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Pro und Contra: Sind Spaghetti die einzig wahren Nudeln?

Pro und Contra

Pasta-Debatte: Welche sind die besten Nudeln?

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    Müssen es immer Spaghetti sein?
    Müssen es immer Spaghetti sein? Foto: Franziska Gabbert, picture alliance/dpa

    Pro: Spaghetti lehren, wie man richtig Pasta kocht

    Ein „ewiges Essen“ nannte Peter Ludolf einst die Nudeln. Mit seinem Sermon über die Vielseitigkeit von Pasta landete der TV-Kult-Schrotthändler einen Internethit. Leider fütterte er damit ein großes Missverständnis, das der Nudel angedichtet wird: Nämlich, dass man es bei dieser ausgefuchsten Teigware mit einer unkomplizierten Allerweltsspeise zu tun hat, die man mal eben in heißem Wasser badet und dann mit Soße beschmiert, um sie zur Vollendung zu bringen. Stimmt nicht, das sagen nicht nur gastro-chauvinistische Italiener. Wer Nudeln kocht, kann viel falsch machen. Wer sie richtig kochen will, greife daher zu Spaghetti.

    Denn an keiner anderen Nudel wie dem Spaghetto (so die korrekte Einzahl) lassen sich die kapitalen Kochfehler durchdeklinieren. Er ist das Sensibelchen in der Welt der Teigwaren. Und was für eines: Man kann ihn nicht kalt essen, da wird er trocken, nimmt keine Soße auf, verklebt mit seinen Nachbarn. Überhaupt, das Verkleben: Spaghetti verkleben bei jeder Gelegenheit. Wenn man sie im kochenden Wasser nicht umrührt oder wenn man sie auch nur eine Minute nach dem Kochen ruhen lässt. Sie wollen al dente gekocht werden, sonst zergehen sie sofort zu Brei. Spaghetti muss man direkt in der Pfanne in Soße schwenken, wer sie erst auf dem Teller vermischt, riskiert das große Kleckern. Und sie taugen nicht als Beilage, weil sie sich auf dem Teller breitmachen, sobald sie dort platziert werden. Wenn man so will, sind Spaghetti ein Indikator für eine gelungene Pasta. Sie sind vielleicht nicht die einzigen, aber die einzig wahren Nudeln. Erst, wer Spaghetti zubereiten kann, kann Pasta kochen. Und darf erst dann an andere Nudeln ran. (Veronika Ellecosta)

    Contra: Es gibt nicht die eine Nudel, sondern die passende

    Spaghetti mögen lang, elegant und ikonisch sein. Aber sie zur einzig wahren Nudel zu erklären, ist ungefähr so sinnvoll, als würde man behaupten, es gäbe nur eine einzige Musikrichtung, die zählt. Wer so denkt, hat die kulinarische Welt durch einen sehr schmalen Strohhalm betrachtet. Denn Nudeln sind keine Einheitsmasse, sondern eine ganze Landschaft aus Formen, Texturen und Möglichkeiten. Spaghetti sind darin vielleicht die schnurgeraden Straßen – aber was wäre eine Welt ohne kurvige Pfade, breite Alleen und verwinkelte Gassen?

    Da sind die Penne, die Soße wie kleine Schatztruhen einfangen. Tagliatelle schmiegen sich an cremige Soßen wie ein weicher Schal an einem Wintermorgen um den Hals. Ja, auch Spaghetti haben ihre klassischen Soßen. Aber genau das ist der Punkt: Es gibt nicht die eine Nudel, sondern die passende.

    Und dann ist da noch das Handling. Spaghetti verhalten sich oft wie Kopfhörerkabel in der Hosentasche: Egal, wie viel Mühe man sich gibt, am Ende herrscht Chaos. Mit Mundwinkeln voller Soße und Händen kurz vor dem Krampf. Bleibt etwas übrig, zeigen sich die Spaghetti auch danach wenig gnädig. Schnell verwandeln sie sich in steinharte Schnüre, während andere Sorten am nächsten Tag noch als Pastasalat glänzen. Aufwärmen funktioniert weniger als mittelmäßig. Selbst beim Kochen verlangen Spaghetti mehr Aufmerksamkeit. Pflicht ist ein größerer Topf und rühren, rühren, rühren. Ansonsten wird das Klebepotenzial voll ausgeschöpft.

    Wer also nur Spaghetti gelten lässt, wischt diese Vielfalt vom Tisch und verpasst damit den eigentlichen Reichtum. Die Welt der Pasta ist kein gerader Strich – sie ist ein ganzes Universum. (Linda Rossmanith)

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