GuMo oder doch GuNa? Wäre dieser Text eine Nachricht in einem Chat, müsste hier die passende Grußformel gewählt werden – je nachdem, ob es draußen noch hell oder schon stockfinster ist. Richtig gelesen, Grußformel: Hinter den kryptischen Buchstabenanordnungen verbergen sich nämlich keine chemischen Verbindungen oder Ableger der Verwertungsgesellschaft Gema, sondern ganz einfach die Worte „Guten Morgen“ und „Gute Nacht“. Besonders bei jungen Menschen sind Abkürzungen wieder hoch im Kurs: Sie sind kurz, prägnant und gehen schnell über die Fingerspitzen – sollen beim Tippen also Zeit und Zeichen sparen. Mitunter schaffen es die knackigen Kürzel auch in den verbalen Sprachgebrauch. Aber warum so wortkarg?
Ihren Ursprung haben die Abkürzungen in der Chatsprache
Das GuMo-Prinzip ist simpel: Aus den Anfangssilben eines langen Worts oder einer Floskel bildet man ein sprechbares Akronym. Aus der Mittagspause wird so zum Beispiel die MiPa, in der man sich gegenseitig GuAp (Guten Appetit) wünscht. Wer der erkälteten Freundin im Gruppenchat eine schnelle Genesung wünscht, tippt GuBe (Gute Besserung), zur Verabschiedung wahlweise BiMo (Bis Morgen) oder GaLiGrü (Ganz liebe Grüße).
Neu ist diese Art der Abkürzung nicht: Fleißig verdichtet wurde in der Chatsprache schon, als die ersten Handys auf den Markt kamen. Und damals ging es ja tatsächlich noch um was: Die Displays waren klein, die SMS – die selbst eine Abkürzung für „Short Message Service“ oder eben Kurznachrichtendienst ist – in ihrer Länge begrenzt. 160 Zeichen kosteten in den Neunzigern noch 39 Pfennig, später 19 Cent. Wer 161 Zeichen schrieb, musste doppelt blechen. Also fing das große Kürzen an.
In privaten Nachrichten etablierten sich OMG (Oh mein Gott), HDL (Hab dich lieb) und LOL (Laughing out loud, dt. Laut lachen), in der beruflichen Korrespondenz MfG (Mit freundlichen Grüßen) oder ASAP. Letzeres steht für „As soon as possible“ (So bald wie möglich) und kann, in E-Mails von Vorgesetzten eingesetzt, bei bei der Empfängerin oder dem Empfänger zu Schweißausbrüchen führen.
Einige der Akronyme, die sich um die Jahrtausendwende in der digitalen Kommunikation verbreiteten, schwappten aus dem englischen Sprachraum herüber. Dabei war die deutsche Sprache damals schon reich an eigenen Abkürzungen, s. bspw. u. a. BGB, VHS, usw. Mit ihren ellenlangen, zusammengesetzten Wörtern gibt sie – was Kürzungspotenzial angeht – ja auch einiges her. Man denke nur an die Straßenverkehrsordnung (StVO), den Schienenersatzverkehr (SEV) oder gar das Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG). Da hatten die Fantastischen Vier 1999 leichtes Spiel, als sie mit „MfG (Mit freundlichen Grüßen)“ ein ganzes Lied aus Akronymen bastelten. „BSE, HIV und DRK / GbR, GmbH, ihr könnt mich mal.“
GuMo, GuNa und GaLiGrü – wer blickt da noch durch?
Ums Basteln geht es im Übrigen auch bei den Abkürzungen im GuMo-GuNa-GuBe-Stil. Denn während manche noch damit beschäftigt sind, die einigermaßen gängigen Kürzel zu entziffern, überbieten sich andere schon mit den absurdesten Eigenkreationen: Aus der Butterbrezel wird die BuBre, aus der Spülmaschine die SpüMa und aus der Bismarckbrücke die BiMaBrü. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Verständlich sind manche Silbenkombinationen allerdings nur für einen eingeweihten Kreis – und das sollen sie vielleicht auch sein.
Effizienz und Zeitersparnis können kaum Sinn und Zweck der neuartigen Abkürzungen sein, wenn die Adressatinnen und Adressaten erst einmal überlegen müssen, ob BiGa nun für Bildergalerie oder Biergarten steht. So richtig ernst gemeint ist das Spiel mit den Buchstaben ohnehin nicht. Die junge Generation, die im Abkürzungsdschungel groß geworden ist, sucht sich ganz einfach ihren eigenen, humorvollen Zugang zur Sprache. Steckt hinter den aberwitzigen Akronymen also eine Parodie auf das mit Abkürzungen übersättigte Behördendeutsch? Machen sich die jungen Leute über den veralteten SMS-Sprech lustig? Oder kulten sie ihn vielmehr in liebevoll-ironischer Manier ab?
Die frühen 2000er erleben gerade ihr großes Comeback, in der Mode wie in der Popkultur. Tamagotchi, Glitzer, dünne Augenbrauen – es ist eine Hommage an die Zeit um die Jahrtausendwende. Kein Wunder also, dass sich diese Nostalgie auch in der Sprache wiederfindet. Auf den meisten Social-Media-Plattformen gibt es keinerlei Zeichenbegrenzung, und in einem Whatsapp-Chat könnte man theoretisch einen ganzen Roman verfassen. Als Relikt aus der SMS-Ära sind Abkürzungen also sowas wie die Hüfthose der digitalen Kommunikation: Die junge Generation macht sie wieder groß, aber lässt ihre eigene Note einfließen. Wer Freude daran hat, soll sich doch ruhig kreativ austoben. Wir wünschen VieSpa!
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