Seine Erscheinung im Klassikbereich: außergewöhnlich, sein Ruf ebenfalls. Mal trägt Yannick Nézet-Séguin blauen Nagellack, mal eine dezentere hautfarbene Variante. Man hat ihn schon mit raspelkurzen wasserstoffblonden Haaren dirigieren gesehen, gerade trägt er das schütter werdende Haar lockig und ein kleines bisschen länger. Der Kanadier bringt Farbe in den Betrieb, im wahrsten Sinn des Wortes. Doch der Ruf, den sich der 50-Jährige erarbeitet hat, ist enorm. Der Manager der berühmten New Yorker Metropolitan Opera Peter Gelb wettet mit Nézet-Séguin auf die Zukunft. Seit sieben Jahren arbeitet Nézet-Séguin als Musikdirektor des Opernhauses daran, breitere Publikumsschichten zu gewinnen. „Die klassische Musik ist für jeden da“, sagt er voller Überzeugung.
Die Met allein reicht Yannick Nézet-Séguin aber nicht
Doch die Met allein füllt die Arbeitstage des Dirigenten anscheinend nicht genügend aus. Zusätzlich steht er auch noch dem Philadelphia Orchestra und in seiner Heimat auf Lebenszeit gewählt dem Orchestre Métropolitain in Montreal vor. Wenn schon, dann schon. Wobei Silvester in diesem Jahr entweder im Flugzeug (man könnte es Nézet-Séguin zutrauen) gefeiert wird oder wahrscheinlicher eher schon in Wien. Denn am 1. Januar heißt es für den Vielbeschäftigten, sich beschwingt und mit Walzern vor vielen Millionen Fernsehzuschauern mit Leidenschaft ins neue Jahr zu drehen. Die Wiener Philharmoniker können sich bei ihrem Neujahrskonzert auf ihn freuen.
Als Chorsänger kam Nézet-Séguin schon früh in Berührung mit der Musik. Am meisten faszinierten ihn da die Dirigenten. Mit zehn fragte er höflich bei seinem Chorleiter, ob er nicht auch einmal dirigieren dürfe. Bei der kanadischen Nationalhymne kam er dann zum Zug. Und es fühlte sich für Nézet-Séguin dermaßen natürlich an, dass er von da an zu den Glücklichen gehörte. Er wusste schon im zarten Alter von zehn Jahren genau, was er einmal werden wollte.
Mit seinen 50 Jahren fühlt sich Nézet-Séguin immer noch jung
Und heute, vierzig Jahre später mit dieser unheimlich steilen und erfolgreichen Karriere, sagt Nézet-Séguin, dass er sich noch immer jung fühle. „Ich habe gerade an der Oberfläche von dem gekratzt, was ich als Künstler sein möchte“, sagt er im Fernseh-Interview – und gibt sich gleichzeitig bescheiden. „Die größte Leistung für einen Künstler ist nicht, wo du überall aufgetreten bist, die größte Leistung ist, wenn du jemanden tief in seinem Herzen berührt hast.“ Mit dem Neujahrskonzert besteht für ihn die Aussicht, sehr viele Menschen zu erreichen. Es wird wieder in über 150 Länder übertragen.
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