsatzort im Tumult versinken lässt. Was das kreative Chaospotenzial angeht, hält sich Schaffer ganz dicht am Original. Dazu gehört etwa der Running Gag, dass der Supercop beim Einparken ein weitgefächertes Spektrum an Sach- und Personenschäden verursacht. Diese Vorlage wird im Remake nun mit einem selbststeuernden E-Dienstwagen äußerst einfallsreich ausgeweitet.
Genauso wie Zucker&Co. setzt auch Schaffer auf eine hohe Gag-Dichte, bei der es mehr auf die Quantität als auf die Qualität ankommt. Wer sein pubertäres Ich reanimieren kann, hat definitiv mehr vom Film. Gleichzeitig zeichnet Schaffer seinen Filmhelden als liebenswertes Relikt der Boomer-Generation, dessen Old-School-Methoden in fruchtbarem Kontrast zu der modernen Hi-Tech-Umgebung stehen. Dass Drebin nach dem Telefonat jedes Smartphone mit der Hand zerbricht, dürfte bei jüngeren Zuschauenden leichte Panikattacken auslösen. Dennoch erscheint es mehr als fraglich, ob die Figur und diese Form von harmloser Albernheit, die in den Achtzigern die Massen ins Kino lockte, bei der Generation TikTok noch verfängt. Was als Reboot für ein weiteres Franchise geplant ist, könnte auch als rein nostalgisches Event an den Kinokassen verglühen.
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