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Alles Liebe, euer Gigi: Wie der Hass über "L'amour toujours" gekübelt wurde

Foto: Imago/Georg Wendt, dpa

Der Spontanchor des Sylter Kaschmir-Pulli-Träger-Vereins gewinnt den Pokal für die hässlichste, rassistischste, dummbraunste Popsong-Coverversion. Dabei wollte ein DJ aus Italien über die Liebe dichten.

Wenn Popstars Liebeslieder schrieben, dann klang das zur Jahrtausendwende oft nach Megafon und Rummelplatz. Krachbunter Eurodance in Plastiksoundverpackung, Umzzummzzummzz und „Hyper, hyper!“, aber mit karamellisierten Texten glasiert. Und diesen Schmalz, den müssen sie jetzt einmal über sich er- und zergehen lassen wie Zuckerguss, denn der Song, um den es hier geht, ist politisch relevant: „Jeden Tag und jede Nacht träum’ ich immer davon, dass du bei mir bist. Oh, Baby, jeden Tag und jede Nacht. Sei gewiss: Alles wird gut. Ich werde mit dir fliegen.“ 

Gesülzt und gepilchert, werden Sie jetzt schimpfen! Aber Entwarnung: Der Originalsongtext ist in englischer Sprache verfasst. Was den Zucker verdaulicher macht und auch eine Erklärung bietet, warum das Lied zum Hit 2001 wurde. „In meinem Lied geht es um ein wunderbares, großes und intensives Gefühl, das die Menschen verbindet. Es ist die Liebe“, sagt Dj Gigi D’Agostino heute im Spiegel und klingt so, als müsste er sich erklären. Denn die Liebe, die haben sie jetzt mit Hass übergossen.

"Ausländer raus": Was hat die Sylter Gesangsversammlung nur geritten?

Auf dem Cover der CD blickt DJ Gigi durch seine blaugetönten Sonnenbrillengläser nach rechts, weit in ein rechtes Nirgendwo. Als hätte er’s geahnt. Denn noch viel, viel weiter rechts, im abstrakten Jenseits von Gut und Böse, dort haben jetzt ein paar Pullundertouristen mit Wohlstandshintergrund einen neuen Songtext zu seiner Melodie gefunden. Und ihn lautstark gesungen. Fast unnötig, die Bilder noch einmal zu beschreiben, das Video ist durch alle News-Sender, Zeitungen, Magazine und Netzwerke gewandert. Eine Gruppe junger Menschen feiert auf auf der Insel Sylt. Sie singen Gigis Lied, aber in der alternativen Textversion, die zur Zeit in dunkeldeutschen Ecken die Runde macht:

"Deutschland den Deutschen. Ausländer raus."

Diese Botschaft darf man ruhig einmal auf sich wirken lassen. Ausgeschrieben, schwarz auf weiß, schlagen diese Zeilen sogar noch eine Stufe brutaler in die Magengrube, ins demokratische Bauchgefühl. Waschechter, porenreiner, rassistischer Neonazi-Sprech. Deutschland den Deutschen, für die Parole gibt es unter zertifizierten Rechtsextremen sogar einen Code: 444, dreimal der vierte Buchstabe des Alphabet, wenn denn die Rechenkompetenz bis 4 reicht. Und man fragt sich: Was zum Teufel hat die Sylter Gesangsversammlung geritten? Die Frage hallt hin und her, mit Rückkopplung und Verzerrung, im verstärkten Echoraum. Denn nach dem Chor ist vor dem Chor. Dem Chor der Reaktionen. 

Reaktionen auf den "L'amour toujours"-Skandal von Scholz bis Merz

Die Politiker: Olaf Scholz nennt die gesungene Parole „eklig“ und „nicht akzeptabel“. Die weiter Verbreitung muss verhindert werden, sagt der Bundeskanzler. „Was geht eigentlich in den Köpfen dieser Leute vor, das ist doch auch mit Alkoholkonsum nicht mehr zu erklären“, sagt Friedrich Merz. Endlich einmal Einigkeit. 

Die Volksfestwirte: Song-Verbot in den Bierzelten, kein Gigi auf der Bergkirchweih in Erlangen und auch nicht auf der Wiesn. Oktoberfest-Chef Clemens Baumgärtner: „Wir wollen es verbieten und ich werde es verbieten. Auf der Wiesn ist für den ganzen rechten Scheißdreck kein Platz.“ 

Die Debattentreiber: Der Stern fragt „Haben die 'Champagner-Nazis' eine zweite Chance verdient?“, nachdem die Netzgemeinde der Twitter-Ermittler schon einige der Sänger ausfindig gemacht hatte und zwei von ihnen deshalb ihren Job verloren

Die Clowns: „Döp dödö döp!“, twittern sie und imitieren Gigis Stadionhupen-Melodie, ja sehr hässlich die Angelegenheit, aber ein Ohrwurm ist es schon, gell? 

