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Immer mehr Unfälle in den Bergen: Vielen Wanderern fehlt es an Vorbereitung – und Vernunft

Kommentar

Immer mehr Unfälle in den Bergen: Die Alpen sind kein Spielplatz

Felicitas Lachmayr
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    Letzte Rettung Bergwacht: Allein in Bayern waren es im vergangenen Sommer mehr als 3300 Einsätze.
    Letzte Rettung Bergwacht: Allein in Bayern waren es im vergangenen Sommer mehr als 3300 Einsätze. Foto: dpa (Symbolbild)

    Immer mehr Menschen zieht es in die Alpen. Für die Bergwacht bedeutet das: Dauerstress. Fast täglich rücken die Retter aus, um Wanderer aus Notlagen zu befreien. Allein in Bayern waren es vergangenen Sommer mehr als 3300 Einsätze. Nicht immer sind alpine Gefahren der Grund. Verstauchter Fuß, allergische Reaktion, Schlaganfall, Herzinfarkt, all das kommt vor, am Berg genauso wie im Tal. Dann hilft nur noch der Notruf.

    Doch immer häufiger müssen die Retter Menschen vom Berg holen, die unverletzt sind, aber sich nicht mehr vor und zurück trauen. Menschen, die den Punkt überschritten haben, an dem es Zeit gewesen wäre, umzudrehen. Menschen, die sich selbst überschätzt und den Berg unterschätzt haben.

    Der Tourist in Badelatschen ist ein altes Klischee, trotzdem verirrt er sich noch am Berg

    Man könnte meinen, dass die vielen Einsatzmeldungen das Bewusstsein für die alpinen Gefahren geschärft haben. Der Großteil der Bergsportler ist auch verantwortungsvoll und gut vorbereitet unterwegs. An technischen Hilfsmitteln mangelt es nicht. Wetter-Apps, GPS-Geräte, digitale Karten, Webcams von Gipfeln und Pässen, Smartwatches mit Höhenmesser, Lawinenlageberichten, all das hilft bei der Tourenplanung und macht das Bergsteigen sicherer. Und gemessen an der Masse an Menschen, die jedes Jahr auf die Gipfel strömen, sind die Einsatzzahlen der Bergwacht noch im Rahmen.

    Doch bei manchen Wanderern kommen die Warnungen nicht an – oder sie wollen sie nicht hören. Da hilft es auch nichts, wenn Schilder vor Steinschlag, Lawinen, gefährlichen Kletterstellen oder schwierigen Routen mahnen. Sie laufen trotzdem einfach drauflos, ignorieren Unwetterwarnungen oder sind schlecht ausgerüstet. Der Tourist in Badelatschen wirkt wie ein überholtes Klischee und trotzdem verirrt er sich noch manchmal am Berg.

    An die eigenen Grenzen gehen, noch ein paar Meter weiter klettern, statt umzudrehen – in den sozialen Medien wird das Wagnis oft noch befeuert. Spektakuläre Bergfotos und Touren-Videos animieren eher zum Nachmachen als zum Nachdenken. Statt die Anforderungen mit den eigenen Fähigkeiten abzugleichen, werden Gipfel wie Briefmarken gesammelt, Höhenmeter gezählt und die eigene Leistung auf Vergleichsportalen zur Schau gestellt. Goethe schrieb, man sei nur da wirklich gewesen, wo man zu Fuß war. Aber man muss nicht auf jedem Gipfel gewesen sein, der einem auf Instagram präsentiert wird.

    Viele Wanderer wollen auf das Glücksgefühl am Gipfel nicht verzichten

    Die Berge sind kein Spielplatz, wer sie erleben will, sollte ihnen mit Respekt begegnen und sich entsprechend vorbereiten. Die Ignoranz und Rücksichtslosigkeit einiger Wanderer führen dazu, dass es für die Bergretter in manchen Regionen schwieriger wird, die vielen Einsätze überhaupt noch zu bewältigen. Die Helferinnen und Helfer machen das ehrenamtlich und opfern ihre Freizeit, um Menschen aus Notlagen zu befreien – oft unter schwierigsten Bedingungen und mit hohem Risiko. Wer das für selbstverständlich hält, hat am Berg nichts verloren.

    Sich einzugestehen, dass der Tritt nicht mehr ganz so sicher ist, der Weg zu ausgesetzt oder der Körper zu müde, mag vielen Wanderern schwerfallen. Sie wollen auf das Glücksgefühl am Gipfel und die Selbstbestätigung nicht verzichten. Aber viel wichtiger als die Zahl der erklommenen Gipfel ist die Fähigkeit, die eigenen Grenzen zu kennen und rechtzeitig umzudrehen, denn sie kann einem das Leben retten. Und ein verpasstes Gipfelkreuz-Selfie ist schneller vergessen als ein Anruf bei der Bergwacht.

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