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Pro und Contra: Schlange stehen für die Taschenuhr „Royal Pop“?

Trends

Schlange stehen für Uhren und Labubus: Hype mitmachen oder Demütigung?

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    Schlange stehen für eine Uhr, echt jetzt?
    Schlange stehen für eine Uhr, echt jetzt? Foto: Salvatore Di Nolfi/KEYSTONE, dpa

    Pro: Wofür steht man nicht alles an, manchmal auch nur für eine Coffee-to-go

    Sehr viele Dinge, die man besitzt, braucht man nicht wirklich. Vielleicht sind sie nützlich, vielleicht machen sie einen ab und an glücklich, aber notwendig? Also notwendig im Sinne von, ohne ginge es nicht? Labubus gehören natürlich nicht dazu, also diese kleinen Plüschmonster, die in zehn Jahren auf irgendwelchen Müllbergen liegen und dann partout nicht verrotten wollen. Und ganz sicher auch nicht die neue Taschenuhr „Royal Pop“, von manchen Verächtern „Royal Flop“ genannt, einfach, weil der Scherz schon mal auf der Hand liegt. Hahaha. Und hahaha, sehr einfach ist auch, sich über die Menschen lustig zu machen, die nun in Schlangen vor den Läden stehen, um beim Hype um den künstlich verknappten Hybrid von Swatch und Audemars Piguet mitzumachen.  Wie kann das bitte schön die ganze Mühe wert sein … eine Frage, die sich beim Staustehen Richtung Brenner übrigens auch aufdrängen könnte?

    Jetzt kann man natürlich so argumentieren: Immerhin bringt das Ding im Wiederverkauf oft das Doppelte. Wenn man Geld damit machen will, dann nur jetzt zu Beginn des Wirbels. Und fühlt es sich nicht auch gut an, etwas so Begehrtes am Handgelenk baumeln zu haben, das man sich vielleicht einfach mal leisten kann im Gegensatz zum Beispiel zur Royal Oak von Audemars Piguet für zigtausende Euro? Da lacht übrigens keiner! Die entscheidende Frage aber ist doch die: Was sind uns all die Dinge wert? Und beginnen kann man bei der kritischen Analyse schon beim Coffee-to-go, den man sich für drei, vier Euro beim Bäcker gönnt, für den man vielleicht auch in der Reihe steht.  Ist doch auch verrückt, aber macht einen im Moment einfach ein wenig glücklicher. Warum also nicht?  (Stefanie Wirsching)

    Contra: Sich wegen eines Hypes irgendwo einreihen, ist die ultimative Demütigung

    Zunächst mal ist so eine Warterei überhaupt ein Graus. Man muss seinen Alltag nicht zwingend als permanentes Last-Minute-Konzept gestalten, aber es gilt grundsätzlich doch schon: Lieber gerade rechtzeitig als irgendwo dumm rumstehen. Und Entschuldigung, was bitteschön ist das denn sonst? Nur Briten sehen in einer Schlange (etwa für das nächste Harry-Potter-Buch) elegant aus. Aber der Rest der Welt? Sich für irgendein gehyptes Teil (was zum Teufel ist ein Labubu???) – am Ende noch über Nacht – irgendwo einreihen, ist nicht anderes als die ultimative Demütigung.

    Der Grat zwischen Trend-Setter und Fashion-Victim ist ohnehin schmal. Wer sich vor irgendeinem Shop um den Block herum die Füße platt steht, weil er glaubt, zu den ersten Uhren-Trägern, Smartphone-Nutzern, zu was weiß ich, gehören zu müssen, hat nicht nur die Absturzkante nie erkannt, er ist in diesen Angelegenheiten von Anfang an tief gefallen. Es gibt ohnehin genügend Plunder in all diesen Innenstädten. Und wie groß kann die Gier (und apropos liebe Fußballspieler, Trainer, Kommentatoren, die so hoch gelobte Avaritia galt mal als Todsünde) denn sein? Nichts gegen einen gemütlichen Einkaufsbummel oder die Erfüllung eines lang gehegten Wunsches, aber so ein bisschen Restwürde sollte vielleicht noch bleiben, was? Auf den einen Tag kommt es im Überfluss am Ende ganz sicher auch nicht mehr an. In Berlin haben sich zuletzt hunderte Meter Menschen-Reihen gebildet, weil sie mal das von einem Netz-Beeinflusser empfohlene Döner-Croissants kosten wollten. Joa. Muss man mögen. (Stefan Küpper)

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