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LGBTQ-Fahne beim ESC 2025: Ist das Regenbogenflaggen-Verbot richtig?

Eurovision Song Contest

Pro und Contra: Ist das Verbot der Regenbogenflagge beim ESC richtig?

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    Nemo aus der Schweiz gewann 2024 das Finale des Eurovision Song Contest (ESC) in der Malmö Arena. Dabei zeigte er eine Nonbinary-Flagge. In diesem Jahr ist das verboten.
    Nemo aus der Schweiz gewann 2024 das Finale des Eurovision Song Contest (ESC) in der Malmö Arena. Dabei zeigte er eine Nonbinary-Flagge. In diesem Jahr ist das verboten. Foto: Jens Büttner, dpa (Archivbild)

    Als Symbol der LGBTQ-Bewegung steht die Regenbogenflagge für Toleranz und Vielfalt. Beim Eurovision Song Contest ist sie in diesem Jahr auf der Bühne allerdings verboten, Teilnehmerinnen und Teilnehmer dürfen nur die eigene Nationalfahne zeigen. Der Veranstalter, die Europäische Rundfunkunion, will dadurch verhindern, dass der ESC als politische Bühne genutzt wird. Aber ist dieser Schritt richtig?

    Pro: Das Verbot ist okay – weil der ESC selbst die Fahne ist

    Die Aufregung um das Pride-Flaggen-Verbot auf dem ESC in Basel ist überzogen. Bis auf Länderflaggen möchten die Macher politische Botschaften vermeiden. Aus zwei Gründen ist das nachvollziehbar.

    Erstens: Das Spektakel beim letzten Mal in Malmö war ja kaum noch auszuhalten. Ein Eklat reihte sich an den anderen. Vielen ist es vielleicht nicht mehr bewusst, aber der ESC war ursprünglich als Musikwettbewerb gedacht – nicht als Bühne für diesen und jenen Konflikt. Musik ist eine Magie, die Menschen berührt und verbindet. Der ESC sollte endlich wieder dafür sorgen, dass ihre Wirkung nicht im Streit verpufft.

    Zweitens: Wo sollen die Macher mit Verboten beginnen, wo aufhören? Wären Trump-Mützen noch okay, aber Antifa-Fahnen nicht? Lieber pauschal alle Botschaften zu vermeiden, ist da ein sicherer Weg. Den kann gerade die Schweiz als Austragungsland glaubwürdig beschreiten.

    Für queere Sängerinnen und Sänger ist das dennoch ein Schlag. Doch der ESC hat sich in den vergangenen Jahren ohnehin zu einer progressiven Veranstaltung gewandelt. Ihre Fans dürften die Werte Toleranz und Vielfalt längst zu schätzen wissen. Wem das zu woke ist, der schaltet eh nicht ein. Oder wird der ESC auch in Saudi-Arabien ausgestrahlt? Dann wäre das Verbot tatsächlich falsch. Dort wären die Flaggen für queere Menschen ein echtes Hoffnungszeichen. Auch in Europa bleiben die Pride-Signale wichtig. Doch unter dem Gesichtspunkt eines Kompromisses – damit andere politische Botschaften verboten werden können, im Namen von Musik und Einheit – bleibt der Schaden überschaubar. Musik allein ist die stärkste Kraft. Längst ist der ESC selbst zu einer riesengroßen Regenbogenfahne geworden. Das wissen die Fans. (Philipp Scheuerl)

    Der ESC-Verhaltenskodex über politische Botschaften

    Der „Code of Conduct“ ist das Regelbuch des ESC. Auf Seite 12 findet sich ein Abschnitt zum Thema „Verbotene Materialien“. Darin heißt es:

    „Das Anpreisen, Mitführen oder Tragen von politischem, religiösem (mit Ausnahme persönlicher religiöser Gegenstände), rassistischem oder werblichem Material, Schildern, Gegenständen oder Botschaften auf dem Veranstaltungsgelände ist verboten.“
    (übersetzt aus dem Englischen mit KI)

    Contra: Regenbogenflaggen-Verbot hat eine fatale Signalwirkung

    Wie politisch der Eurovision Song Contest sein darf oder soll, schien in den vergangenen Jahren eindeutig geklärt: Im Jahr 2014 gewann mit Conchita Wurst eine Dragqueen, im vergangenen Jahr mit Nemo eine nonbinäre Person. Bei beiden stand die jeweilige Identität nicht im Vordergrund, es zählte der Auftritt. Genau darin lag auch die Stärke des Wettbewerbs: Alle Menschen wurden beim ESC akzeptiert, ohne dass es ständig betont werden musste.

    Dass in diesem Jahr auf der Bühne nur noch die Fahne des eigenen Landes und damit ausdrücklich keine Regenbogenflaggen mehr erlaubt sind, eröffnet die Diskussion um politische Botschaften plötzlich allerdings ganz neu. Völlig ohne Not wurde eine Entscheidung getroffen, die einen Rattenschwanz nach sich zieht: Plötzlich wird die länderübergreifende Party, die wie kaum ein anderes Event für Akzeptanz und Zusammenhalt stand, von der Debatte überschattet.

    Und die Konsequenzen scheinen nicht bedacht worden zu sein. Die Menschen, die den ESC schauen, müssen nicht davon überzeugt werden, wie wichtig Toleranz ist. Doch nach außen hat das beschlossene Verbot eine völlig falsche Signalwirkung. Die Entscheidung hat bereits so hohe Wellen geschlagen, dass sie auch diejenigen erreicht, die sich sonst nicht für die Veranstaltung interessieren. Und die könnten sich so in einer ablehnenden Haltung gegenüber der LGBTQ-Community bestätigt fühlen. Ganz nach dem Motto: Wenn die Regenbogenflaggen nicht mal mehr beim ESC gestattet sind, dann hat sich die gesellschaftliche Akzeptanz offenbar wieder zurückentwickelt. Damit ist das Verbot der Regenbogenflaggen ein klarer Rückschritt. (Jonathan Lübbers)

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    5 Kommentare
    Marianne Böhm

    Es ist einfach immer wieder zu viel in was man eine Aktion, Event usw. hinein steckt... Man vermischt zu vieles miteinander, nichts hat mehr sein eigenes Thema, dann kommt das Politische, Divers, Gendern usw. oder es irgendwas, irgendwer hat Schuld.. Kinder fängt an zu leben, genießt die Musik, singt, tanzt und flirtet, aber hört auf ständig über hausgemachte Probleme nachzudenken.. das könnt ihr später auch noch ..!

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    Robert Miehle-Huang

    "Es ist einfach immer wieder zu viel in was man eine Aktion, Event usw. hinein steckt..." Vielleicht sollte man einfach daran denken, wenn man den ESC ausgerechnet am IDAHOBIT* abhält, oder etwa nicht?

    Robert Miehle-Huang

    Sie hörten des Volkes Stimme, passend zum heutigen IDAHOBIT*…

    Johann Koch

    Super Zeitungsbericht, der es wirklich auf den Punkt bringt!! Es handelt sich um einen Contest, in dem die Musik und nicht andauern die geschlechtliche und/oder sexuelle Ausrichtung der Interpreten im Mittelpunkt stehen muss. Ansonsten wird der ESC bald an Zuspruch und Interesse verlieren. Ich möchte einfach gute Musik hören und bei der anschließenden Punktevergabe mitzittern - nicht mehr und nicht weniger!!

    Franz Xanter

    Über was wird hier geurteilt? Den Eurovision Song Contest. Was, zumindest dem Namen nach, behandelt dieser Contest? Musik. Was folglich hat eine politische Äußerung hier zu suchen? Nichts!

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