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Französischer Star am Konzertflügel: Wer ist der Klassik-Rebell Sofiane Pamart?

Klassik-Star

Rebell am Klavier: Sofiane Pamart will neue Wege in der Klassik gehen

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    Sofiane Pamart, 35 Jahre alt, aufgewachsen in Lille, zählt zu den großen Stars der französischen Klassik-Szene.
    Sofiane Pamart, 35 Jahre alt, aufgewachsen in Lille, zählt zu den großen Stars der französischen Klassik-Szene. Foto: Urban Mythology

    Es gibt Momente während des Konzerts von Sofiane Pamart, in denen der Künstler selbst regelrecht überwältigt wirkt. Er sitzt an einem Flügel auf der Bühne der Opéra Garnier in Paris und lässt seine Finger über die Klaviertasten fliegen. Jedes Mal, wenn er sich zwischen den Musikstücken unter tosendem Applaus verbeugt, blickt er schon beinahe ungläubig über die voll besetzten, mit rotem Samt bezogenen Sitze. Als später der Chor des Philharmonischen Orchesters von Prag seine Kompositionen begleitet, schüttelt Sofiane Pamart immer wieder begeistert den Kopf. Irgendwann springt er auf, um die junge Frau, die gerade eine Solo-Partie gesungen hat, spontan zu umarmen.

    Sofiane Pamart ist bekannt für seine emotionale Auftritte

    Der französische Pianist ist bekannt für seine emotionalen Auftritte. „Im Feuer der Aktion bin ich nicht mehr völlig ich selbst“, so schildert es der 35-Jährige Künstler in einem seiner Briefe an seine Fangemeinde, die er zweimal pro Woche veröffentlicht. „Ich lasse mich vom Schwung mittragen.“ Dieser Funke springt auf das Publikum über. Auffallend viele junge Gäste befinden sich unter den Zuschauerinnen und Zuschauern.

    Sofiane Pamart gehört zu den zehn gefragtesten Musikern bei Streaming-Diensten weltweit. Mehr als fünf Millionen Menschen folgen ihm in den sozialen Medien. Die französische Presse bezeichnet ihn als „unanfechtbare Nummer eins der Klavier-Szene“ des Landes: Er wisse elitäre Normen zu verschieben, indem er klassische Musik mit Elektromusik und Dance, aber auch Rap oder Hip-Hop kombiniert. Die Zusammenarbeit mit prominenten französischen Rappern wie Médine, Scylla oder Grand Corps Malade begründeten seinen Erfolg mit, ebenso wie sein auffälliger Look: Sofiane Pamart trägt dunkel gefärbte Brillen, glitzernde Jacken und Ohrringe. Diamanten an den Fingern leuchten während seines Klavierspiels hell auf. All das ist Teil seiner Show.

    Pamart ist „Ritter des Ordens der Künste und der Literatur“

    Er gab ein Konzert in der riesigen Accor Arena in Paris, spielte bei der Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele 2024 zum Lied „Imagine“ an einem brennenden Klavier, das auf einem Boot über die Seine fuhr. Nächstes Jahr tritt Sofiane Pamart als erster Solo-Pianist im Stade de France, Frankreichs größtem Stadion, vor mehr als 80.000 Menschen auf. Demnächst kommt Sofiane Pamart auch in die Philharmonien von Berlin, München und Hamburg. Seit 2024 lebt er in Los Angeles in einem Haus mit Blick auf die Skyline der Hollywood-Metropole. Nichts weniger als der „Piano King“ wolle er sein, sagte er von sich.

    Der französische Pianist Sofiane Pamart ist eine Erscheinung auf der Bühne.
    Der französische Pianist Sofiane Pamart ist eine Erscheinung auf der Bühne. Foto: Urban Mythology

    Zugleich wirkt der 35-Jährige liebenswürdig und nahbar, als er kurz seinem Auftritt in der Pariser Oper zum Gespräch in einem schicken Hotel in deren unmittelbarer Nähe kommt. Der Ort ist nicht zufällig gewählt: Hier erhielt er vor einigen Monaten die Auszeichnung „Ritter des Ordens der Künste und der Literatur“.

    Pamart wuchs im nordfranzösischen Lille auf

    Bei seinem jüngsten Auftritt, beschreibt Sofiane Pamart, habe er sich ganz klein gefühlt. „Es gibt Orte, die lange vor mir da waren und auch nach mir da sein werden, Orte voller Geschichte, die mich überragen“, sagt er über die Opéra Garnier. Während des gesamten zweiten Akts stand sein Konzertflügel am Rande der Bühne und in deren Mitte der Chor junger Frauen und Mädchen aus Prag. Eines der für ihn komponierten Lieder befindet sich auf seinem vierten Album, das im April erscheinen wird. Neben den diversen künstlerischen Partnerschaften arbeitete er mit Luxusmarken wie Dior Homme, Mercedes-Benz oder Cartier zusammen. Sie stützten sich auf die rebellische Künstler-Figur, die die Grenzen der klassischen Musik sprengt. Und deren Geschichte Mut machen kann.

    Sofiane Pamart wuchs im nordfranzösischen Lille in einer franko-marokkanischen Familie auf, die wenig mit Musik am Hut hatte. Alles begann mit einem Spiel-Klavier aus Plastik, auf dem er als Kind schon Melodien nachspielte. Später erhielt er an der Musikschule von Lille eine klassische Ausbildung. Dass er nicht aus einem Musikerhaushalt kam, sei eine Chance gewesen, erzählt er. „Wenn ich einen Fehler machte, hat mich niemand korrigiert, sondern alle applaudierten – das gab mir enormes Selbstvertrauen.“ Von seinem Traum, ein Star zu werden, sei er früh regelrecht besessen gewesen, gibt er im Gespräch zu. „Ich hatte seit meiner Kindheit eine klare Vision, aber wusste lange nicht, wie ich ans Ziel gelangen sollte. Ich musste hart arbeiten, um mich mit dem, was ich mache, hervorzuheben.“

    Manche Kritiker halten nicht viel von Sofiane Pamart

    Sofiane Pamart, ein Star, den die gesamte Musikwelt feiert? Manche Kritiker bemängeln, sein technisches Können sei gar nicht herausragend: Der Jazzpianist Étienne Guéreau verspottete ihn als „Chopin in einer simplen Version“, der auf Klassik spezialisierte Journalist und Autor Alain Duault betonte, Sofiane Pamart füge dem bestehenden Musik-Repertoire nichts Neues hinzu, sei kaum als klassischer Pianist zu bezeichnen. Doch wie André Rieu oder Richard Clayderman werde er von einem breiten Publikum verehrt und schaffe es, ganze Stadien zu füllen.

    Er wolle ein Phänomen sein, den Weg hin zu etwas Neuem öffnen, sagt Sofiane Pamart selbst. Denn er habe eine Botschaft: Diejenigen, die ihn hören und sehen, sollen an sich glauben, sie selbst sein, ihre Träume verfolgen. So wie sich der kleine Sofiane vor 30 Jahren vor seinem Spielzeug-Klavier aufmachte, seinen eigenen Weg zu gehen, hoch hinaus, dessen Zielpunkt noch längst nicht absehbar ist.

    Info: Sofiane Pamart geht in diesem Jahr auf Konzertreise und macht dabei auch Halt für drei Auftritte in Deutschland. Das sind die Termine auf seiner Tournee:

    31. März – Berliner Philharmonie
    28. April – Isarphilharmonie, München
    30. April – Elbphilharmonie, Hamburg

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