Pro: Urlaubsdeko verleiht dem Zuhause einen Charakter abseits von Massenware
Die Buddha-Figur aus Thailand auf der Kommode, die Mosaiklampe aus der Türkei in der Küche und der orientalische Teppich aus Marokko als Hingucker an der Wohnzimmerwand: Mitbringsel aus dem Urlaub sind oft weit mehr als bloße Dekoration. Sie erinnern an besondere Momente, an Begegnungen, Gerüche und das Gefühl einer Reise – und bringen genau davon ein Stück mit nach Hause.
Denn nicht jede Dekoration muss praktisch sein oder perfekt zum Sideboard passen. Gerade Gegenstände aus anderen Ländern verleihen Wohnungen oft Persönlichkeit und erzählen Geschichten. Sie wirken individueller als Massenware und werden nicht selten selbst zum Gesprächsthema, wenn Besuch kommt. Plötzlich geht es um Reisen, Traditionen oder besondere Erlebnisse unterwegs: um den kleinen Laden in einer engen Gasse, den Marktbesuch am Abend oder das Gespräch mit einem Kunsthändler vor Ort.
Wer auf lokalen Märkten einkauft, unterstützt zudem kleinere Betriebe und nimmt etwas mit nach Hause, das eben nicht in jeder zweiten Wohnung steht. Gerade deshalb entscheidet man sich bewusst für handgefertigte Stücke statt schnell produzierte Trend-Deko.
Wichtig ist dabei allerdings auch ein bewusster Umgang mit kulturellen oder religiösen Symbolen. Ritualgegenstände oder bestimmter Federschmuck etwa haben in einigen Kulturen eine tiefere Bedeutung und sind nicht einfach beliebige Wohnaccessoires. Gleiches gilt für religiöse Figuren, die schnell zur bloßen „Party-Deko“ werden können.
Wer solche Mitbringsel jedoch mit Respekt auswählt und sich mit ihrer Bedeutung auseinandersetzt, holt sich nicht nur schöne Erinnerungen nach Hause, sondern oft auch ein kleines Stück Kultur und Persönlichkeit in die eigenen vier Wände. (Azaria Kretzinger)
Contra: Wer will im Mausoleum der eigenen Reisen leben
Kennt doch (fast) jeder. Es ist einer dieser vollkommen überflüssigen Sonntage im November. Den Monat braucht kein Mensch (wo es hier schon um´s entsorgen geht). Und Sonntagnachmittage, an denen der lotrecht aus dem grauen Lappen von Himmel fallende Nieselregen auf einen langen Herbst und einen noch längeren Winter einstimmt, den braucht erst recht niemand. Dann sitzt man da, eine leise Unruhe fährt einem ins Gebein und wächst sich zu etwas aus, das ein Ventil benötigt. Der Blick schweift deprimiert vom Lappen-Himmel durch die eigenen vier Wände und ganz plötzlich weiß man sehr genau, was dieses Unbehagen ausgelöst hat, wohin einen dieser November schon wieder gezwungen hat: Es ist dieses Zeug, das herumsteht. Diese Sachen, dieses Graffel, allüberall. Die Vinoterapia-Seife aus Lanzarote, die zwar wunderbar duftet, aber auch schon ganz schön verstaubt ist. Die Weihrauch-Kugeln aus Oman, die jetzt neben Boccaccios Decamerone liegen (warum da?, wer nur tut so etwas?), immer noch verpackt und erfüllen wie die gepresste Zitronenblüte, die aus dem Buch herausfällt, genau einen Zweck: Sie lösen Fernweh aus. Das ist eh latent immer da (auch wir sind überall ein bisschen ungern), aber jetzt wirkt es wie auf der Autobahn direkt unter dem Rollfeld des Frankfurter Flughafens im Stau zu stehen (während ein Flieger gerade nach New York aufbricht).
Wer die Wohnung mit Erinnerungsstücken versieht, lebt im Mausoleum seiner eigenen Reisen. Insofern gilt: Mehr Marie Kondo wagen. Was sich von dem Plunder auf Ebay zu Geld machen lässt, gleich monetarisieren. Danach das gute Gefühl, das nächste Flugticket nach Hawaii schon halb (nun ja) in der Tasche zu haben. Von da bringen wir dann Lava-Steine mit. Aloha. (Stefan Küpper)
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