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Nach Schüssen auf das Büro von Shirin David: Warum ist Beef im Rap allgegenwärtig?

Streitkultur

„No more Roxanne (Please)“: Über den andauernden Beef im Rap

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    Auf Shirin David‘s Büro wurde geschossen. Gerüchte kursieren, dass Loredana oder der Manager selbst dahinter steckt.
    Auf Shirin David‘s Büro wurde geschossen. Gerüchte kursieren, dass Loredana oder der Manager selbst dahinter steckt. Foto: Joerg Carstensen, dpa

    Streit unter Rappern gehört zur Rap-Kultur. Die Künstler roasten, also grillen sich gegenseitig und nennen das dann „Beef“. Die derzeit prominentesten Kontrahenten: US-Rapper Drake und Kendrick Lamar. Der eine wirft dem anderen vor, seine Frau schlecht behandelt zu haben. Lamar kontert, dass Drake pädophil sei – so geht das schon seit Jahren. Manchmal überdauert ein Streit sogar den Tod. Wie im Fall von Tupac Shakur und The Notorius B.I.G, die beide Ende der Neunziger Jahre erschossen wurden, vermutlich wegen der anhaltenden Fehde zwischen Rappern an der Ost- und Westküste. Aber das passiert ja auch nur in Amerika, oder?

    Schlagzeile in deutschen Medien Anfang November: Schüsse wurden auf Shirin Davids Büro in Berlin-Schöneberg abgefeuert. Keine Verletzten und bisher kein Täter, aber neuer Gossip für die Deutschrap-Szene.

    Rapperin Loredana soll in ihrem neuen Song Shirin David angreifen, so zumindest die Interpretation der Fans.
    Rapperin Loredana soll in ihrem neuen Song Shirin David angreifen, so zumindest die Interpretation der Fans. Foto: Henning Kaiser, dpa

    Laut Fans sollen Rapperin Loredana und Schwesta Ewa Shirin David in ihrem neuen Song angreifen. Nach dem Angriff auf Davids Büro behautpete Loredana auf Youtube, von dem Manager einer Künstlerin bedroht zu werden, der private Details veröffentlichen würde, wenn sie weiterhin gegen die besagte Künstlerin feuert. Und spielt damit auf David an, aber alles Spekulation. Dass Loredana wenig Sympathie für David hegt, ist jedoch kein Geheimnis.

    Die Gerüchteküche heizt David zusätzlich selbst an. Auf Instagram schrieb sie: „Wenn du schon auf unser Büro schießen musst, dann hab auch die entsprechende Haltung dahinterzustehen und blamier dich nicht hinter Posts, die behaupten, dass das eine Inszenierung war.“ Weiter sagt sie über den Vorfall: „Die denken, wir leben in der Bronx.“

    Wie eine fiktive Roxanne die Beef-Kultur im Rap prägte

    Bei all dem Drama fragt man sich zurecht: Warum ist Beef im Hip-Hop ein essenzieller Bestandteil? Im Grunde ist die Antwort einfach: Schon von Anfang an ging es darum, wer besser rappt und reimt. Rap ist Bestandteil der Hip-Hop-Kultur – und da gehören nun mal Wortgefechte oder „Battles“ (zwei oder mehr Rapper, die einander gegenüber stehen, beleidigen sich) dazu.

    Der erste aufgenommene Disstrack stammt von - wer hätte es anders gedacht - einem 14-jährigem Mädchen. Kein Scherz. In den 80ern rappte die Gruppe U.T.F.O in ihrem Song „Roxanne, Roxanne“ über eine fiktive Frau, die alle Bandmitglieder abblitzen lässt. Die Band wurde daraufhin zur Radioshow „Rap Attack“ eingeladen - kam aber nicht. Daher bat der Produzent der Show seine Nachbarin Lolita Shante Gooden, die schon damals ein Rap-Talent war, um einen Disstrack. Unter dem Namen Roxanne Shanté übte die Jugendliche mit ihrem Song „Roxanne‘s Revenge“ Rache an der Gruppe. Ein regelrechter Kampf, „The Roxanne Wars“, entfachte und machte Gooden in der Hip-Hop-Szene berühmt. So war der Stein für die heutigen Beefs ins Rollen gebracht. Wie an diesem prominenten Beispiel deutlich wird: Streit unter Rappern sorgt für reichlich Aufmerksamkeit - und Cash.

    Von der Straße ins Studio – warum der Beef eskalieren kann

    Die Ursachen für Beef und Straftaten im Rap liegen oft an den Umständen. Besonders in den USA wachsen viele Rapper in armen Vierteln auf, wo Gewalt, Drogen und Kriminalität zum Alltag gehören. Auch zu einer Gang zu gehören, ist da nicht selten und senkt die Hemmschwelle, bei Konflikten zur Waffe zu greifen. Kommt in der Rap-Szene in Amerika immer wieder vor. In Deutschland bleibt es meist auf lyrischer Ebene, aber das Streben nach Macht und ein verletztes Ego spielen auch hier eine zentrale Rolle. Wer würde zulassen, dass Lügen oder Halbwahrheiten die eigene Reputation zerstören? Dann muss man ja Kontern.

    Kann eine Bitte den Streit beenden?

    Irgendwann nahm „The Roxanne Wars“ ein jähes Ende. Die Radios entschieden sich dazu, neue Disstracks nicht mehr zu spielen. Den Moderatoren hing das ewige Hin und Her wohl zu den Ohren heraus. Selbst die Band „The East Coast Crew“ bettelte mit ihrem Song „The Final Word - No more Roxanne (Please)“ um ein Ende. Vielleicht ist der Schlüssel, Disstracks einfach nicht mehr zu hören oder ernst zu nehmen. Verliert der Streit an Relevanz, endet er von selbst. Aber in einer Welt, in der Social-Media Streitigkeiten in Endlosschleife aufheizt? Da ist eine Bitte eher Auslöser für noch mehr Tratsch.

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