Startseite
Icon Pfeil nach unten
Kultur
Icon Pfeil nach unten
Gesellschaft
Icon Pfeil nach unten

Lecker oder lapprig: Würstchen zu Weihnachten?

Pro und Contra

„An Weihnachten haben Wienerle einen faden Beigeschmack“

  • |
  • |
  • |
  • |
    Kartoffelsalat mit Würstchen ist ein Klassiker der Weihnachtsküche.
    Kartoffelsalat mit Würstchen ist ein Klassiker der Weihnachtsküche. Foto: Christin Klose/dpa-tmn

    Hmm, was wird an Weihnachten nicht alles serviert. Gänsebraten mit Rotkohl, Ente mit Knödeln, Hirschgulasch, Karpfen. Festlich darf es sein - oder doch lieber bescheiden? Würstchen und Kartoffelsalat? Ein Pro und Contra.

    Pro: Kaum etwas erzeugt so viel heimelige Wärme wie ein blubbernder Wurstkessel

    Mit wem verbringen Sie das Fest? Soso, mit Ihren Liebsten? Auf die politischen Debatten mit Onkel Hubert freuen sie sich jetzt schon. Auf den Glühweinschwips mit Oma und auf das gemeinsame Gelümmel auf der Couch nach der Christmette. Aber mal ehrlich: Die meisten Stunden verbringen sie doch mit der ollen Gans. Also, pardon, mit dem feinen Festtagsbraten! Köcheln muss der Vogel über Stunden, massiert, begossen und beflüstert will er sein. Besträuselt bei Mondschein mit Edelkräutern, getauft in Soße. Und so wird die Weihnacht zur zeitfressende Küchenleistungsschau. Bis fast die fünfte Kerze brennt.

    Wie wär’s also stattdessen mal mit ... Würstl? Eine schnelle Lösung aus dem Topf, für die sich kein Hobbykoch schämen muss! Wienerle an Heiligabend, dazu Kartoffelsalat, das ist das Gegenteil von Wurschtigkeit. Das ist ehrliche Festtagsliebe. Da köcheln Debreziner, Bockwürste und Wiener. In der Pfannen zischen vegane Varianten, für den Happs ohne Gewissensbiss. Für jeden existiert eine Extrawurst und das ohne Extramühe, ohne die immer selben Festtagsköche für Stunden an den Herd zu verdonnern. Schenken Sie diesen Menschen eine flotte Lösung, Zeit, Ruhe, Wärme. Denn kaum etwas erzeugt so viel heimelige Wärme wie ein blubbernder Wurstkessel.

    Immer, wenn es gesellig, sozial werden soll, trifft sich der Mensch auf eine Wurst. Beim Dorffest, im Stadion, beim Grillabend, und das schon seit Kindheit, wenn’s beim Metzger die Extrascheibe Gelbwurst gab. Irgendetwas scheint dran an der Wurst, eine geheime Zutat, die in keinem Rezept steht, aber Menschen jeder Sorte verbindet. Auch an Weihnachten. Wenn man mit der Wichtelzipfelmütze auf dem Kopf die Wurstzipfel im Kochtopf zählt.

    (Veronika Lintner)

    Contra: Nach fünf Minuten ist das Festmahl vorbei - wo bleibt da die Weihnachtsstimmung?

    Wienerle gehen immer… aber gewiss nicht an Heiligabend! Da hat das weihnachtliche Traditionsgericht einen wirklich faden Beigeschmack. Wienerle sind ein Alltagsgericht, oft auch eine schnelle Lösung für Notsituationen, was der Heilige Abend hoffentlich nicht ist. Keine Zeit zu kochen, die Kinder kommen nach Hause? Schnell ein paar Wienerle mit Butterbrot als Mittagssnack. Was gibt es als Brotzeit in der Kantine? Wienerle! Wienerle kommen in den Linseneintopf, scheibchenweise in die Kartoffelsuppe. Gibt es keine Wienerle, dann Bratwürstl in der Semmel vom Weihnachtsmarkt. Die Vorweihnachtszeit ist oft ziemlich wurstlastig – dann als kulinarischer Höhepunkt noch den Kartoffelsalat dazu? Ach nö!

    Tradition bleibt Trumpf: Geflügel steht an Weihnachten ganz oben auf dem Speiseplan.
    Tradition bleibt Trumpf: Geflügel steht an Weihnachten ganz oben auf dem Speiseplan. Foto: Christin Klose/dpa-tmn

    Heilig Abend ist einer der schönsten Familienabende des Jahres. Man zieht sich schön an. Geht vielleicht gemeinsam in die Kirche, ist hoffentlich festlicher Stimmung und dann setzt man sich im feinen Gewand hin und beißt vom Wienerle ab? Jedes Lachsbrötchen mit Sahnemeerrettich hat mehr Festpotential.  

    Denn mit Wienerle ist es so: Sie sind schnell erhitzt und genauso schnell gegessen. Nach gefühlt fünf Minuten ist das Festmahl beendet, gemütlich zusammensitzen und gemeinsam die Ketchup- und Senfreste mit dem Brot vom Teller wischen? Früher war auch mehr Lametta. Na klar, wenig Aufwand, na klar, die ungeduldigen Kinder, na klar, haben wir immer so gemacht. Aber wenn man sich die Mühe macht, all die vielen Kartoffeln zu scheibeln, kann man sich auch paar Gedanken machen, ob es nicht ein festlicheres Essen gibt, bei dem sich der Aufwand ebenfalls in Grenzen hält – da kann dann auch jeder seinen Senf dazugeben.

    (Doris Wegner)

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein

    Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.

    Anmelden

    Sie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren