Herr Pfister, die Renaissance verbindet man vor allem mit Italien, mit der Kunst und der Architektur. England hat man weniger auf dem Schirm.
MANFRED PFISTER: Vor allem hat man den Begriff „Englische Renaissance“ nicht auf dem Schirm. Man spricht eher von der Shakespeare-Zeit oder vom elisabethanischen England. Dass diese Periode fruchtbar war und bedeutende Literatur und Musik hervorgebracht hat, weiß man. Für mich ist der ganz große Reiz, dass alles aufblüht, nicht nur die Künste, sondern auch die Wissenschaft und Technik. Es geht um die Weltentdeckung. Das ist viel weiter gefasst als bei den Italienern.
William Shakespeare nennt sein 1599 gegründetes Theater The Globe. Ist das der Anspruch, das Leben mit all seinen Facetten abzubilden?
PFISTER: Das meine ich schon. Diese englische Renaissance ist nicht zaghaft, sie ist in vielem sogar kühner als die italienische. Die Entdeckung des Blutkreislaufs war in England eine bahnbrechende Sache. Dass sich die Medizin dem weiblichen Körper zuwendet, ist ja nicht außergewöhnlich, aber in England mit einer anderen Konsequenz.
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