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Taylor Swift mit neuem Album „The Life Of A Showgirl“: Warum Fans zu „Ophelia“ tanzen und ins Museum rennen

Hype um Ophelia-Tanz

Tanz um Taylor: Warum Swifties plötzlich im Museum tanzen

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    Taylor Swift bricht mit ihrem neuen Album „The Life Of A Showgirl“ wieder mal alle Rekorde.
    Taylor Swift bricht mit ihrem neuen Album „The Life Of A Showgirl“ wieder mal alle Rekorde. Foto: Universal Music

    Zu viele schlechte Nachrichten in der Welt? Gelobt sei da der Instagram-Algorithmus. Es reicht, Taylor Swift zu folgen und ein paar Mal „Gefällt mir“ zu signalisieren, schon erreicht einen zu ihrem neuen Album „The Life Of A Showgirl“ eine Flut an Kurzvideos, die alles andere in den Schatten stellt. Der Ukraine-Krieg, Anti-Trump-Demos, Gaza, die Hamas und die Geiseln, das alles lässt sich auf Insta leicht ausblenden.

    Allerdings führt das harmlose Swift-Inhalte-Schauen in geistige Untiefen. Man kennt den Algorithmus ja nicht, weiß nicht, warum man jetzt dieses oder jenes zu sehen bekommt, denkt sich, weil es gerade angesagt ist. Doch das Allermeiste auf Instagram sieht man ja nicht, schätzungsweise 99,99 Prozent und noch ein bisschen mehr. Man wähnt also, dass die ganze Welt da draußen gerade wie verrückt Tanzvideos zu Swifts neuem Nummer-1-Hit „The Fate Of Ophelia“ produziert, ahnt, dass das doch nur die treuen Fans sein werden, und fragt sich außerdem noch, was diese Tanzvideos zu bedeuten haben für jene Artikel über das neue Swift-Album, die behauptet haben, dass die Fans Sturm liefen gegen das neue Album. Da hieß es, dass die Fans vom schlechtesten Swift-Album sprechen und ihr die Gefolgschaft aufkündigen würden. Nichts davon im eigenen Instagram.

    Taylor Swift bricht Verkaufsrekorde mit ihrem neuen Album „The Life Of A Showgirl“

    Das Großartige am Netz und seinen sozialen Plattformen ist ja, dass in diesen unendlichen Weiten alles sich Widersprechende seinen Platz findet. Aber wie dort dann ein Meinungsbild ableiten? Die positiven und die negativen Kommentare zählen? Unter welchen Beiträgen? Oder nur das Werten, was als eigener Beitrag versendet wurde? Aktiv danach suchen oder nur das bewerten, was zufällig eingetrudelt ist? Es hat einen Grund, warum Meinungsforscher nicht bei Instagram nach Antworten auf ihre Fragen suchen, sondern dazu eigene Umfragen starten. An das statistisch relevante Material lassen einen die großen Tech-Konzerne nicht heran. Wie Drachen hüten sie ihre Firmenschätze.

    Aber genug der Abschweifung und mal ein paar Fakten. Am Ende der ersten Woche stand Taylor Swifts Album beim Musikstreamingdienst von Apple in – bitte festhalten – 100 Ländern auf Platz 1. Swifts Label Universal schlug vor lauter Rekorden verbale Purzelbäume allein in Deutschland: umsatzstärkstes Album eines internationalen Solo-Acts seit dem Start der Verkaufsdatenerfassung vor 25 Jahren. Platz eins auf den Album- und Single-Charts usw. Man könnte auch einfach sagen: Rein kommerziell scheint Taylor Swifts neues Album ein Erfolg zu sein. Es verkauft sich sogar als physisches Produkt in Form von CD oder Vinyl-Platte so gut wie schon lange nichts mehr. Für vergleichbare Verkaufszahlen muss man zurück in die 1980er und 1990er Jahre gehen, also in Zeiten, in denen Musik noch nicht digital übers Netz gehört wurde. Und zusätzlich wird das Album auch noch gestreamt. Die Fans wenden sich von Taylor Swift ab? Unter dieser Perspektive eine ziemlich steile These.

    Und damit wieder hinein in den Instagram-Sog. Alles tanzt gerade diese Arm- und Schrittfolge aus Swifts Ophelia. Man verteilt für die Tanzanleitung ein Like und schon öffnet sich auf Instagram die Büchse der Pandora. Denn dieser Strom an Videos reißt seitdem nicht mehr ab. Profi-Tänzerinnen vom Swift-Team, Influencer in New York, Shanghai, beim Marathon, in der Wohnung, vor dem Fernseher, überall Swifts „Ophelia“. Die junge Mutter tanzt vor ihrem Baby, der Freund tanzt für seine Swiftie-Freundin und eine Krönung, es gibt auch ein unglaubliches Ophelia-Duett mit Hund zu sehen.

    Taylor Swift nimmt im Video zu „Ophelia“ Bezug auf ein Gemälde von 1900

    Doch man kann all diesem Tanz-Eskapismus auch etwas Positives abgewinnen. Die Menschen könnten statt Tanzen auch Schlimmeres machen. Rassismus und Hetze verbreiten, Hass schüren. Machen ja genug. Also doch noch ein paar Likes für die nächsten Ophelia-Clips verteilen, im Wissen, dass Instagram einem nichts anderes mehr anzeigen wird.

    Doch dann passiert das Unerwartete. Instagram spielt das Video einer Kunsthistorikerin aus, die jetzt ausnahmsweise nicht dreimal mit dem Kopf nickt und kunstvoll mit den Armen schlenkert, sondern etwas erklärt: Denn im Swift-Video von „The Fate Of Ophelia“ gibt es nicht nur Tanzschrittchen, sondern auch kunsthistorische Anspielungen. Gleich am Anfang die Einstellung der ertrunkenen Ophelia, die auf Friedrich Wilhelm Theodor Heysers „Ophelia“-Gemälde von 1900 Bezug nimmt und das Bild kopiert. Die Arbeit des Jugendstilmalers hängt im hessischen Landesmuseum für Kunst und Natur in Wiesbaden. Nun pilgern echte Swifties scharenweise ins Museum. Und natürlich wird vor dem Bild jetzt auch getanzt und gefilmt.

    Übrigens zitiert Swift in der Schlusseinstellung des Videos auch noch ein Ophelia-Gemälde des britischen Präraffaeliten John Everett Millais aus dem Jahr 1853. Dessen Modell für die Ophelia war die britische Malerin und Dichterin Elizabeth Siddal. Bei den Sitzungen zum Gemälde zog sie sich eine Lungenentzündung zu. Nach einer Fehlgeburt im Jahr 1861 beging Siddal 1862 bei ihrer zweiten Schwangerschaft Suizid. Da wird das Ophelia-Schicksal dann kein Showgirl-Spaß, sondern bitterer Ernst.

    Und wahrscheinlich ist das ein guter Zeitpunkt, um Instagram für ein paar Monate zu deinstallieren. Vielleicht wirkt sich Enthaltsamkeit auf den Algorithmus aus und er zeigt einem wieder anderes als Taylor-Swift-Fan-Content.

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