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Die Verantwortung der Deutschen für den Holocaust prägte den Historikerstreit

Interview

Der Historiker Andreas Wirsching: „Der Holocaust ist ein genuin deutsches Verbrechen“

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    Die Stolpersteine in Kassel erinnern mit eingravierten Namen an Opfer des Nationalsozialismus. Sie sind Teil eines europaweiten Gedenkprojekts und halten die Erinnerung an die Verfolgten lebendig.
    Die Stolpersteine in Kassel erinnern mit eingravierten Namen an Opfer des Nationalsozialismus. Sie sind Teil eines europaweiten Gedenkprojekts und halten die Erinnerung an die Verfolgten lebendig. Foto: Swen Pförtner/dpa

    Vor vierzig Jahren erschien Ernst Noltes Artikel in der FAZ, der Auslöser des sogenannten Historikerstreits. Was war das für ein Moment in der Geschichte der Bundesrepublik?

    ANDREAS WIRSCHING: Das war ein Kulminationspunkt, denn in den 1980er Jahren zeichnete sich unter Historikern wie in der breiteren Öffentlichkeit ein Konsens ab: dass nämlich der Holocaust im Nationalsozialismus ein singuläres Menschheitsverbrechen war. Nolte hat diesen Konsens aufgebrochen, indem er eine Kausalität zwischen dem Archipel Gulag und dem Nationalsozialismus herstellte – die NS-Verbrechen seien eine Art Reaktion auf den Stalinismus gewesen. Das war ein Stich ins Wespennest.

    Von heute aus klingt das absurd. War es das auch 1986 – oder war die These damals ernsthaft diskutierbar?

    WIRSCHING: Das Problem ist, dass Nolte stark von antibolschewistischer Literatur gezehrt hat. Das Modell, das NS-System sei eine Verteidigung gegen den Bolschewismus, existierte schon zeitgenössisch – es geht bis in die konterrevolutionäre Mobilisierung der Weißen zurück, die Europa vor dem „asiatischen Bolschewismus“ schützen wollten. Daran knüpfte die NS-Propaganda an. Noltes These, der „Klassenmord“ der Bolschewiki sei „das logische und faktische Prius“ des „Rassenmords“ der Nationalsozialisten gewesen, führte dazu, dass ihm Nähe zur Holocaust-Revision vorgeworfen wurde – was definitiv überzogen war. Das eigentliche Problem war etwas anderes: Der Rassenantisemitismus und der Vernichtungswille gegenüber den Juden speisten sich aus viel älteren Wurzeln, aus der völkischen Tradition seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts – und nicht als Reaktion auf 1917. Insofern stimmt die These auch empirisch nicht.

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