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Taylor Swifts neues Album „The Life of a Showgirl“ klingt müde, ausgelaugt, erschöpft.

Musik

Das neue Album von Taylor Swift schmeckt wie ein ausgelutscher Kaugummi

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    Taylor Swift hat mit „The Life of a Showgirl“ ein neues Studioalbum herausgebracht.
    Taylor Swift hat mit „The Life of a Showgirl“ ein neues Studioalbum herausgebracht. Foto: Darryl Dyck/The Canadian Press via AP/dpa

    Was hatten wir erwartet? Kurz gesagt: Vermutlich alles. Jedenfalls nicht weniger als den wohl magischsten Pop-Moment der Menschheitsgeschichte. Schließlich hat sich der größte, einflussreichste und reichste Popstar der Welt, die Frau, die im Alleingang Volkswirtschaften belebt und deren 2023/2024er „Eras“-Tour die umsatzstärkste Konzertreise aller Zeiten war, sich erstmals seit 2017 wieder mit den schwedischen Überproduzenten Max Martin und Shellback zusammengetan. Jenen Cleverles also, die um die Jahrtausendwende die Karrieren von Britney Spears und den Backstreet Boys hauptsächlich verantworteten. Und dann gab es dazu ja schon diese flamboyante, extrovertierte und hedonistische Albumästhetik zu sehen. Und wenn man die in die mutmaßlich geniale Hit-Gleichung miteinbezieht? Sagen wir so: Es hätte eine Kombination aus „…Baby One More Time“, „I Want It That Way“ und den von Martin/Shellback mitgeschriebenen und -produzierten Swift-Knüllern wie „We Are Never Ever Getting Back Together“, „Blank Space“, „I Knew You Were Trouble“ oder „Shake It Off“ gebraucht, um die Ansprüche zu erfüllen.

    „The Life of a Showgirl“ ist jedoch nicht das Album, das viele sich erhofft hatten. Einerseits konnte es kaum anders ausgehen angesichts der Erwartungsüberfrachtung. Andererseits haut einen das Album auch nach drei, viermaligem Hören objektiv betrachtet nicht unbedingt um. Es besteht aus straffen zwölf Songs und dauert knapp 42 Minuten, kein Vergleich also zum vor achtzehn Monaten veröffentlichten Zweieinhalbstundenepos „The Tortured Poets Department“. Doch schmeckt es schon bald wie ein etwas ausgelutschter Kaugummi. Die Songs klingen kaum knackig und knallig, wirklich euphorisierende Uptempo-Electropop-Dancefloor-Hände-in-die-Höhe-Momente sind nur mit sehr viel Mühe zu finden.

    „The Life of a Showgirl“ hört sich an, als ob Taylor Swift letzte Kräfte hat mobilisieren müssen

    Taylor Swifts zwölftes Studioalbum hört sich weitgehend an, als hätte die ultrahartarbeitende Künstlerin bei der Studioarbeit in Stockholm letzte Kräfte mobilisieren müssen. Die Stimme ist natürlich wie immer perfekt, alles ist – selbstverständlich – top produziert, und wer mag, findet auch diesmal wieder in jedem Song ein, zwei Zeilen, die ein paar hundert Millionen Menschen aus der Seele sprechen („I’ve been dying just from trying to seem cool“ aus dem charmant-nachdenklichen „Eldest Daughter“ zum Beispiel). Und doch: „The Life of a Showgirl“ ist zwar das Album einer Popkünstlerin auf dem Zenit ihrer Macht, die im an George Michaels gleichnamiges Stück angelehnten „Father Figure“ gar den Mafiaboss („I protect the family“) gibt und mit ihrem einstigen Labelboss Scott Borchetta abrechnet, der sie verraten habe. Doch wäre „The Life of a Showgirl“ eine Person, würde man sie für ausgelaugt, müde und erschöpft halten und ihr Wanne, Wärmflasche und Wolldecke ans Herz legen.

    Aber: The Showgirl must go on. Und verspricht im ersten Song „The Fate of Ophelia“ gleich mal, nicht das Schicksal des tragisch ertrunkenen „Hamlet“-Charakters zu teilen. Ein netter, hübscher, melancholischer Song genau wie das folgende „Elizabeth Taylor“. Hier zieht Swift zu einer Fleetwood Mac aufleben lassenden Melodie Parallelen zwischen dem Dasein der Hollywood-Diva, szenisch festgehalten in Portofino und dem Pariser Luxushotel Plaza Athénée, und ihrer eigenen Goldkäfigsituation. Sie singt „Your’re only as hot as your last hit, Baby“, was in Swifts Fall längst nur noch eingeschränkt gilt, denn die 35-Jährige aus Pennsylvania ist als Gesamtkunstwerk längst unendlich viel größer als die Frage, wie gut einzelne Songs von ihr im Radio laufen.

    Generell sind die Worte gewagter als die Musik

    Es wäre allerdings schön gewesen, hätte „The Life of a Showgirl“ ein paar dieser obersten Güteklassehits zu bieten. „Opalite“ kommt so einer Autoradiomitsinghymne noch am nächsten, „Actually Romantic“ erfreut immerhin mit einer E-Gitarre, der abschließende Titelsong mit Freundin und einzigem Albumgast Sabrina Carpenter mutet stark wie die Abspannmusik für ein Filmmusical an. Das an Grunge erinnernde und rachelüsterne „Cancelled!“ lässt einen an das unterschätzte Swift-Album „Reputation“ (2017) denken, auf dem die seinerzeit von mehreren Seiten angegriffene Swift zum „Sie wankt, aber sie fällt nicht“-Gegenschlag ausholte. Generell sind die Worte gewagter als die Musik. „Actually Romantic“ etwa gibt der Rivalin Charli XCX mit der bösen Zeile „I heard you call me ‚boring Barbie‘ when the coke’s got you brave“ („Ich habe gehört, du nennst mich ‚langweilige Barbie‘, wenn du dir Mut angekokst hast“) ordentlich einen mit, insgesamt kommen acht der zwölf Songs auf einen Warnhinweis für „explizite Lyrik“.

    Was uns, unweigerlich, zu Travis Kelce bringt. Taylor Swift ist bekanntlich seit zwei Jahren mit dem American Footballer zusammen. Die Ankündigung für das neue Album machte sie diesmal auch nicht bei den Grammys, sondern im Podcast „New Heights“, den Travis mit seinem Bruder Jason betreibt. Auch die sehr öffentliche Verlobungsbekanntgabe („Deine Englischlehrerin und der Sportlehrer werden heiraten“) diente bereits der Album-PR. Insgesamt hält sich Swift zwar mit Liebesbekundungen auf ihrem Album einigermaßen zurück, das zuckersüße „Honey“ behandelt das Thema auf recht putzige Weise. Doch möchte man ihr wünschen, dass die gefühlten zehn schlüpfrigen Umschreibungen („Redwood tree“, „magic wand“), die sie - im stilistisch „I Want You Back“ von The Jackson 5 grüßenden - „Wood“ für das Glied ihres Verlobten bereithält, irgendwie ironisch gemeint sind. „His love was the key that opened my thights“, lässt sie uns dann noch wissen. „Seine Liebe war der Schlüssel, der meine Schenkel geöffnet hat.“

    Parallel zur Albumveröffentlichung läuft im Kino an diesem Wochenende großflächig der Album-Making-Of-Film „The Official Release Party of a Showgirl“. Und demnächst dann in diesem Theater: Die Hochzeit von Taylor und Travis.

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