Startseite
Icon Pfeil nach unten
Kultur
Icon Pfeil nach unten

Drake live in München: Liebe, Humor und Mittelfinger

Konzertkritik

Drakes Premiere in der Münchner Olympiahalle: Liebe, Humor und Mittelfinger

  • |
  • |
  • |
  • |
    Der kanadische Rapper Drake hat in der Olympiahalle in München gespielt. Offiziell fotografieren lassen wollte er sich nicht, hier ein Archivbild.
    Der kanadische Rapper Drake hat in der Olympiahalle in München gespielt. Offiziell fotografieren lassen wollte er sich nicht, hier ein Archivbild. Foto: Jonathan Short/Invision, AP/dpa (Archivbild)

    Rapper Drake in München – das ist eine Premiere. Die Olympiahalle war mit rund 13 000 Besuchern gut gefüllt. Die Akustik klar. Und schon vor Beginn vibrierte die Luft: Ab 20.15 Uhr sorgte DJ Spade mit einem Mix aus beliebten Pop- und Rap-Liedern für ausgelassene Stimmung und versetzte das Publikum in Tanzlaune.

    Doch ab 21 Uhr hieß es warten. Und warten. Und weiter warten. Rund 40 Minuten später als geplant trat Drake schließlich auf die Bühne. Das Publikum verzieh das allerdings sofort. Von der ersten Minute an überschüttete der Megastar das Publikum in München mit Liebesbekundungen: Er sei glücklich, endlich hier zu sein. Er schwor, dass es nicht das letzte Mal bleiben werde, und wirkte dabei so überzeugt, dass man ihm die Verzögerung beinahe als stilvolle Dramaturgie abkaufte.

    Drake begeistert die Fans in München durch seine Nähe zum Publikum

    Aubrey Drake Graham heißt der Mann aus Toronto, Kanada, mit bürgerlichem Namen, singt R&B und rappt, wurde berühmt mit Hits wie „God‘s Plan“ und „Hotline Bling“. In München präsentierte sich Drake in Bestform. Mal gefühlvoll singend im Glitzer-Hemd, mal mit härteren Beats und Pyrotechnik unterlegt, führte er durch ein Set, das sowohl Hits als auch neuere Lieder beinhaltet. Zur Halbzeit stattete Drake seinem langjährigen Tour-DJ Future the Prince einen Besuch am Mischpult ab und gönnte sich einen Tequila-Shot – „Auf München!“ Eine clevere Methode, um Verschnaufpausen humorvoll zu kaschieren.

    Danach zog Drake sich kurz zurück, überließ dem Kollegen mit Künstlername Partynextdoor die Bühne. Dem Sänger, den Drake liebevoll seinen „Bruder“ nennt, und seine Loyalität lobt. Dieser sorgte aber sofort für ein Stirnrunzeln im Publikum. Sein Jogginganzug war mit Pailletten in Schwarz-Rot-Gold verziert, dazu prangte das Tour-Logo „$$$“. In Kombination wirkte das im ersten Moment wie drei bedenkliche „S“. Gemeint war damit natürlich die aktuelle Tour, die offiziell „$ome $pecial $hows 4 U“ heißt und gleichzeitig das gemeinsame Album „$ome $exy $ongs 4 U“ von Drake und Partynextdoor promotet. Gut gemeint vom Kanadier, sorgte aber kurz für Verwirrung.

    Was Drake an diesem Abend auszeichnete, war nicht nur seine stimmliche Performance, sondern vor allem seine Nähe zum Publikum. Er ließ sich Komplimente für die Frauen nicht nehmen – auch bedankte er sich mehrfach überschwänglich bei den Fans, beim Hallenpersonal und sogar beim Sicherheitsteam. Den Moshpit dirigierte er wie ein umsichtiger Animateur: Nur in der Mitte drängeln, niemanden verletzen! Und das Publikum bat er inständig, auf dem Heimweg aufeinander aufzupassen – Worte, die man auf einem Rap-Konzert nicht unbedingt erwartet.

    Mittelfinger für Ex-Partner: Therapiesitzung mit Drake

    Drakes Humor blitzte während des Konzertes immer wieder durch. Wenn Fans besonders leidenschaftlich mitsangen, musste er selbst grinsen. Und in seiner selbsternannten „Therapiesitzung mit Drake“ forderte er die Fans auf, vergangene Liebeskummer-Geschichten loszulassen – und tatsächlich: Alle hoben gemeinsam den Mittelfinger für ihre „verstaubten, muffigen“ Ex-Partner, Drake inklusive.

    Am Ende wurde es besonders intim: Drake bat das Publikum, die Arme umeinander zulegen – unabhängig davon, ob man sich kannte oder nicht. Plötzlich wogte die Olympiahalle im gemeinsamen Rhythmus zum Lied „Yebba’s Heartbreak“. Eine junge Frau im Publikum fängt an zu weinen. Ob sie an eine verlorene Liebe dachte oder schlicht überwältigt war, Drake live zu erleben, bleibt offen. Aber die Szene unterstrich jenen Abend, der persönliche Gefühle ebenso wie ausgelassene Party-Momente erlaubte.

    Liebe und Gemeinschaft – aber keine Kommentare zu Kendrick Lamar

    Verabschiedet hat sich Drake dann mit einem Daumen hoch und weiteren schnulzigen Worten: Wenn er es schaffe, das Leben seiner Fans auch nur ein kleines Stück zu verbessern, sei er glücklich. Und so wirkte er, trotz Superstar-Status, erstaunlich bodenständig und dankbar.

    Interessanterweise verzichtete er darauf, sein lyrisches Gemetzel mit Kendrick Lamar – eine Fehde, die im vergangenen Jahr die Rap-Welt dominierte – auch nur mit einem Wort zu erwähnen. Stattdessen konzentrierte er sich auf seine eigene Botschaft: Liebe, Gemeinschaft. Und natürlich „$ome $exy $ongs 4 U“, wie das Motto der Tour lautet.

    Fazit: Ja, Drake kam zu spät. Ordentlich zu spät. Aber was folgte, war ein energiegeladenes, charmantes und stellenweise persönliches Konzert. Eine Premiere, die Lust auf mehr macht und tatsächlich: Fans in München dürfen sich nochmal auf ihn freuen. Zwei weitere Shows stehen am 18. und 19. September an. Wer ein Ticket hat, darf sich also auf eine ebenso intensive Mischung aus Party und Nähe mit Drake einstellen.

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein

    Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.

    Anmelden

    Sie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren