Eine 65-jährige Schauspielerin kämpft darum, dass eine Nacktszene, die sie als damals 13-jährige zeigt, aus einem Film geschnitten wird. Was an diesem Satz ist nicht befremdend? Dass beim damaligen Dreh ein Kind vor der Kamera ausgezogen und sexualisiert dargestellt wurde, es offenbar niemand kümmerte? Das auf jeden Fall. Aber ebenso, dass die Schauspielerin Nastassja Kinski diese Bloßstellung all die Jahre aushalten musste.
Zu Recht eingefordert: die Debatte um den Umgang mit schwierigem Filmerbe
Zwei Minuten dauert die Nacktszene in dem Film „Falsche Bewegung“ des damals auch noch jungen Regisseurs Wim Wenders. Er hätte sie in all den Jahren einfach herausschneiden können, so wie es Kinski forderte. Er hätte einen Fehler eingestehen können. Aber Wim Wenders hat das nicht getan. Stattdessen hat er eine sicher notwendige Debatte über den Umgang mit schwierigem Filmerbe eingefordert. Er hat sich zugleich mit Hinweis auf den damaligen Zeitgeist selbst in Schutz genommen. Er hat aber vor allem die Unversehrtheit seines Kunstwerks beschützt. Und nicht die von ihm, wie er betont, so verehrte Schauspielerin. Film also über Mensch. Nun hat er verkündet, den Film vorerst nicht mehr zu zeigen und sich bei Nastassja Kinski entschuldigt, „ohne Wenn und Aber“. Endlich Bewegung.
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