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Noch einmal Meer: So liest sich der neue Roman „Biarritz“ von Andrea Sawatzki

Literatur

Noch einmal Meer: Der neue Roman „Biarritz“ von Andrea Sawatzki

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    Andrea Sawatzki geht im autobiografisch grundierten Roman „Biarritz“ einer schwierigen Mutter-Tochter-Beziehung nach.
    Andrea Sawatzki geht im autobiografisch grundierten Roman „Biarritz“ einer schwierigen Mutter-Tochter-Beziehung nach. Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpa

    Die Kindheit der Schauspielerin und Drehbuchautorin Andrea Sawatzki war nicht glücklich. Nachdem sie sich in „Brunnenstraße“ mit der Demenz ihres Vaters auseinandergesetzt hat, versucht sie im neuen, wieder autobiografisch grundierten Roman „Biarritz“ eine Annäherung an die Mutter.

    Emmi ist inzwischen ebenfalls in die Demenz abgeglitten, fristet in einem Pflegeheim ein kaum lebenswertes Rest-Leben, kann nicht mehr kommunizieren. Bei ihren meist von schlechtem Gewissen begleiteten Besuchen erinnert sich die Tochter Hanna an ein Leben im Schatten der Demenz zwischen Hoffnung und Verzweiflung – und an das Schweigen der Mutter zu den Problemen der Tochter.

    Daran, wie der Traum von einem glücklichen Familienleben zerplatzte, weil der Vater schon an Alzheimer erkrankt war, als er nach dem Tod seiner ersten Frau die Geliebte und seine Tochter zu sich holte. Wie sie sich von der überforderten Mutter alleingelassen fühlte und mit Trotz, ja auch Gewalt gegen den hilflosen Vater reagierte. Die Mutter verschloss sich, weigerte sich, über das Augenfällige zu sprechen. Diese Sprachlosigkeit vergiftete das früher so harmonische Verhältnis. Und jetzt, da die Mutter nicht mehr sprechen kann, ist es wohl zu spät für eine Aussprache.

    Könnte eine Reise Emmi zu einer glücklichen Erinnerung verhelfen?

    Aber dann taucht überraschend eine Freundin der Mutter aus alten Zeiten auf. Mit Marianne hat die junge Emmi eine glückliche Zeit in Biarritz verbracht, ehe die Freundschaft wegen eines Missverständnisses in die Brüche ging. Jetzt will Marianne der Tochter die Mutter wieder nahebringen. Denn neben all dem Zorn, mit dem Hanna auf ihre Kindheit zurückblickt, ist da auch noch viel Liebe. Sie weiß, was die Mutter alles auf sich genommen hat, um ihr ein glücklicheres Leben zu ermöglichen.

    Auch Hanna hat eine Erinnerung an Biarritz, an die gemeinsame Reise, die Mutter und Tochter nach dem Tod des Vaters unternahmen. Ein Foto davon trägt sie im Portemonnaie: „Auf dem Bild steht meine Mutter am Meer. Der Wind streicht ihr die Haare aus der Stirn, sie blickt in die Ferne und lacht.“ Könnte eine Reise nach Biarritz der dementen Emmi zu einer glücklichen Erinnerung verhelfen? Marianne ist sicher – und Hanna lässt sich überzeugen.

    Wie sein Vorgänger ist auch „Biarritz“ in seiner Ehrlichkeit manchmal schwer erträglich. Aber das Buch enthält neben Wut und Verzweiflung auch viel Zärtlichkeit. Und es thematisiert ohne Scheuklappen auch dies: Könnte es sein, dass selbst in der fortgeschrittenen Demenz noch Lichtblicke möglich sind?

    Andrea Sawatzki. Biarritz, Piper, 160 S., 22 Euro

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