Zuletzt der Verdatterte: Luigi D’agostino, heute 56, und jetzt wieder auf Platz 1 der deutschen iTunes-Charts. Mit dem Original-Text, hofft man inständig. 

Auch bei Abifeiern und Dorffesten singen sie "Deutschland den Deutschen"

Großmütter, die noch Gedichte auswendig lernen mussten, flüstern es ihren Enkel beim Tee zu: „Wo man singt, da lass dich nieder. Bösewichter kennen keine Lieder.“ Ja gut, der „Bösewicht“, das ist ein Wort aus Italo-Western und Degenrächer-Film. Aber die Motivation der Damen und Herren des Impro-Chors würde einen doch brennend interessieren. Ein Akt der Provokation? Ja gegen wen oder was wollen die Kaschmir-Models bitte rebellieren? Auf Sylt? Unter ihresgleichen? Und manche staunen: Dieses Rechtsextreme, dieses, pardon, brunzblöd Braune, trägt das auch Maßanzug? Klar, solche Szenen wähnt man am liebsten unter Glatzen. Rechtsextremen Ultras. Aber nein. Wir leben in einem Land, in dem ein Verbund, der als Professorenpartei gestartet war, jetzt in Parlamenten seine rechtsextremen Flügel spreizt. Viel stärker muss einen dieses dumpfe Gefühl zum dumpfen Gesang plagen: Warum ahnt man schon, dass solche rechtsextremen Rudel-Chöre sich bei diversen Festen zusammenfinden, irgendwo zwischen Süderbrarup und Garmisch? Fakt ist: Seit Oktober 2023 ploppen in sozialen Netzwerken Videos auf, mit Menschenansammlungen aus dem ganzen Bundesgebiet, die den Gigi-Nazi-Remix singen. Bei Dorffesten. In Diskotheken. Auf Abifeiern an Eliteschulen.

Die "Ausländer raus"-Sängerknaben verstecken sich in der Masse eines Chors

Das ist kein Korpsgeist, das ist ein vergifteter Chorgeist, der seinen Sängern das Gefühl der Sicherheit gibt, sich im Rudel von 15 Tenören zu verstecken, die im Zweifelsfall die Schuld tragen. Denn man war ja eh der Leiseste. Nicht so textsicher wie die anderen. Wusste jauch nicht so ganz exakt, wie der Text semantisch-poetologisch zu deuten ist – bei satten fünf Wörtern in Summe. Da hatte sich Gigi über die volle Textlänge mehr Mühe gegeben.

Ist es nicht an der Zeit, einen demokratischen Gegenchor gründen? Oder – beim Erbe der Fischerchöre! – zumindest könnte sich jemand bemühen, einen Alternativ-Text entgegenzusetzen. Manche Musiker laden schon ihre Cover ins Netz, mit Alternativtexten von Alternativtexten, ganz ohne Hass. Potenzielles Vorbild: August Heinrich Hoffmann von Fallersleben. Der Poet dichtete nicht nur den staatstragenden Text der deutschen Nationalhymne, nein auch einen alternativen zur Melodie. Im Jahr 1840 schrieb er, zur Veräppelung der deutsche Kleinstaaterei, im deutschen Zollverein: 

„Schwefelhölzer, Fenchel, Bricken, 

Kühe, Käse, Krapp, Papier, 

Schinken, Scheren, Stiefel, Wicken, 

Wolle, Seife, Garn und Bier ...“ 

Probieren Sie’s aus und singen Sie: Die Zeilen lassen sich passgenau auf die Melodie von Joseph Haydn dübeln. Deutschland war schon immer ein Gemischtwarenladen, ein Flickenteppich der Vielfalt und nie Monokultur, so sehr sich das manche fantasie- und lieblose Geister auch wünschen oder erzwingen wollen. Und darin liegt die Chance für die Demokratie. 

Italienischer Komponist, englischer Text, französischer Titel, Hit in Deutschland

Dieser Song, der jetzt immer weiter durch die Schlagzeilen gejagt wird, den hat einmal ein Italiener komponiert, auf Englisch betextet und damit Platz drei der deutschen Charts erreicht. Aber der Liedtitel ist französisch: „L’amour toujours“. Ewige Liebe. Alles Liebe, Gigi.

Veronika Lintner