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Junggesellenabschiede vor der Hochzeit sind beliebt. Aber nicht immer laufen sie wie geplant

Junggesellenabschied

Vom Prager Zwerg bis zum Stripclub: So absurd können Junggesellenabschiede sein

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    Einen Junggesellenabschied zu organisieren ist nicht ohne. Absagen und Stress sind keine Seltenheit.
    Einen Junggesellenabschied zu organisieren ist nicht ohne. Absagen und Stress sind keine Seltenheit. Foto: Christin Klose/dpa-tmn

    Die Tram-Türe geht auf. Herein stolpert eine Gruppe gut gelaunter, gut betankter junger Frauen. Eine von ihnen trägt ein Krönchen. Alle haben sich in alberne Kostüme gehüllt. Wer dieses Phänomen schon mal beobachtet hat, weiß, dass es sich hierbei nur um eins handeln kann: Ein Junggesellenabschied. Da soll noch mal ausgiebig gefeiert und die Sau rausgelassen werden, bevor mit der Hochzeit das tugendhafte Eheleben beginnt.

    Wer nur an Saufen denkt, täuscht sich: Hinter so einem „JGA“ steckt Arbeit. Es soll schließlich einer der tollsten Abende im Lebens des Bräutigams oder der Braut werden. Wer zum Trauzeugen berufen wird, hat meist die Aufgabe, die Planung zu übernehmen. Schön soll es werden, aber auch aufregend, herausfordernd und natürlich: unvergesslich. Schließlich muss der JGA mit anderen Junggesellenabschieden mithalten können.

    Auf die Plätze, fertig, Spaß!

    Und die sind mitunter verrückt. Junggesellen lieben offenbar Kurztrips nach Mallorca oder Ibiza. Besonders bei kostspieligen Vorhaben kann es passieren, dass Eingeladene dann doch kurzfristig absagen. Manchen ist es zu teuer, anderen zu stressig. Sind solch frustrierende Hürden genommen, geht es, wahlweise im Kostüm, los mit der Sause. Auf die Plätze, fertig, Spaß! Ein verbindendes Element: Alkohol. Der hilft nicht nur, um peinlich-übermütige Erlebnisse zu kreieren, sondern wirkt verbindend zwischen den Mitgliedern einer Gruppe, die da für einen Abend zusammengeworfen werden. Und ermutigt auch die Hauptperson, die keinesfalls prüde wirken will. Was könnte schief gehen?

    Bei Frauen geht es manchmal etwas besinnlicher zu

    Die meisten Junggesellenabschiede verlaufen harmlos, von kleineren Verletzungen abgesehen. Viele gehen über einen Abend, manchmal auch mit Übernachtung. Gemeinsam wird Lasertag oder Paintball gespielt, man besucht Escape Rooms oder eine Weinverkostung. Bei Frauen geht es auch mal besinnlicher zu – Keramik bemalen oder Gesprächsrunden, in denen gemeinsam Erlebtes geteilt oder ein JGA-Erinnerungsbuch befüllt wird. Oftmals steht noch eine Bar-Tour auf dem Programm.

    Aber es gibt auch Berichte von Junggesellenabschieden, die mit Verfehlungen einhergehen. Bei denen noch mal richtig die Freiheit gefeiert werden soll – im Stripclub oder darüber hinaus. Die Konsequenzen belasten Partnerschaften. In Hilfsforen im Internet lesen sich Geschichten, bei denen die Nacht wild war und nun guter Rat teuer ist. Ihr Verlobter sei in der Nacht betrunken mit einer Stripperin fremdgegangen, schreibt eine junge Frau. Alles sei schon geplant, aber sie könne sich die Hochzeit nicht mehr vorstellen. Ein anderes Mal ist es der frisch Verheiratete, den die Erinnerungen an die JGA-Nacht plagen, in der mit der Stripperin mehr vorgefallen war, als er seiner Braut beichtete. Die Kommentatoren raten ihm, bei der Lüge zu bleiben. „Mann, wozu ist ein Junggesellenabschied denn da?“, schreibt ein Nutzer.

    In Prag kann man sich an einen Kleinwüchsigen ketten lassen

    Ja, wozu ist ein Junggesellenabschied da? Worin liegt der Reiz, und warum wird diesem Tag so viel Bedeutung beigemessen? Gehört zur perfekten Hochzeit inzwischen ein unvergesslicher JGA? Welche kuriosen Auswüchse das annehmen kann, zeigt ein Blick nach Prag. Die tschechische Hauptstadt ist ein beliebtes Ziel feierwütiger Noch-Junggesellen. Die Anzeigen der Anbieter lesen sich als das, was sie sind: Zugeschnitten auf betrunkene junge Männer, die in der Nacht der Nächte noch mal richtig auf dicke Hose machen wollen.

    „Heiße Frauen, cooles Nachtleben, Spaß, Adrenalin und eine junge schöne Dame als Tour Guide … alles für deinen Junggesellenabschied in Prag zu einem guten Preis“, versprechen die Prague Weekend Partyplaner. In ihrem Programm gibt es nichts, was es nicht gibt. Fake Bungee-Jumping ist noch harmlos. Eine Panzer-Fahrt in Prag, eine „falsche Braut“ (die mit „echtem“ Hochzeitszertifikat verkündet, sie hätte den Bräutigam gestern geheiratet) und eine „geile dicke Frau XXL Strip Show“ können gebucht werden. Wenn der Abgrund noch nicht tief genug ist, gäbe es noch den Prager Zwerg, ein Kleinwüchsiger, der eine Stunde an Handschellen an den Bräutigam gekettet wird.

    JGAs zu belächeln, geht also nur so lange, bis man selbst Trauzeugin ist

    Absurd, dass so etwas zieht. Und schwierig, dass es kaum einen Weg um JGAs herumzugeben scheint – weil sie so fies damit verknüpft sind, dass man seinen besten Freunden ja wirklich einen schönen Abend bieten möchte. Sie zu belächeln, geht nur so lange, bis man selbst Trauzeugin ist. Dann soll man plötzlich einen großartigen Abend für gut zehn Personen organisieren, von denen einem einige fremd sind. Geht man anfangs noch idealistisch an die Planung heran, wird mit jeder schleppenden Abstimmung in der Whatsapp-Gruppe, jeder Absage und jeder Spekulation, was die Braut gerne hätte, klarer: Wir erfinden das Rad nicht neu. Irgendjemand kommt auf die Idee, ein JGA-Erinnerungsbuch zu drucken. Man überlegt, ob ein Kostüm nicht doch lustig wäre. Es geht in die nächstgrößere Stadt. Man kauft Alkohol ein, einen Schleier für die Braut. Und dann geht die Tram-Türe auf.

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